Ihr Leben hat Navi Pillay in den Dienst der Gerechtigkeit gestellt. Die furchtlose Juristin und frühere Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte kämpfte an vielen Fronten gegen Unterdrückung, Diskriminierung und den Missbrauch der Macht. Nun erhält die Südafrikanerin für ihr Jahrzehnte währendes Wirken die höchste internationale Auszeichnung für den Frieden: den Friedensnobelpreis.

Navanethem "Navi" Pillay werde für ihren mutigen Einsatz für das Völkerrecht und ihren Einsatz gegen Kriegsverbrechen und Genozid gewürdigt, begründete das Nobelkomitee die Vergabe. Von der Auszeichnung erfuhr die 85-Jährige in Nürnberg, wo sie an einer Tagung zum 80. Jubiläum der Verabschiedung der UN-Charta teilnahm. "Ich hoffe, das ist kein Scherz", sagte sie in einem auf der Internetplattform X verbreiteten Video.

Geboren unter dem Apartheidsregime

Geboren wurde Pillay am 23. September 1941 in einer indisch-tamilischen Familie unter dem Apartheidsregime. Stets setzte sie sich für einzelne Menschen ein, schon als Anwältin in ihrem Heimatland Südafrika. Sie denkt aber auch in großen Dimensionen: "Als die UN gegründet wurde, war sie lediglich ein Club der Staaten", sagte Pillay vergangenes Jahr. "Alles, was wir heute zum Schutz der Menschenrechte haben, ist nicht einfach so entstanden, weil die Staaten eines Tages aufgewacht sind." Es sei dem Druck der Zivilgesellschaft zu verdanken.

Kontroversen hat die zweifache Mutter nie gescheut - und zog damit immer wieder den Zorn von Regierungen auf sich, zuletzt der israelischen. Als Vorsitzende einer UN-Untersuchungskommission werteten Pillay und ihre Mitarbeiter die Militäroffensive Israels im Gaza-Streifen aus, nachdem die Terrorgruppe Hamas 2023 den jüdischen Staat überfallen und ein beispielloses Massaker verübt hatte. Pillays Urteil von 2025 über Israels Militäraktion, bei der Zehntausende Zivilisten getötet wurden, war drastisch: "Die Kommission stellt fest, das ist Genozid."

Pillay schaltete sich damit in die Debatte ein, ob Israel für einen Völkermord Verantwortung trägt oder nicht. Das Außenministerium in Jerusalem wies die Beschuldigung der Kommission umgehend als "Fake" zurück. Pillay und die anderen Führungspersönlichkeiten der Kommission seien "berüchtigt für ihre offenen antisemitischen Positionen".

Aufgewachsen unter dem Apartheidsregime

Von Geburt an erlebte Pillay am eigenen Leib, was Unterdrückung bedeutet. Im rassistischen Apartheidregime gehörte auch ihre Familie zu den Ausgegrenzten. "Wir sind in großer Armut aufgewachsen", berichtete Pillay. "Mein Vater war Busfahrer, und wir waren sieben Kinder." Schon früh erkannte sie, dass die unterdrückten Volksgruppen nur gemeinsam das verhasste Regime der Weißen beseitigen können.

Nach einem Jurastudium gründete Pillay 1967 in der Provinz Natal eine eigene Anwaltskanzlei; laut der Plattform "Africanwil" als erste nicht weiße Frau. Als Strafverteidigerin setzte sie sich jahrzehntelang für diejenigen ein, die gegen das Apartheid-System kämpften. Sie brachte Folterpraktiken ans Licht, die viele Aktivisten in den Gefängnissen der weißen Herren erdulden mussten. Unter anderem vertrat sie den südafrikanischen Freiheitskämpfer und späteren Präsident Nelson Mandela.

Einsatz gegen sexuelle Gewalt

Nach dem Ende der Apartheid wurde sie zur stellvertretenden Richterin am südafrikanischen High Court ernannt. Die UN-Generalversammlung wählte sie zur Richterin am Internationalen Tribunal zur Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda, wo sie acht Jahre lang tätig war, die letzten vier Jahre (1999-2003) als Präsidentin.

Laut den Vereinten Nationen spielte Pillay eine entscheidende Rolle bei der Klassifizierung sexueller Gewalt als Kriegsverbrechen. 2003 ging sie als Richterin an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. 2008 schließlich wurde sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Bis 2014 kämpfte sie auf diesem Posten aus Genf im Auftrag der Weltgemeinschaft für ein gerechteres Leben für alle Menschen weltweit.

Konflikte mit USA und Russland

Als Hochkommissarin erregte Pillay immer wieder das Missfallen mächtiger Staaten. So prangerte sie das US-Gefangenenlager Guantánamo an. Dort hielten die USA auch unter Präsident Barack Obama mutmaßliche Terroristen fest - in der Regel ohne Gerichtsverfahren. Auch vor Russland kuschte Pillay nicht: Sie geißelte die dortige Diskriminierung Homosexueller. "Man muss Gewalt und Hass bestrafen, nicht aber die Liebe", sagte sie.