23.09.2019
Oktoberfest & Brauchtum

Jüdische Brauerei Shmaltz: "He'brew"-Bier verzückt Amerikaner

Die kleine jüdische Brauerei Shmaltz verzückt mit gutem Bier und witzigen Slogans nicht nur die New Yorker.
Bierkrug Oktoberfest
Ein Bierkrug - der allerdings noch gefüllt werden muss.

Eigentlich kommt das Bier in der Bibel überhaupt nicht richtig vor. Martin Luther übersetzte, wo in der evangelisch-katholischen Einheitsübersetzung heute "Bier" steht, stets "starck Getrenck". Damit dürfte der notorische Bier-Fan Martin Luther auf der richtigen Spur sein. Das hebräische šekhar steht für alle möglichen vergorenen Getränke und jedenfalls nicht für das, was wir unter Bier verstehen.

Dennoch hat die kleine jüdische Brauerei Shmaltz im Norden des US-Bundesstaats New York völlig recht, wenn sie behauptet: "He'brew". Das Wortspiel, das sich sowohl als "Hebräer" als auch als "Er-Bräu" oder "Er brau(t)e" lesen lässt, ist der Name einer immer erfolgreicheren Marke der 1996 gegründeten Shmaltz Brewing Company.

Mit gutem Bier und witzigen Slogans verzückt "He'brew"-Bier immer mehr Amerikaner - und nicht nur jüdische. Mit einer jährlichen Produktion von gut 15.000 Hektolitern ist Shmaltz eine recht kleine Brauerei verglichen mit dem Bierausstoß der bayerischen Brauereien, der bei insgesamt 23 Millionen Hektolitern pro Jahr liegt. Doch jüngst hat die kleine Spezial-Brauerei neue, größere Abfüllanlagen in Betrieb genommen.

"Das Bier, auf das Sie gewartet haben"

Seit Gründung von "He'brew" im Programm: "Genesis Ale" mit kräftigen 5,6 Volumenprozent. Bald danach kam das dunkle "Messiah Bold" auf den Markt. "Genesis" nannten die jüdischen Brauer ihr erstes Bier, weil es die erste Schöpfung der "He'Brew"-Marke war. Und der Slogan für das "Messias-Bier" lautet: "Das Bier, auf das Sie gewartet haben".

Richtig rund geht's mit dem saisonalen Doppelbock "Rejewvenator", wobei nicht ausgemacht ist, ob die 7,8 Volumenprozent zu "jüdischer Verjüngung" führen, wie es der Name verspricht. Aber einen Doppelbock auf die klassische Münchner Weise auf "-ator" enden zu lassen, ist ein Beleg für den tiefen und internationalen Bierverstand, der in der jüdischen Brauerei am Werk ist.

Alle "He'Brew"-Biere sind koscher und werden regelmäßig religiös geprüft. Markenzeichen der jüdischen Brauerei ist nicht nur "delicious beer", sondern auch "delicious shtick". Das jiddische Wort, das sich aus dem deutschen "Stück" herleitet, bedeutet so viel wie ein typisches und witziges Talent. Das zeigt sich in Werbesprüchen wie "Christ, that's good beer! God" (Christus, ist das ein gutes Bier! Gott) oder dem Untertitel der Marke "He'Brew": "The Chosen Beer" (etwa: das auserwählte Bier).

Bei so viel Witz und Talent dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das auserwählte Bier auch bei uns zu haben ist. Bis dahin schon mal: "L'chaim!"

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Sonntagsblatt