25.02.2020
Digitalisierung

Medienprofessor Markus Kaiser über Medientrends 2020 und Roboterjournalismus

Roboterjournalismus, Automatisierung und Bezahlschranken: Der Nürnberger Professor Markus Kaiser spricht im Sonntagsblatt-Interview über Medientrends im Jahr 2020.
Markus Kaiser über Medientrends 2020 und Roboterjournalismus.

Der Nürnberger Medienprofessor Markus Kaiser erwartet in diesem Jahr einen Trend zur Automatisierung in den Medienhäusern: "Künstliche Intelligenz wird künftig eine wichtige Rolle spielen in der Medienbranche, auch wenn es noch ein paar Jahre dauern wird, bis es richtig überzeugende Lösungen gibt", erklärte Kaiser im Sonntagsblatt-Interview.

Für 2020 prognostiziert der Professor für angewandten Journalismus an der Ohm-Hochschule Nürnberg aufgrund struktureller Veränderungen in den Medienhäusern einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen. Das Thema Monetarisierung digitaler Inhalte spiele für die meisten Verlage eine bedeutende Rolle: "Viele Medienhäuser bereuen, dass sie am Anfang nicht schon Geld verlangt haben und sich die User nun an kostenlose Inhalte gewöhnt haben", so Kaiser. Nun versuchten viele Medienhäuser, eine Bezahlschranke einzuführen.

Auch der Roboterjournalismus sei im Kommen: Derzeit basiere er vor allem auf Daten wie Börsenberichten, Wetter oder Sport. Doch müsse es eine Debatte darüber geben, wer denn verantwortlich sei für die automatisch generierten Texte.

Online-Umfrage zum Thema Roboterjournalismus

Auf der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik an der Hochschule für Philosophie in München präsentierte Kaiser zusammen mit Professor Thomas Zeilinger, dem Ethikbeauftragten der bayerischen Landeskirche, eine Online-Umfrage zum Thema Roboterjournalismus. Wie die Befragung von 88 Journalistinnen und Journalisten, 23 Ausbilderinnen und Ausbildern sowie sechs Verbandsvertretern ergab, sprachen sich fast drei Viertel für die Kennzeichnung von automatisiert erstellen Texten aus. 78 Prozent der Befragten plädierten zudem für allgemeingültige Standards der Kennzeichnung, so die Ergebnisse der Studie.

Nach welchen Regeln und Standards diese Kennzeichnung erfolgen sollte, sei bislang jedoch nicht geklärt: "Wir stellten nur wenig Engagement fest, sich Gedanken zu machen, wie eine Kennzeichnung am besten aussehen könnte", so das Fazit von Markus Kaiser. Hier stelle sich die Frage, ob eine Kennzeichnung über den deutschen Presserat, den Gesetzgeber oder die Redaktion selbst erfolgen müsse.

Das Thema Roboterjournalismus will Professor Kaiser deshalb weiter verfolgten: Es wird am Montag, 12. Oktober 2020, bei der Ringvorlesung Medien & Daten der TH Nürnberg vertieft. Dazu spricht ab 19.00 Uhr Saim Alkan von AX Semantics (Bahnhofstr. 90 in Nürnberg, Hörsaal BB.103).

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