19.09.2019
Kommentar

Warum die EKD-Studie zum Kirchgang für Diskussionen sorgt

Nur noch drei von hundert Gemeindegliedern gehen in den Sonntagsgottesdienst. Dies ergibt die aktuelle Kirchgangsstudie der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD. Welchen Stellenwert hat der evangelische Gottesdienst noch? Wird der Sonntagsgottesdienst nun abgeschafft?
Kirchenbänke

Glocken läuten, Menschen nehmen Platz in den Kirchenbänken. Sie beten zusammen, lauschen der Predigt und singen die vertrauten Lieder. Gottesdienst am Sonntagvormittag. Etwa 30 bis 40 Menschen nutzen durchschnittlich dieses Angebot der evangelischen Gemeinden in Deutschland. Und es werden immer weniger. Nur noch drei von hundert Gemeindegliedern sind bei der zentralen Veranstaltung der evangelischen Kirche mit dabei.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat deshalb in einer neuen Kirchgangsstudie gefragt: Lohnt sich dafür der Aufwand? Die Zeit, das Geld, das geistliche Personal? Welche Zukunft hat der traditionelle Sonntagsgottesdienst? Die Autoren hatten nach der Auswertung der Daten von rund 10.400 Befragten mit dem Fazit Aufsehen erregt, dass mit Blick auf die geringe Reichweite des Sonntagsgottesdiensts "vielerorts engagierter und ergebnisoffener über seinen Fortbestand diskutiert werden" müsse.

Gottesdienst soll religiös und persönlich ansprechen

Dabei wolle niemand den Sonntagsgottesdienst abschaffen, bekräftigt die Theologin Julia Koll, Leiterin der Studie. Die Gemeinden müssten aber überlegen, wie in Zeiten schwindender Besucherzahlen die personellen Ressourcen sinnvoll genutzt werden können. Bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum wurden nun die Ergebnisse der Studie diskutiert. Laut dem Bonner Theologieprofessor Michael Meyer-Blanck erwarten die Menschen von einem guten Gottesdienst, dass er sie religiös und persönlich anspricht. Dafür sei die Form zweitrangig. Der Vorsitzende der Liturgischen Konferenz sieht das Heil daher nicht in einer noch größeren Differenzierung und immer mehr besonderen Gottesdiensten für bestimmte Zielgruppen. Man gehe eher Verwandten oder guten Freunden zuliebe in die Kirche. "Einige kennen den Kirchgang offensichtlich vor allem aus sozialer Nötigung", sagt Meyer-Blanck.

Das darf allerdings nicht sein. Ideen sind gefragt. Dabei geht es nicht nur darum, den Gottesdienst attraktiver zu gestalten, sondern auch um seine Stellung in der Gesamtstrategie einer Gemeinde. Gemeindepastor Jonas Goebel von der Auferstehungskirchengemeinde in Hamburg hatte das Predigtthema für den Gottesdienst am nächsten Sonntag auf der Internet-Auktionsplattform eBay versteigert. Seine aktuelle Predigtserie heißt "sundaysforfuture". Der Hammer fiel bei 205 Euro, der Themenwunsch des Meistbietenden: "Kommt man auch mit einer Vier minus ins Reich Gottes?"

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