27.12.2018
Selbsthilfe bei Tod und Trauer

Münchner Café für die Seele: Seit zehn Jahren ist das Trauercafé ein wichtiger Treffpunkt

Seit zehn Jahren bietet das Trauercafé des Evangelischen Bildungswerks München Menschen, die eine nahestehende Person verloren haben, eine wertvolle Anlaufstelle
Trauer

Der Verlust eines geliebten Menschen beschäftigt den Partner oder die Partnerin und die Angehörigen oft noch lange über den unmittelbaren Tod hinaus. Für sie ist seit zehn Jahren das Trauercafé des Evangelischen Bildungswerks München (EBW) eine wichtige und trostvolle Anlaufstelle. Pünktlich zum Jubiläum bekommt das theologische Team des Trauercafés, das am 11. Dezember 2008 begründet wurde, personelle Unterstützung: Neben dem ehemaligen Münchner Dekan Volker Herbert gibt jetzt auch Pfarrerin Iris Geyer inhaltliche Impulse und Anregungen.

An jedem ersten Montag eines Monats treffen sich trauernde Menschen beim sogenannten Café für die Seele in den Räumlichkeiten des Evangelischen Forums in München. Dieses besondere Café will der Trauer, die immer weiter aus der Gesellschaft verdrängt werde, einen festen Platz geben, sagte Klaus Schmucker, Münchner "Verwaltungsdekan" und Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerkes, bei der Jubiläumsveranstaltung.

Dafür wolle das Café für die Seele ein geschützter Raum sein, ergänzte Bildungswerk-Geschäftsführer Felix Leibrock. Deshalb sei das Café ein "niedrigschwelliges Angebot": Jeder kann ohne Anmeldung oder bürokratischen Aufwand einfach kommen, ohne Verpflichtungen und kostenlos, wie Karin Wolf erläutert, die diesen Treffpunkt organisiert. Weil das Cafe ein neutraler Ort ist, können die trauerden Menschen, so Theologe Herbert, frei entscheiden, wann sie kommen und wie weit sie sich öffnen wollen.    

Jeden Monat kommen 40 bis 60 Menschen

Zu dem Trauer-Cafe kommen jeden Monat zwischen 40 und 60 Menschen, manchmal jahrelang als Stammgäste, manchmal nur für einige Wochen und Monate. Sie alle verbindet, dass sie - oft schon vor geraumer Zeit - einen Angehörigen verloren haben und für ihre noch anhaltende Trauer mitunter kein Verständnis mehr in ihrer Umgebung finden, die ihnen mit Sprüchen wie "Schau doch jetzt mal nach vorn" oder "Das Leben muss doch weiter gehen" begegnet, sagt Karin Wolf.

Das Café für die Seele beginnt mit offenen Gesprächsrunden bei Kaffee und Kuchen. An jedem der liebevoll eingedeckten Tische sitzt auch einer der 12 Ehrenamtlichen, die ein offenes Ohr für die Trauernden haben oder versuchen, das Gespräch in Gang zu bringen. Danach folgt meist als inhaltlicher Teil der Vortrag eines Referenten. Dabei sind die Themen weit gefasst - wie etwa Formen der Trauer in anderen Kulturen, die Präsentation sozialer Institutionen oder Vorschläge der Altenheimseelsorge, wie Menschen mit ihrer Trauer umgehen können.

So viel Zeit zum Trauern wie nötig

Bei der Jubiläumsveranstaltung interpretierten Volker Herbert und Iris Geyer passend zur Adventszeit das Lied "Macht hoch die Tür". Am Anfang und Ende der kleinen Andacht sangen die Besucher des Trauer-Cafés als stimmgewaltiger Spontanchor die einzelnen Liedstrophen.   

Die letzte Dreiviertelstunde bleibt den Gästen für das persönliche Gespräch. Um 17 Uhr schließt das Café für die Seele mit einem kleinen Impuls wie einem Bibelwort, das die theologischen Leiter den Teilnehmern mit auf den Weg geben

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