15.07.2020
Erfindungsgeist statt Resignation

Neues Sommercafé für Tagesausflügler: Erholungsstätte Langau kämpft mit Erfindungsgeist gegen Corona-Frust

Mit einem Sommercafé reagiert die evangelische Erholungsstätte Langau auf die Corona-Krise. Die Einrichtung mit ihrem bundesweit einmaligen Konzept für Familien mit behinderten Kindern rechnet bis zum Jahresende mit einem Defizit von 700.000 Euro.
Das Sommercafé der Erholungsstätte Langau

Maximal 40 Gäste statt 125 - in der evangelischen Bildungs- und Erholungsstätte Langau ist trotz Reiselockerungen keine Entspannung in Sicht. Um Arbeit zu schaffen und ein Zeichen gegen die ungewohnte Stille zu setzen, hat das Team jetzt ein Café eröffnet.

Seit zwei Wochen lockt das "Café Langau" Besucher der nahe gelegenen Wieskirche an seine bunt beschirmten Tische.

Von Mittwoch bis Sonntag laden die Küchenchefinnen der Bildungs- und Erholungsstätte zu selbst gebackenen Kuchen, Kaffee und Limonade - alles in Bioqualität. "Wir haben etwa 30 bis 40 Plätze rund ums Haus unter freiem Himmel", berichtet Langau-Leiter Peter Barbian.

Und sein Hauswirtschaftsteam, das vor allem aus 450-Euro-Kräften besteht, hat wieder Arbeit. Der Andrang auf "die Wies", Unesco-Welterbe und eine der oberbayerischen Top-Sehenswürdigkeiten, sei größer als sonst.

"Man sieht kaum Reisebusse, aber dafür viel mehr Motorradfahrer und Autos mit Münchner oder Augsburger Kennzeichen", fällt dem Diakon auf.

Es sei spürbar, dass der große Urlaub bei vielen in diesem Jahr abgesagt sei - zugunsten von Kurztrips in die Umgebung. Für die Langau ist der Café-Betrieb eine Mischung aus Beschäftigungstherapie in der erzwungenen Untätigkeit und Arbeitsbeschaffung für die Hauswirtschaft.

Denn wie alle Beherbergungsbetriebe leidet auch das barrierefreie Haus, in dem sich normalerweise Familien mit schwerbehinderten Kindern erholen, unter den Folgen der Corona-Pandemie. Nach dem Totalausfall von März bis Juni und Kurzarbeit fürs ganze Team läuft der Betrieb zwar langsam wieder an, aber unter völlig anderen Bedingungen.

"Wir können laut Auflagen maximal 40 Hausgäste beherbergen", sagt Peter Barbian. Platz wäre für 125 Gäste - der Einnahmeausfall ist immens, und das Finanzpolster, das der Sommer sonst für den Winter bringt, entfällt komplett.

Barbian rechnet bis Ende 2020 mit einem Defizit von 700.000 Euro.

Die Soforthilfen des Freistaats in Höhe von 15.000 und 104.000 Euro helfen - aber sie reichen nicht. Nun hofft die Langau auf das nächste Hilfsprogramm der Bundesregierung, das voraussichtlich ab Ende Juli beantragt werden kann. Die Krux: Alle Hilfsprogramme nehmen nur die Verdienstausfälle bis Ende Juli in den Blick.

"Wir haben aber Stornierungen bis 2021", sagt Barbian. Das Kultusministerium habe alle Klassenfahrten bis Ende 2020 gestoppt. Und vielen Menschen mit vorerkrankten Familienangehörigen - und das ist die typische Klientel der Langau - ist die Lage noch immer zu unsicher.

Deshalb ist die Langau nicht mal unter Corona-Maßstäben ausgebucht. Es gebe Wochen mit acht Gästen und welche mit 27. "Die 40 erreichen wir nie", sagt der Diakon. Für die, die kommen, gibt es aber coronakonformes Programm: Bogenschießen, Nordic Walking und Spiele im Gelände.

"Die alten Sachen wie Boccia oder Federball bewähren sich jetzt", sagt Barbian.

Statt Resignation herrscht in der Langau Erfindungsgeist: Nach dem Sommercafé sollen ab Herbst Wochenendfreizeiten für Familien angeboten werden, die in den Corona-Wochen an ihre Belastungsgrenzen gekommen sind. Nachdem der Verband der Erziehungsberatungsstellen in Deutschland Interesse signalisiert hat, wird das Konzept nun in Abstimmung mit der Erziehungsberatung des örtlichen Jugendamts erstellt.

Bis dahin bleibt die Langau mit ihrem neuen Café ein Tipp für Tagesausflügler im Pfaffenwinkel - und für Familien, die noch ein paar Tage Erholung suchen. Denn Urlaub machen kann in der Langau jeder.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Corona-Krise im Tourismus

Bildungs- und Erholungsstätte Langau von oben
Stornierungen und Ausfälle: Die Tourismusbranche ist von der Ausbreitung des Coronavirus hart getroffen. Das spüren auch christliche Tagungshäuser wie die evangelische Bildungs- und Erholungsstätte Langau bei Steingaden. Normalerweise machen hier Familien mit schwerbehinderten Kindern Urlaub, Menschen mit demenzkranken Angehörigen und Schulklassen. Der Leiter der Langau, Peter Barbian, warnt vor einem Aus für kirchliche Tagungshäuser.

Urlaub für erschöpfte Angehörige

Merle Härtig und Manuel Ziegler.
Die Verantwortlichen der Bildungs- und Erholungsstätte Langau blicken nach der Rundum-Sanierung in Höhe von acht Millionen Euro optimistisch in die Zukunft. Künftig können sich dort nicht nur Familien mit behinderten Kindern erholen, sondern auch die Angehörigen demenzkranker Menschen. Ein Problem aber bleibt.