29.04.2020
NS-Geschichte & Gedenken

Ökumenische Andacht: KZ-Gedenkstätten und Versöhnungskirche Dachau erinnern an 75. Jahrestag der Befreiung

Mit einer ökumenischen Andacht als einzigem „analogen“ Erinnerungsakt haben die evangelische und die katholische Kirche am Dienstag an den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau gedacht.
Diakon Klaus Schultz, Pastoralreferent Ludwig Schmidinger, Pfarrer Björn Mensing und Sängerin Sophie Aeckerle (v.l.) trugen das Kreuz für die ökumenische Andacht zum 75. Befreiungstag in die Versöhnungskirche.

Die Feier in der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte ist aufgezeichnet worden und steht am 29. April ab 17 Uhr auf Sonntagsblatt.de online zur Verfügung.

Etwa zu dieser Zeit befreiten die ersten US-Soldaten vor 75 Jahren die verbliebenen 32.000 Häftlinge des KZ Dachau.

Auf Wunsch von christlichen KZ-Überlebenden und Dachau-Befreiern gestalteten Pfarrer Björn Mensing, Diakon Klaus Schultz und Pastoralreferent Ludwig Schmidinger die Andacht auf Englisch und auf Deutsch. Aus den USA, aus Großbritannien, Polen, Deutschland und den Niederlanden seien „viele gute Wünsche“ zu dem analogen Gedenken in der Versöhnungskirche eingegangen, teilte Pfarrer Mensing mit.

Besonders freue ihn der Dank von Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Das ist ein bemerkenswertes Zeichen der jüdisch-christlichen Verbundenheit, gerade angesichts der schuldhaften Verstrickung der deutschen Kirchen in der Zeit des Nationalsozialismus.“

KZ-Gedenkstätte Dachau und Flossenbürg erinnern an 75. Jahrestag der Befreiuung

Auch die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg erinnern mit Online-Angeboten an die 75. Jahrestage der Befreiung der beiden Konzentrationslager. Das KZ Flossenbürg war am 23. April, das KZ Dachau am 29. April von US-Truppen befreit worden. In den beiden Konzentrationslagern hatten die Nationalsozialisten über 300.000 Menschen gefangen gehalten, über 71.500 starben.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten lege "größten Wert" darauf, trotz Corona-Krise und abgesagter Befreiungsfeiern an das Leid der Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, sagte Stiftungsdirektor Karl Freller. "Die Warnung aus dem Gestern dient dem Frieden von morgen", so Freller.

Grußbotschaften von 30 Dachau-Überlebenden und Befreiern

Die KZ-Gedenkstätte Dachau werde am 3. Mai auf ihrer Internetseite schriftliche Grußbotschaften von etwa 30 Dachau-Überlebenden und Befreiern veröffentlichen. Dazu kämen Video-Grußworte der ursprünglich geplanten Festredner, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Ministerpräsident Markus Söder und Jean-Michel Thomas, Präsident des Internationalen Dachau Komitees (CID). Traditionell lädt das CID zusammen mit der KZ-Gedenkstätte Dachau am Sonntag nach dem 29. April zur offiziellen Befreiungsfeier ein.

In Flossenbürg wird schon am 23. April, dem Jahrestag der Befreiung, eine separate Webseite freigeschaltet. Gäste der ursprünglich geplanten Befreiungsfeier, neben dem bayerischen Ministerpräsidenten vorrangig Überlebende und ihre Angehörigen, schicken ihre Grußworte als Text-, Audio- und Videobotschaften.

Sophie Aeckerle singt in der Versöhnungskirche das „Dachau-Lied“, das die beiden KZ-Häftlinge Jura Soyfer und Herbert Zipper 1938 geschrieben hatten. Soyfer starb 1939 nach seiner Verlegung ins KZ Buchenwald an Typhus. Herbert Zipper kam 1939 frei.
Das Dachaulied
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