Zu mehr verbalem Widerstand gegen Stammtischparolen im Alltag will die Kommunikationstrainerin Hannah Schieferle ermutigen.

"Das Eintreten für Demokratie ist es wert, mal einen kurzen unangenehmen Moment auszuhalten",

sagte Schieferle im Gespräch mit dem Sonntagsblatt. Stammtischparolen seien in vielen Alltagsmomenten zu finden, vom Wartezimmer beim Arzt über die Familienfeier bis zur Abholsituation im Kindergarten.

Viele Menschen seien zu überrumpelt, um in der Situation angemessen zu reagieren, erklärte die systemische Moderatorin, die am Montag (18. März) ein Onlinetraining "Stellung beziehen gegen Stammtischparolen" gibt. Veranstalter des Seminars sind die Evangelische Stadtakademie und die Friedrich-Ebert-Stiftung Bayern.

Fakten für Abgrenzung gegenüber Rassismus "nicht nötig"

Typische Stammtischparolen würden "komplexe Sachverhalte vereinfachen und so hinstellen, als wäre die Sache völlig klar", erklärte Schieferle. Viele zögerten mit einer Antwort, "weil sie denken, sie kennen sich nicht gut genug mit den Zahlen, Daten, Fakten aus". Das sei aber für eine Abgrenzung gegenüber rassistischen, antisemitischen oder diskriminierenden Äußerungen gar nicht nötig.

"Um sich in der Situation zu distanzieren, reichen zwei oder drei vorab überlegte Sätze",

sagte die Coachin. Mögliche Antworten seien "Ich bin irritiert, so etwas hier zu hören, ich sehe das total anders" oder "Das ist Ihre Meinung, nicht meine". Auch die Frageform "Warum sagen Sie das?" sei oft hilfreich.

Haltung in toleranter Gesellschaft "wichtig"

Die eigene Haltung deutlich zu machen, sei nötig, wenn einem eine tolerante Gesellschaft wichtig sei:

"Es wird immer mehr öffentlich gesagt, was früher nicht sagbar war."

Zugleich rief Schieferle zur Mäßigung auf. Häufig genüge schon "ein Satz, damit man mit Krawall dagegen angeht". Hier sei es sinnvoll, sich von der Aussage zu distanzieren, aber auch am Gegenüber als Person interessiert zu bleiben.

"Das hilft vor allem im Freundes- und Familienkreis, wo man die Person ja eigentlich mag."

Ob man jemanden inhaltlich erreichen könne, hänge dann auch davon ab, "wie gut und konstruktiv wir ins Gespräch kommen", erklärte Schieferle.

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