Kirche und Militär
Mehrere evangelische Pfarrer*innen lehnen eine Beteiligung der EKD an einer Bundeswehr-Zeremonie zum Afghanistan-Einsatz ab. Das Ritual sei "zynisch", erklären sie. Stattdessen solle die Evangelische Kirche etwas anderes tun.
Soldaten bei einer Militärparade
Soldaten bei einer Parade. (Symbolbild)

Evangelische Theolog*innen aus mehreren Bundesländern haben sich gegen eine Teilnahme von Repräsentant*innen ihrer Kirche am Abschlussappell nach dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr am Mittwoch (13. Oktober) ausgesprochen. Der "Große Zapfenstreich" ist vor dem Reichstagsgebäude in Berlin geplant. Dieses höchstrangige staatliche Ritual sei zynisch gegenüber den Opfern einer gescheiterten Politik, erklärten am Montag Pastor*innen aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Berlin und Bayern.

Bundeswehr-Zeremonie "religiöse Überhöhung militärischer Einsätze"

Ihre Bedenken haben sie in einem Brief formuliert, den sie eigenen Angaben zufolge Ende September an die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, und an den EKD-Ratsvorsitzenden und bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm geschickt haben. Sie verweisen darauf, dass die Zeremonie auf der religiösen Überhöhung und Weihe militärischer Bereitschaft und militärischer Einsätze aufbaue. Sie grenze zudem Menschen ohne Religions- oder Kirchenzugehörigkeit aus und sei deshalb unvereinbar mit dem religiösen Neutralitätsgebot der Verfassung.

Statt sich am Zapfenstreich zu beteiligen solle die Kirche diejenigen, die am Krieg in Afghanistan eingesetzt waren, in seelsorglichen und gottesdienstlichen Angeboten begleiten, hieß es. Hilfreich wäre auch eine

"Nach-Denk-Veranstaltung, die die (Vor-)Geschichte der militärischen Einsätze und Kriege in und um Afghanistan, die deutsche Beteiligung, deren Begründung und Auswirkungen kritisch, also auch in dezidiert nicht-militärischer Perspektive thematisiert".

Bundeswehr war 20 Jahre in Afghanistan

Unterzeichnet wurde der Brief von Propst Thomas Drope (Pinneberg), Hans-Martin-Gutmann, Ulrich Hentschel, Theo Christiansen, Jörg Herrmann (alle Hamburg), Uwe-Karsten Plisch (Berlin), Andreas Seiverth (Ruhpolding), Klara Butting (Uelzen) und Hans-Gerd Klatt (Bremen). Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan endete am 27. August mit einer unter schwierigen Umständen ausgeführten Evakuierungsoperation von deutschen Staatsbürger*innen und besonders gefährdeten Afghan*innen.

Nach der Eroberung des Landes durch die Taliban wurde die Bundeswehr ab Mitte August wieder am Flughafen Kabul eingesetzt, nachdem Ende Juni die letzten deutschen Soldaten das Land bereits verlassen hatten. Die Bundeswehr war etwa 20 Jahre in Afghanistan im Einsatz. Insgesamt haben rund 160.000 deutsche Soldat*innen Dienst in Afghanistan geleistet, 59 verloren dabei ihr Leben. Die internationale Militärmission begann nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA.

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