Als 2017 die AfD in den Bayerischen Landtag einzog, nahm die Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Redler an einer Protest-Kundgebung teil. Dort traf sie eine "Oma gegen Rechts". Da sie selbst gerade zum ersten Mal Großmutter geworden war und mit den Zielen der Gruppe völlig übereinstimmte, machte sie dort mit.
Mittlerweile gehört Elisabeth Redler zum Leitungsteam der überparteilichen Interessensgemeinschaft, die in München auf über 200 Aktive angewachsen ist. Sie wollen Schluss machen mit dem Vorurteil, Omas seien alte, nette Frauen, die keine politische Meinung haben und nichts bewegen können. Dazu veranstalten sie Mahnwachen, beispielsweise am Sendlinger Tor oder am OEZ, dem Olympiaeinkaufszentrum, wo vor 2016 aus rechtsextremen Motiven neun junge Leute ihr Leben verloren. Elisabeth Redler ärgert sich immer, wenn von einem Amoklauf gesprochen wird, obwohl das Motiv mittlerweile klar ist.
Feminismus, Klimaschutz und gegen Rechtsextremismus
Zehn Arbeitsgruppen gibt es derzeit bei den Münchner Omas, die übrigens keine Opas als Mitglieder annehmen. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Männer sich dann sofort um die Technik kümmern. Als ob wir das nicht könnten! Und bei Veranstaltungen drängen sie auch gerne in den Vordergrund." erklärt Redler. Aber das ist eine Münchner Entscheidung, genau wie die, dass Frauen ab etwa 50 Jahren mitmachen können. "Wie sieht das denn aus, wenn eine ganz junge Frau als Oma daherkommt?"
Den engagierten Frauen geht es auch um Zukunftsthemen, weshalb ihnen der Klimaschutz zu am Herzen liegt. Wie haben uns damals den "Friday for Future"-Demos angeschlossen, erzählt Redler. Und die jungen DemonstrantInnen hätten sie nicht nur gut aufgenommen: "Sie haben sich wirklich darüber gefreut, dass ihnen mal jemand zuhört und sie ernst nimmt." Aus dieser Erfahrung ist die AG Schule entstanden, die sich gegen Rechts und für Demokratie einsetzt.
Elisabeth Redler ist Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin, hat aber im Studium schon festgestellt, dass ihr Herz mehr fürs Praktische schlägt. So war sie lange Leiterin im Münchner "Haus der Eigenarbeit." Hier hat sie als erste die Idee der Repair-Cafés in die Landeshauptstadt gebracht. Dass es heute über 20 solche Initiativen gibt, findet sie wunderbar.
Evangelische Jugend war prägend
Die Grundlage für ihr soziales und politisches, aber überparteiliches Interesse hat wohl ihre Erziehung gelegt. Die Großeltern hatten sie schon als Kind regelmäßig in den Gottesdienst mitgenommen. Später, bei der Evangelischen Jugend, übernahm Elisabeth Redler erste Verantwortung und das Gefühl dafür, wie wichtig es ist, sich in die Gesellschaft einzubringen, wuchs.
Letztes Jahr ist sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Band ausgezeichnet worden. Aber Elisabeth Redler trägt den Orden nicht - "da hab ich keine passende Jacke dafür".
Das ganze Gespräch hört ihr im Podcast MitMensch