Nur mal so nebenbei bemerkt: Ich hätte schon eine Idee, wie die evangelische Volkskirche oder das, was von ihr noch übrig ist, die nächsten zehn Jahre überleben könnte. Und ich hätte auch einen Slogan für diese Idee. Er lautet: "Kirchgeld statt Kirchensteuer!" Die Devise müsste sein: "Alles an die Gemeinden! Nichts mehr an die Landeskirche!" Oder etwas weniger kategorisch formuliert: Die Christenmenschen vor Ort sollten selbst entscheiden können, was von ihrem Geld vor Ort bleibt und was sie übergemeindlichen Aktivitäten zukommen lassen möchten, die ihnen ebenso wichtig sind — also beispielsweise der Ausbildung ihrer Hauptamtlichen, einer dienstleistungsorientierten Verwaltung, einem schlanken und effektiven Landeskirchenamt, geistreichen evangelischen Kolumnenschreibern oder eben wo am nötigsten.
Der Effekt wäre sofort spürbar — in die eine und in die andere Richtung. Er wäre heilsam und schmerzhaft. So schmerzhaft, wie es halt ist, selbst für sich selbst sorgen und sich gegen Konkurrenz behaupten zu müssen. Und so schmerzhaft, wie sich enttäuschte Liebe eben anfühlt. Viele Sonderseifenblasen würden zerplatzen. Viele überflussgeborene kirchliche Luxusgeschöpfe würden in die Armut taumeln. Vieles Gehätschelte würde den Weg allen Fleisches gehen. Tote — oder sagen wir totere — Kirchengemeinden würden eingehen wie die Primeln, getreu dem Jesuswort "Lasst die Toten ihre Toten begraben!" aus Matthäus 8,22. Vieles Pulsierende dagegen würde überleben. Vitalität, Kreativität und Qualität würden sich durchsetzen. Lebendige, innovative, inspirierende, missionarische Kirchengemeinden würden aufblühen und sich in mehrfacher Hinsicht als reiche Kirchengemeinden erweisen.
Selbstbestimmung statt Zentralismus
Natürlich wäre zu überlegen, ob es — ohne Brüsseleske Bürokratieungeheuer zu generieren — so etwas wie Gemeindefinanzausgleichsfördermöglichkeiten für finanzschwächere vitale Kirchengemeinden geben könnte und welche Kriterien dafür in Anschlag zu bringen wären. Aber vielleicht würde — kirchendarwinistisch provokativ gesprochen — Not ja auch erfinderisch machen. Wer weiß: Vielleicht setzen sich am Ende Leistung, Qualität und Geist — um nicht zu sagen: der Geist Gottes — auch ohne Umverteilung durch.
Wobei ich natürlich wirklich nicht abschätzen kann, wie es unter solchen Bedingungen um das Gehalt derjenigen bestellt wäre, die gegen Geld für die Kirche arbeiten und damit ihren Lebensunterhalt verdienen möchten. Wahrscheinlich gäbe es am Ende mehr Priestertum aller Getauften, mehr gutqualifizierte Ehren- und Nebenamtliche und weniger Hauptamtliche — schon gar keine solchen wie mich, der ich mich als Alimentierter in meinem Grandhotel Abgrund natürlich leicht tue, derart Disruptives zu schreiben.
Übrigens weiß ich sehr wohl um das Risiko dieses subversiven Plädoyers für mehr subversive kirchengemeindliche Selbstbestimmung. Gerade als sich hier erstmals öffentlich outendes Mitglied der inkognito und im literarischen Untergrund operierenden Häresiekongregation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern weiß ich um dieses Risiko. Es besteht in der Möglichkeit des Gedeihens von Kirchengemeinden, die schrift- und bekenntnisferner nicht sein könnten. Radikale Richtungsgemeinden könnten sich ja in der Tat in ihren kleinen gallischen Dörfern hinter Brandmauern verbarrikadieren, veganen Gottheiten huldigen oder charismatische Verbrennerrennen veranstalten.
Ich nehme das Risiko dieses häretischen Wildwuchses allerdings in Kauf, weil ich von der unauslöschlichen Zuversicht getragen bin, dass am Ende diejenigen Gemeinden überleben werden, die einen geistlichen Unterschied in einem nichtgeistlichen Umfeld machen, also zumindest von ferne an urchristliche Gemeinden unter den geistesgegenwärtigen Bedingungen unserer Gegenwart erinnern.
Das Risiko der Vielfalt
Ich kann mich täuschen, aber ich glaube, dass über kurz oder lang nur wenige Christen Geld für eine Kirche zahlen werden, die sich — um ein abseitiges Beispiel einer politischen Splitterpartei zu wählen — Kirche als Fortsetzung der SPD mit anderen Mitteln oder als nichtsäkulare Gestalt des ZDF wünschen.
Ja, das, was ich hier schreibe, ist ein ausdrückliches Ja zum Kirchturmdenken. Und diese Formulierung ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Sie stammt von dem Journalisten Reinhard Bingener, der jüngst just unter dieser Überschrift ("Ja zum Kirchturmdenken") einen sehr scharfsinnigen und sehr bedenkenswerten Leitartikel auf Seite 1 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben hat. Bingener votiert darin für einen anderen Umbau der evangelischen Kirche. Er stellt der Horrorvision einer "Zombifizierung der geplanten Großstrukturen" das Bild kleiner Kirchengemeinden gegenüber, die sich selbst finanzieren, die entgegen dem kirchenleitenden Trend immer selbstständiger statt immer unselbstständiger werden und die auf diese Weise vielleicht sogar wachsen.
Dass ich provinziell bin, ist ja wahrscheinlich mittlerweile bekannt. Daher kann ich es mir vielleicht erlauben, hier so bodenständig wie unbotmäßig die Kirchenleitungen aller Landeskirchen dazu aufzurufen, die Kirche ganz im Sinne von Bingeners schönem Artikel im Dorf zu lassen. Also dort, wo das Herz der Kirche schlägt. Natürlich schlägt es zuweilen auch in der Stadt. Auch dort gibt es ja Kirchengemeinden, deren Puls noch fühlbar ist. Auch dort gibt es Kirche vor Ort. Und natürlich gibt es Kirche vor Ort auch in Internetgemeinschaften, die irgendwann beschließen, sich auch außerhalb des Internets, also irgendwo vor Ort zu treffen.
Ralf Frisch: "Mehr Opium fürs Volk"
Ob es um ganz alltägliche Dinge wie das Smartphone neben dem Kopfkissen oder um existenzielle Themen wie Schuld und Vergebung geht, ob er nach der Bedeutung von Christi Himmelfahrt oder nach dem spirituellen Gehalt von Christbaumleichen fragt: Ralf Frisch findet in seinen Kolumnen immer einen originellen Zugriff auf das Thema und eröffnet so neue, manchmal völlig unerwartete Perspektiven. Mit bissigem Humor und spitzer Feder hält er unserer Zeit den Spiegel vor, ganz in der Tradition des "weisen Narren". Seit 12. März 2026 erhältlich.
Als jemand, der die Kirche gerne im symbolischen und sprichwörtlichen Dorf lassen würde, bin ich so naiv und von gestern, um an die Wahrheit einer simplen Korrelation zu glauben. Sie sieht wie folgt aus: Je größer, künstlicher, reißbrettartiger und oktroyierter das ist, was den Namen Kirchengemeinde oder Kirche trägt, desto weniger wird sich ein Christenmensch mit einer solchen Kirchengemeinde oder mit einer solchen Kirche identifizieren und desto mehr wird die Kirche aus dem Bewusstsein des Kirchenvolkes und der außermedialen Öffentlichkeit verschwinden. Wem der christliche Glaube, die christliche Gemeinschaft und die christliche Kirche am Herzen liegt, der oder die wird die Kopf- und Notgeburten überregionaler Räume, Strukturen und Dienste nicht für das halten können, was sie ihren zukunftsstrategischen Erfinderinnen und Erfinderinnen zufolge sein sollen, nämlich Kirche.
In der bereits erwähnten Frankfurter Allgemeinen Zeitung war vor einigen Wochen ein ganzseitiger Beitrag von Christoph Markschies, Stephan Schaede und Hans Michael Heinig zur Zukunft der theologischen Fakultäten an den Universitäten zu lesen. Er trug die Überschrift "Sola Structura" und räsonierte gelehrt darüber, welche Instanz sich der verzwickten Frage nach Profil und Konzentration in Universität und Kirche annehmen und die oft nur nach dem Prinzip "sola structura" geführte Diskussion über Zusammenlegungen, Schließungen und Kürzungen zu einem produktiven, von breiter Zustimmung getragenen Prozess werden lassen könne.
Kirche lebt von Nähe
Ich erwähne den FAZ-Artikel hier vor allem deshalb, weil ich ein bisschen neidisch auf seinen genialen Titel bin. Denn eigentlich wäre "Sola Structura" eine wunderbare Überschrift für diese Kolumne. Eine Kirche, die angesichts der heillos schwindenden Kirchenmitgliederzahlen ihr Heil in der zukunftsstrategischen Flucht in artifizielle, vielleicht sogar digitale Großgemeinden sucht, hat ganz offenkundig die vier reformatorischen Soli (sola scriptura, solus Christus, sola gratia und sola fide) durch eine einzige Maxime ersetzt, die gerade in Zeiten zunehmender geistlicher Aphasie und abnehmender spiritueller Intelligenz der Organisation Kirche als Problemgenerallöserin immer verführerischer und attraktiver wird. Und zwar deshalb, weil Kultur sich schlechter operationalisieren lässt als Struktur, wenngleich in dem Moment, in dem ich dies schreibe, das Schreckgespenst einer totalitären Technokratie des Geistes vor meinem inneren Auge erscheint, das mir das Blut in den Adern noch mehr gefrieren lässt als das Schreckgespenst des Strukturkalküls.
Was all die "soli" anbelangt, so ist das natürlich jetzt recht viel Latein. Und wer so viel Latein schreibt, kann aus evangelischer Sicht im Grunde vermutlich nur vorsintflutlich und reaktionär sein, ist also im Blick auf die Zukunft wahrscheinlich ebenso wenig ernstzunehmen wie jemand, der den archaischen Brauch des Schafkopfspiels pflegt, bei dem es ja auch Soli gibt. Ich fürchte allerdings, dass ich mich nicht täusche. Vielleicht auch deshalb, weil Jesus Christus im Blick auf die Kirche genauso provinziell war wie ich.
Das mit dem Christentum begann ja vor rundumadum (das ist jetzt nicht Latein) zweitausend Jahren mit ein paar Hänseln und Greteln, Petrussen und Jakobussen, also ziemlich überschaubar in einer entlegenen Weltgegend am anus mundi (das ist jetzt wieder Latein). Die Weltkirche entstand also am A… dieser Welt in der Provinz. Ohne Provinz hätte es keine Weltkirche gegeben. Und wenn es heute keine Kirche in der Provinz gäbe, gäbe es längst keine Weltkirche mehr. Wasserköpfe ohne Unterleib — oder sagen wir: ohne Leib — sind als Leib Christi nicht lebensfähig, auch wenn manche vom Leib losgelösten Wasserköpfe das manchmal zu glauben scheinen.
Gegen die Versuchung der Strukturkirche
Man könnte es auch anders sagen: Ohne intensiven persönlichen Kontakt zwischen glaubenden Menschen, also ohne Charisma und Gemeinschaft vor Ort gäbe es nicht nur keinen Glauben, sondern auch keine Kirche, jedenfalls keine Kirche, die irgendetwas mit ihrem Ursprung und ihrem wahren Wesen, nämlich der rettenden Begegnung mit Jesus Christus und der gemeinschaftlichen Bezeugung dieser Begegnung in Wort, Sakrament, Seelsorge und diakonischem Handeln zu tun hätte.
Man könnte sich Kirche in Konsequenz von Ernst Langes mehr als fünfzig Jahre altem Konzept der Ladenkirche natürlich auch so vorstellen wie einen Wagen des Eismanns oder des Bäckers, der zweimal in der Woche im Dorf hält, um dort seine geistlichen Dienstleistungen anzubieten. Eine solche mobile Kirche, die vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre, wäre natürlich auf ihre Weise eine Kirche der Zuwendung und der Gemeinschaft vor Ort. So sehr sie punktuelle Kirche und Kirche auf Zeit wäre, wäre auch sie der Beweis dafür, dass ohne Nähe nichts geht und dass der Verlust dieser Nähe für die Kirche tödlich wäre.
Ja, zu viel Nähe kann Missbrauch begünstigen. Ebenso, wie zu viel klerikale Distanz Missbrauch begünstigen kann. Aber das Kind mit dem Bade auszuschütten und auf möglichst wenig Nähe zu setzen, droht einem anderen Dämon, dem Dämon der Beziehungslosigkeit und des gänzlichen Verlusts von Zugehörigkeit, sprich: einer großen spirituellen Heimatlosigkeit und transzendentalen Obdachlosigkeit Tür und Tor zu öffnen. Christoph Bergner hat unter dem Titel "Verlust der Nähe" im Oktober 2025 einen instruktiven Beitrag im Deutschen Pfarrerblatt dazu verfasst.
Mein Plädoyer ist also simpel, vielleicht zu simpel, aber vielleicht trotzdem weder schwachsinnig noch leichtsinnig. So, wie Staaten, Sozialsysteme und Volkswirtschaften an zu viel Staat zugrundegehen, so wird die Kirche an zu viel Kirche von oben, also an zu viel "structura" zugrundegehen.
Mit "von oben" meine ich natürlich nicht "von ganz oben". Mit "oben" meine ich die Kirchenämter und Synoden. Je schneller man dort "oben" einsieht, dass sich nur eine Kirche "von unten" im Sinne eines nachwachsenden spirituellen und emotionalen Rohstoffs nachhaltig regenerieren wird, um so besser. Denn um so schneller könnte dann auch eine Kirche gedeihen, der man den Segen "von ganz oben" anmerken wird. Auf einer Kirche der Großräume und der Großstrukturen, die sich dem Mangel an finanziellen und spirituellen Ressourcen verdankt, kann hingegen kein oder kaum Segen liegen. Ebenso wenig, wie auf den volkseigenen Betrieben und landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der DDR irgendein Segen lag. Um im Bild zu bleiben: Auf kirchlichen Großflächen wird in geistlicher und gemeinschaftlicher Hinsicht irgendwann kein Gras mehr wachsen.
Wenn man die ELKB endgültig zu einer Palliativpatientin machen oder sogar Beihilfe zu ihrer Tötung leisten will, muss man sie also nur ekklesiologisch in eine VEB transformieren — also in eine DDR-VEB, nicht in einen kirchenvolkseigenen Betrieb. Letzteres wäre ja gerade wünschenswert. Wenn die Kirche aber zur DDR-VEB würde, könnte man geradezu sicher sein, dass ihr Herz von Jahr zu Jahr schwächer schlüge. Wer soll sich mit einem künstlichen, kopfgeborenen Etwas identifizieren? Wie soll ein bürokratisches Monstrum oder vielmehr ein bürokratischer Ecclesiolunculus Zukunft haben, der ein geschichtsloser anorganischer Organismus ist? Eigentlich kann nur Technokratinnen und Technokraten angesichts eines solchen Gebildes das Herz aufgehen, das sie ja vielleicht gar nicht haben. Oder halt jenen, die die evangelische Kirche endgültig über die Köpfe ihrer Glieder hinweg in eine vor allem medial präsente NGO verwandelt sehen wollen, deren Fünfeinigkeit "(Unsere) Demokratie, Menschenwürde, Selbstbestimmung, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz" heißt.
Glücklicherweise wohnt aber auch der Natur dieser Kirchentransformationsmisere eine Dialektik inne. Inmitten aller ekklesiologischen Unvernunft könnte die List der Vernunft, vielleicht sogar derjenigen Vernunft am Werk sein, die gemäß Johannes 1,1 am Anfang war. So hoffe ich jedenfalls. Genauer gesagt hoffe ich, dass auch dort, wo kein Gras mehr wächst und wo das letzte funktionierende Gemeindeleben unter das Messer des Rasenmähers und der großräumigen Nivellierung gekommen ist, sich wenigstens noch ein bisschen Unkraut behauptet. Ich hoffe mit anderen Worten, dass gerade an den Orten, wo dieses Unkraut aus den Ritzen der planierten Flurbereinigungsgroßflächen sprießt, wider Erwarten die Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern gedeiht. Diese Hoffnung würde übrigens bestens mit der Jahreslosung aus Offenbarung 21,5 harmonieren: "Siehe, ich mache alles neu!" Üblicherweise werden diese Worte ja naturikonographisch ins Bild gesetzt, also mit zarten Blümchen und Blütchen illustriert, die durch den unwirtlichen Asphalt brechen. Also so, wie das reformatorische Unkraut, das ich meine.
Faktisch hielt die römische Kirche des Spätmittelalters das deutsche Mönchlein Martin Luther ja auch für eine Art Unkraut. Seinerzeit half das Glyphosat der Großkopferten Roms und seiner Inquisition nicht gegen dieses Unkraut. Und ich hoffe, dass auch fünfhundert Jahre später alle Strukturobsessionen der evangelischen Noch-Großkirche nichts gegen Kirchengemeinden ausrichten werden, die feststellen, dass sie eine gedeihliche Zukunft nur als Kirche vor Ort, also um ihren Kirchturm herum haben — und sei es als Kirche vor Ort, die sich nach ihrer Zerschlagung als Körperschaft des öffentlichen Rechts herauslöst aus dem Gefüge einer so leblosen wie untoten, nur abstrakt theoretisch vitalen Großkirche.
Kirche von ganz unten und ganz oben
Ich fände es jedenfalls großartig, wenn Kirchengemeinden im Freistaat Bayern oder im Rest der Republik analog den Gemeinden in den ja doch eigentlich atheistischen Landstrichen der ehemaligen DDR schlicht und einfach nicht auf die Idee kämen, ihre Kirchen zu verkaufen, sondern sie mit großem, womöglich sogar irrationalen Einsatz und unter ebenso großen Opfern als Wahrzeichen behalten, hegen und pflegen. Als Wahrzeichen im wahrsten Sinne des Wortes — und als Erinnerung daran, dass das, was einmal christliches Abendland hieß, vielleicht doch nicht ganz der Vergangenheit angehört. Vielleicht auch als Ahnung einer ganz anderen Hierarchie. Nicht der bürokratischen, technokratischen und strategischen Hierarchie, sondern jener Hierarchie, die ihrem (nicht lateinischen, sondern griechischen) Namen Ehre macht. Denn "Hierarchie", das heißt ja "heiliger Ursprung". Und dieser heilige Ursprung, das ist kein Anderer als Christus, der mit den Seinen eine unzerstörbare Geschichte und eine unzerstörbare Gemeinschaft beginnt, indem er zu Simon Petrus sagt: "Folge mir nach!"
Wo auf dem Boden der depressionsgepeinigten, zukunftsangstgebeutelten, technokratiegefährdeten, fatalismusanfälligen, visionsarmen, letztlich aber wahrscheinlich vor allem ratlosen kirchenleitenden Tatsachen Keime dieser uralten, ewig jungen Hierarchie gedeihen, ist noch nicht alle Tage Abend. Denn keine Sola-structura-Kirche der Welt, selbst wenn sie sich für die wahre Ecclesia-semper-reformanda hält, wird es mit der Macht dieser ganz anderen Hierarchie aufnehmen können.
Die wahre Reformation und Transformation der Kirche wird sich also dort vollziehen, wo die Kirche von ganz unten, also von der Basis, und zugleich von ganz oben, also von Gott her beflügelt wird. Zu dieser Reformation genügt es, wenn zwei oder drei zusammenkommen, denen ihre Kirche so sehr am Herzen liegt, dass sie sie trotz aller strukturellen Kahlschläge nicht ihrem Zombieschicksal überlassen. Wo das der Fall ist, wird ihr Herzschlag Wellen schlagen, und aus zwei oder drei werden zwölf oder mehr werden. Inmitten einer erstarrten Kirche wird aus Kirche Kirche entstehen. Und wo aus Kirche Kirche entsteht, wird die Kirche ihre beste Zeit noch vor sich haben, und es wird sich zumal im Licht des Auferstandenen das alte Sprichwort bewahrheiten, dass Totgesagte länger leben.