Gedenken
Die Stadt München erinnert an den von der SS in Dachau ermordeten Gerüstbauer Franz Xaver Stützinger. Er wurde von den Nazis zu Tode gefoltert.
Das Tor des ehemaligen Vernichtungslagers Dachau.

Mit einem neuen Erinnerungszeichen gedenkt die Landeshauptstadt des Münchner Gerüstbauers Franz Xaver Stützinger, der am 11. Mai 1935 im Konzentrationslager Dachau an den Folgen schwerer Folter durch SS-Männer starb. Stadträtin Simone Burger übergibt die Tafel am Mittwoch (21.7.) gemeinsam mit Angehörigen der Öffentlichkeit. Das Erinnerungszeichen wird am letzten Wohnort des 1903 geborenen Franz Xaver Stützinger in der Volkartstraße 71 angebracht. Ernst Grube, Holocaust-Überlebender und Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, spricht bei der Gedenkveranstaltung ein Grußwort.

Stützinger wurde nach Machtergreifung verhaftet

Franz Xaver Stützinger stammte aus einer Münchner Arbeiterfamilie. In den 1920er-Jahren trat er in die Kommunistische Partei ein. Der junge Mann war an zahlreichen illegalen Aktivitäten beteiligt und stand schon früh unter Beobachtung der Politischen Polizei. 1932 zog der Gerüstbauer mit seiner Frau Margarete und seinem 1925 geborenen Sohn in die Volkartstraße 71.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 gehörte Stützinger zu den vielen Kommunisten in Bayern, die von der SA verhaftet und in das eben erst eröffnete Konzentrationslager Dachau verschleppt wurden. Als politischer Häftlinge war er dort der Brutalität der SS in besonderem Maß ausgesetzt. Anfang 1935 verdächtigte die SS Stützinger, politische Schriften in das Lager einschmuggelt zu haben und folterte ihn so schwer, dass der 31-Jährige am 11. Mai 1935 seinen Verletzungen erlag. Als Todesursache ließ die SS in der Sterbeurkunde "Selbstmord" eintragen. Unter großer Anteilnahme wurde Stützinger im Münchner Westfriedhof beigesetzt.

Erinnerungszeichen statt Stolpersteinen

Die "Erinnerungszeichen" sind die städtische Alternative zu den Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig, die in München aus Rücksicht auf die ablehnende Haltung der Israelitischen Kultusgemeinde nicht auf öffentlichem Grund verlegt werden dürfen. Die Erinnerungstafeln oder -stelen aus gebürstetem Edelstahl werden im Unterschied zu den Stolpersteinen nicht in den Boden eingelassen, sondern an oder vor den Häusern angebracht. Ziel sei, "den heute meist vergessenen Opfern der NS-Verfolgung einen Platz in unserer Stadtgesellschaft zurückgeben", heißt es auf der Internetseite der Stadt. Die Koordinierungsstelle "Erinnerungszeichen" im Münchner Stadtarchiv listet aktuell 84 bestehende Erinnerungszeichen.

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