23.05.2019
Freilichtbühne

Ob sich "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete" bei den Kreuzgangspielen Feuchtwangen lohnt

Die Kreuzgangspiele Feuchtwangen zeigen für Kinder und Familien in diesem Jahr das Theaterstück "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete" - eine Geschichte, die erst postum in Otfried Preußlers (1923-2013) Nachlass gefunden und veröffentlicht worden ist. In Feuchtwangen kann das Publikum nun die zweite Bühnen-Inszenierung der Geschichte sehen. Ob sie gelungen ist, hat Redakteur Timo Lechner für sonntagsblatt.de aufgeschrieben.
"Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete" bei den Kreuzgangspielen Feuchtwangen
Es ist für Groß und Klein ein unglaubliches Vergnügen mitzuerleben, wie Kasperl und Seppel den berüchtigten Räuber Hotzenplotz in die Falle locken.

Der Plot der beliebten "Hotzenplotz"-Geschichten ist zwar immer wieder ähnlich, die textliche und nun auch die theatralische Umsetzung aber vergnüglich und tiefgründig: Da haben wir den Räuber, der sich für den größten Räuber der Welt hält und durch die dicken Kumpels Kasperl und Seppel sogar durch eine List bestätigt wird, der größte Räuber des Universums zu sein. Was sie ihm vorgaukeln, indem sie ihn mit einer selbst gebauten Rakete auf den Mond schießen wollen und den Ahnungslosen nach dem missglückten Versuch weiter auf ihrem fiktiven Gestirn halten, bis der leicht verwirrte Dorfpolizist Dimpfelmoser ihn endlich wieder ins Spritzenhaus einsperrt.

Einzige Frau in diesem Schauspiel ist nach wie vor die Großmutter, deren wichtigste Errungenschaft ihre Kaffeemühle ist, auf die es der Räuber wenigstens so sehr abgesehen hat wie auf das Silber, aus dem der Mond angeblich zu bestehen scheint.

Räuber Hotzenplotz bei Kreuzgangspielen Feuchtwangen facettenreich

John von Düffel hat daraus eine Theaterfassung gemacht, die Regisseur Lennart Matthiesen für die Kreuzgangspiele bearbeitet hat. Konstantin Krisch spielt den Seppel mit Leichtigkeit und Frohsinn, Mario Schnitzler gibt den einfältigen, aber treuen Seppel ebenso frei und authentisch, dass es den Kleinen ebenso wie den Großen gefällt. Wieder einmal zeigt sich, dass bei den Kinderstücken des Feuchtwanger Ensembles die Umsetzung so facettenreich gelingt, dass sich die Erwachsenen nicht gelangweilt zurücklehnen müssen, während nur die Kinder auf ihre Kosten kommen.

Auch Pascal Pawlowski als Hotzenplotz stellt seinen Räuber als etwas machohaften Bullen dar, dem man den Kleinkriminellen ebenso abnimmt wie auch ein bisschen belächeln kann. Einzig Doris Otto spielt ihre Großmutter mit etwas zu viel Grandezza einer älteren Dame - die Oma aus den Büchern hatte mehr Schrulliges an sich. 

Kindertheater mit pädagogischem Konzept

Gesangseinlagen, passende Soundeffekte und kleine beifällig wirkende Gags lassen die Stunde wie im Fluge vergehen. Und es bleibt mehr an Eindrücken zurück, als man es vielleicht von anderen Kinderstücken kennt. Was vielleicht auch am Tiefgang liegt, mit dem die Theatermacher an die Sache herangegangen sind. Dokumentiert in einem rund 40-seitigen theaterpädagogischen Konzept, das auf die Freundschaft zwischen Kasperl und Seepel und deren tiefere Gründe eingeht und die Kinder zur Selbstreflexion einlädt.

Auch die Frage nach dem "Gut und Böse" wird darin anhand der Räuberfigur behandelt. Zur Vorbereitung auf den Theaterbesuch im Kreuzgang war Sepperl-Darsteller Krisch unter anderem in der Evangelischen Schule in Ansbach zu Gast und hat in fünf Workshops Kinder der 2. bis 4. Klassen auf ihren Besuch bei den Festspielen eingestimmt.

Weitere Informationen zu den Kreuzgangspielen Feuchtwangen

Noch bis zum 17. August 2019 können Familien weitere Vorstellungen von "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete" sehen. Informationen und Karten gibt es im Kulturbüro der Stadt Feuchtwangen, Marktplatz 2, 91555 Feuchtwangen, Telefon 09852 904 44, E-Mail: karten@kreuzgangspiele.de und auf www.kreuzgangspiele.de.

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