5.05.2020
Seenotrettung der Hilfsorganisation Sea-Eye

"Das sind traurige Rekorde": "Alan Kurdi" läuft nach 36 Tagen auf See in Palermo ein

Nach 36 Tagen auf See ist am Montag die Odyssee des deutschen Rettungsschiffes "Alan Kurdi" zu Ende gegangen.

Es sei die bisher aufwendigste Mission der Regensburger Seenotretter gewesen, teilte die Hilfsorganisation Sea-Eye mit, die das Schiff betreibt. Auch das Quarantäne-Schiff "Raffaele Rubattino", auf dem sich die 146 Geflüchteten zuletzt befanden, habe in Palermo angelegt. 

Bei der Ankunft in Palermo sei die 17-köpfige Crew auf Covid-19 getestet worden. Die Mannschaft dürfe das Schiff nicht verlassen, bis die Testergebnisse vorliegen. Ein italienisches Unternehmen werde die "Alan Kurdi" anschließend auf behördliche Anweisung desinfizieren.

Insgesamt habe der Einsatz acht Wochen gedauert. "Noch nie hatte die Alan Kurdi so lange so viele Menschen an Bord. Keine Crew musste mehr Menschen versorgen, und nie mussten wir so viele Ressourcen für eine Mission einsetzen. Das sind traurige Rekorde", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler laut Mitteilung.

Zukunft der Geretteten noch unklar

Unterstützung erhielt Sea-Eye vom Bündnis "United 4 Rescue", das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründet wurde und für die hohen Blockadekosten aufgekommen sei, erläuterte Isler. Auch der unter anderem von Jan Böhmermann initiierte Stiftungsfonds "Zivile Seenotrettung" werde Sea-Eye helfen, den nächsten Einsatz sicherzustellen.

In Palermo legten auch das spanische Rettungsschiff "Atta Mari" und die italienische Fähre "Raffaele Rubattino" an, auf der die geretteten Menschen beider Schiffe während der 14-tägigen Quarantäne vom Italienischen Roten Kreuz versorgt wurden.

Wie es für die geretteten Menschen weitergeht, bleibt unklar. Laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) habe sich bisher nur Deutschland zur Aufnahme von Flüchtlingen bereiterklärt, teilte Sea-Eye mit. "Erst forderte uns das Bundesinnenministerium auf, die Rettungen einzustellen. Jetzt muss für 150 Menschen erst wieder auf europäischer Ebene verhandelt werden", sagte Sea-Eye-Sprecher Julian Pahlke. In Deutschland gebe es derzeit 150 aufnahmebereite Städte. Die Frage der Verteilung werde "erneut politisch hochgeschaukelt", sagte Pahlke.

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