3.01.2019
Evangelische Kirchen in Bayern

Dreieinigkeitskirche Schwabach öffnet griechisch-orthodoxer Gemeinde die Tür

In der Dreieinigkeitskirche Schwabach wird zwei Mal das Fest Christi Geburt gefeiert: Am 24. Dezember, aber auch noch einmal am 6. Januar. Dann ist die griechisch-orthodoxe Gemeinde an der Reihe, die sich nicht am gregorianischen, sondern am julianischen Kalender orientiert, der 13 Tage später dran ist. Die Glaubensbrüder feiern seit Jahren ebenfalls ihre Gottesdienste in der der kleinen evangelischen Kirche am alten Friedhof. Und die wäre ohne den "Freundeskreis" wahrscheinlich geschlossen.
Dreieinigkeitskirche Schwabach
Peter Vogel mit Schlüssel vor den Ikonen in der Dreieinigkeitskirche Schwabach.

Möglicherweise hat sich Peter Vogel in seinem Leben schon mehr als zwei Mal verliebt. Zwei Mal wurde aus dem Verliebtsein aber eine Bindung auf Dauer. Und jedes Mal war das gleiche Bild dabei: Damals, als der Schwabacher in Königshofen an der Heide seine Frau heiratete. Der Altar der Kirche dort zeigt ebenso wie der in der Schwabacher Dreieinigkeitskirche die "Kreuzabnahme" des flämischen Barockmalers Peter Paul Rubens. Seit 13 Jahren ist Vogel nun Vorsitzender des Freundeskreises der Dreieinigkeitskirche und verteidigte sie erfolgreich gegen Schließung, Verfall – und auch gegen zu viele Ikonen.

Peter Vogel ist ein Mann mit Humor. Launig erzählt er die Geschichten, die sich angesammelt haben, seit er seinen Hut in den Ring geworfen hat, um die jüngste und kleinste Kirche der evangelisch–lutherischen Kirchengemeinde Schwabach-St. Martin vor der Schließung zu retten. Dass das Lutherbild ziemlich alleine zwischen lauter Heiligen hängt, hat seine Gründe: Die griechisch-orthodoxe Gemeinde nutzt das zwischen 1607 und 1608 entstandene Kirchlein seit vielen Jahren mit.

Rund 30 Ikonen sind fein säuberlich an den Wänden aufgereiht. "Wenn wir da nicht immer wieder mal ,Stop‘ sagen würden, hingen die überall", lacht Vogel. Die gemeinsame Nutzung der Dreieinigkeitskirche erfolge zwar problemlos, nur ab und zu müsse man eben daran erinnern, dass man es mit einer evangelischen Kirche zu tun habe.

Baulast war Dekanat zu groß

"Stop" sagten 2004 viele Schwabacher Bürger, als das Dekanat das seit 1936 als Gemeindekirche dienende Haus schließen wollte – zu groß sei die Baulast geworden, sagt Vogel. Doch wie schon 400 Jahre zuvor, als die Schwabacher auf Bitten des damaligen Dekan Geld und Arbeitskraft beisteuerten, um im Friedhof eine Kirche zu bauen, machten sich auch diesmal wieder Bürger stark. Rund 70 Personen gründeten den Freundeskreis, Peter Vogel wurde Vorsitzender.

Und er packte an: Als erstes wurde der Turm saniert. Der Verein kümmerte sich darum, günstig an Gerüst und das Baumaterial zu kommen. "Wenn die Schwabacher zusammenhalten, dann kommt immer was Gutes dabei raus", erklärt Vogel.

Die Mitglieder des Freundeskreises legten sowohl außen als auch innen Hand an, sammelten Spenden für Facharbeiten und aus der Bürgerstiftung. Neue Sitzkissen und eine moderne Lautsprecheranlage wurden beschafft, die Orgel auf Vordermann gebracht.

Der Gottesdienstbetrieb wurde bald erst einmal vierzehntäglich wieder aufgenommen, seit längerem wird wieder jeden Sonntag um 11.15 Uhr Gottesdienst gehalten. "Wir haben sonntags die meisten Besucher aller Kirchen", meint Vogel. Gerne heiraten die Schwabacher auch hier oder lassen ihre Kinder taufen.

Ein Flyer, den der Freundeskreis herausgebracht hat, soll auf die baulichen Besonderheiten aufmerksam machen und die Kunstwerke erklären. Wie die Kanzel aus der Kirche von Rednitzhembach, die als Ersatz für die 1943 bei einem Fliegerangriff verbrannte Barockkanzel angeschafft wurde. Oder die Stiftertafel im Chor, auf der die Vertreibung aus dem Paradies dargestellt ist.

Doch am liebsten betrachtet Peter Vogel natürlich das Rubens-Altarbild, dessen Original das erste Barockgemälde eines Künstlers nördlich der Alpen war. Dann denke er gerne an seine Frau, vielleicht auch, ob es Schicksal ist, dass dieses Bild ihn nun schon lange Zeit begleitet. Und im nächsten Moment wieder daran, was als nächstes in der Dreieinigkeitskirche zu tun ist. Und wenn er nur eine scheinbar aus dem Nichts aufgetauchte Ikone wieder in die vorgesehene Reihe säuberlich aufhängt.

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema:

Sonntagsblatt