Am 8. März ist in Bayern Kommunalwahl. Wir sprechen mit Kommunalpolitiker:innen aus Bayern, die mindestens eine Sache gemeinsam haben: Sie fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden. 

Heute lest ihr das Gespräch mit der Münchner CSU-Stadträtin Johanna Dall'Amico und dem SPD-Stadtratskandidaten in Ebersberg, Ralph Neuberth, beide sind katholisch.

"Auch wenn ich im Moment nicht sehe, wie alles läuft, vertraue ich darauf, dass es einen Sinn hat"

Wie beeinflusst oder unterstützt Sie Ihr Glaube bei Ihrer kommunalpolitischen Arbeit?

Ralph Neuberth: Für mich bedeutet glaubensbasierte Politik wertebasiert zu handeln und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Christliche Werte dienen als Orientierung für Meinungsbildung und Entscheidungen – unabhängig von Partei oder äußeren Vorgaben.

Johanna Dall'Amico: Nach dem Abitur habe ich ein Jahr in Tansania gelebt, als Missionarin auf Zeit. Das war eine sehr prägende Erfahrung. Dort begegnete mir oft der Satz "Mungu Agipenda", auf Kisuaheli – frei übersetzt: "Gott will es so". Für mich drückt das Grundvertrauen aus: Auch wenn ich im Moment nicht sehe, wie alles läuft, vertraue ich darauf, dass es einen Sinn hat. Ich tue, was ich kann, um Entscheidungen zu treffen, von denen ich glaube, dass sie richtig sind – und akzeptiere, dass nicht alles nach meinen Vorstellungen läuft. Dieses Vertrauen und diese Demut begleiten mich in der Politik.

Hat Ihr Glaube etwas mit Ihrer Entscheidung zu tun, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren?

Johanna Dall'Amico: Mein Glaube vermittelt mir einen klaren Kompass: Verantwortung übernehmen, dort gestalten, wo ich etwas bewirken kann. Das hat mich motiviert, mich politisch einzubringen.

Ralph Neuberth: Für mich ist die Befreiungstheologie ein wichtiges Leitmotiv: Politik muss den Menschen dienen und Strukturen verändern, die ungerecht sind. Das ist ein zentraler Antrieb, warum ich mich engagieren möchte.

Was würden Sie jemandem raten, der sich politisch engagieren möchte?

Ralph Neuberth: Ich würde sagen: Scheut euch nicht! Man muss kein Parteibuch haben oder sofort alles wissen. Viele Parteien sind offen, gerade für junge Menschen oder Neueinsteiger. Man kann sich einbringen, ohne überfordert zu werden, und sehen, welche Ideen man beitragen möchte. Frisches Blut, neue Ideen, Engagement – das ist dringend nötig.

Johanna Dall'Amico: Genau. Schaut, was ihr beitragen könnt, bleibt neugierig und offen. Man muss nicht alles selbst wissen, sondern kann Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen. 

"Die Kirchen können Impulse geben, aber Politik muss eigenständig entscheiden"

Welche Rolle spielen die Kirchen in der Kommunalpolitik?

Johanna Dall'Amico: Kirchen vermitteln Werte und Orientierung. Sie erinnern daran, dass Politik immer auch dem Gemeinwohl dienen sollte.

Ralph Neuberth: Ich sehe das ähnlich. Die Kirchen können Impulse geben, aber Politik muss eigenständig entscheiden. Für mich persönlich ist es eher ein moralischer Kompass, weniger ein politisches Mandat. 

Gab es schon mal einen Moment in Ihrer politischen Arbeit, wo Sie dachten: Jetzt hilft nur noch beten?

Ralph Neuberth: Ein Kollege, mit dem ich in der Erwachsenenbildung arbeite, sagt oft "Inschallah" – so Gott will. Das ist für mich auch Ausdruck eines Grundvertrauens. Gleichzeitig erinnere ich mich an eine konkrete Situation im Dezember während der Haushaltsverhandlungen in unserer Kommune: Wir haben einen SPD-Bürgermeister, aber keine Mehrheit im Stadtrat. Es wurde hart gerungen, viel diskutiert. Ich war als Gast dabei und dachte nur: "Inschallah – es wäre schön, wenn der Haushalt zustande kommt." Letztlich stimmten zwei CSU-Kollegen dem Haushalt zu, wodurch eine Mehrheit entstand. In solchen Momenten ist dieses kleine Stoßgebet schon eine Hilfe – neben allem, was wir politisch vorbereiten und diskutieren..

Johanna Dall'Amico: Mir passiert das eher selten. Mein Glaube hilft mir mehr dabei, Entscheidungen mit Ruhe und Vertrauen zu treffen, auch wenn die Dinge nicht sofort so laufen, wie ich es mir vorstelle.