10. Juni 2021
Kinder

Studie des Deutschen Jugendinstituts: 37 Prozent der Kinder erhalten zu wenig Unterhalt

Einer neuen Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München zufolge erhalten mehr als ein Drittel aller unterhaltsberechtigten Kinder von Alleinerziehenden kein oder nur unvollständigen Unterhalt. Woran das liegt und wie Ein-Eltern-Familien besser unterstützt werden könnten.

Mehr als ein Drittel aller unterhaltsberechtigten Kinder von Alleinerziehenden erhalten einer Studie zufolge keinen oder nur unvollständigen Unterhalt vom anderen Elternteil. 37 Prozent der Kinder, für die Unterhaltszahlungen festgelegt wurden, erhalten diese nicht, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München ergab. Die Forscher fordern mehr Unterstützung für Alleinerziehende und Nachbesserungen beim staatlichen Unterhaltsvorschuss.

Unterhaltszahlungen wichtig für das Wohlergehen der Kinder

Laut Statistischem Bundesamt war in Deutschland 2017 knapp jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern alleinerziehend. In diesen "Ein-Eltern-Familien" lebten neun von zehn Kindern überwiegend bei ihrer Mutter. Der andere Elternteil ist in der Regel gegenüber dem Kind zu Unterhalt verpflichtet, manche kommen dieser Pflicht jedoch nicht nach.

"Für die kindliche Entwicklung und das Wohlergehen der Kinder spielt die sozioökonomische Situation der Familie eine entscheidende Rolle", sagt DJI-Studienautorin Sandra Hubert. Bleibe die Unterhaltszahlung aus, habe dies einen negativen Einfluss. "Alarmierend" nannte sie auch, dass nur knapp jedes vierte Kind von Alleinerziehenden einen Unterhalt bekommt, dessen Höhe dem Mindestunterhalt gemäß der Düsseldorfer Tabelle entspricht. Diese legt die Unterhaltshöhe gestaffelt nach dem Einkommen des zahlungspflichtigen Elternteils und dem Alter des Kindes fest.

Geringes Einkommen ist der Haupt-Grund für Zahlungsausfall

Die Ursachen für den Zahlungsausfall ihrer Expartner erklärten die Alleinerziehenden meist damit, dass der andere Elternteil wirtschaftlich nicht leistungsfähig sei: 64 Prozent sprechen von einem sehr geringen Einkommen des Expartners. 48 Prozent der Befragten, deren Kinder nicht den vollständigen Unterhalt erhalten, gaben an, dass der andere Elternteil sich "weigert", den Verpflichtungen nachzukommen. 35 Prozent verzichten auf Unterhalt, um das Verhältnis zwischen den Eltern nicht zu belasten.

Forderung: Alleinerziehende sollen besser unterstützt werden 

Hubert fordert, Alleinerziehende bei der juristischen Klärung und Durchsetzung besser zu unterstützen. Handlungsbedarf sieht sie auch beim staatlichen Unterhaltsvorschuss, den Alleinerziehende beantragen können, wenn sie keinen oder wenig Unterhalt für ihr Kind bekommen.

Laut Studie hat diesen Vorschuss nur rund ein Drittel der betroffenen Familien bezogen - immerhin gut doppelt so viele wie vor der Reform des Vorschusses 2017. Hubert fordert Nachbesserungen bei der Bezugsdauer und der Berechnung des Unterhalts.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der "Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation" 2020 veröffentlicht, Artikel und Studie sind nun erstmals frei via "Open Access" zugänglich.

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