26.03.2018
Brauchtum Ostern

Osterbrunnen in Heiligenstadt

Der schöne Brauch des Osterbrunnenschmückens in Heiligenstadt zieht unzählige Besucher in die Marktgemeinde. Eier, Girlanden und "Pensala", so schön kann Tradition sein.

Heiligenstadt. Die Fränkische Schweiz ist nicht zuletzt durch ihre prachtvoll geschmückten Osterbrunnen bekannt. In mühevoller Handarbeit werden alljährlich meist in den Vereinen unzählige Eier bemalt und Girlanden gebunden. Dann wird der Dorfbrunnen zunächst gereinigt oder – wie die Einheimischen zu sagen pflegen – "gefegt", ehe er schließlich in der Karwoche geschmückt wird. Zu den Eiern und Girlanden kommen noch Blumenschmuck und einzelne oder in Büscheln gebundene Papierbänder, die sogenannten "Pensala".

Besonders bekannt ist der Osterbrunnen in Heiligenstadt, der mit rund 2400 ausgeblasenen und handbemalten Eiern zu den attraktivsten Osterbrunnen der Fränkischen Schweiz zählt. Seit Anfang der 1960er-Jahre ist der Brauch des Osterbrunnenschmückens in der Marktgemeinde Heiligenstadt im südöstlichen Landkreis Bamberg fest beheimatet und wird regelmäßig weiterentwickelt.

Die Pflege dieses Brauchtums liegt seit sieben Jahren in den Händen des Fränkische Schweiz Vereins (FSV). Dort kümmert sich der erste Vorsitzende Roland Hohe nicht nur um die Organisation, sondern ist auch so etwas wie ein "Katalysator", der diesen wertvollen Brauch am Leben erhält. "Zurzeit sind es mit meinen Eltern vier bis fünf Leute, die die Eier gestalten", sagt Hohe, "dazu werden die Eier zunächst ausgeblasen und grundiert, dann werden sie bemalt, mit einer Klarlackschicht versehen und schließlich an Holzstäben in die Zweige gesteckt." Die Eier, die im folgenden Jahr wiederverwendet werden können, werden in einem Werkstatt-Raum gelagert, den eine Künstlerin dem FSV zur Verfügung gestellt hat.

Wandelbögen und Osterglocken

Der Osterbrunnen in Heiligenstadt ist aber nicht nur wegen seiner vielen kunstvoll verzierten Motiveier etwas ganz Besonderes, sondern weist auch eine etwas eigene Form auf. "Unser Brunnenschmuck hat zwar auch die typische Form einer Krone, aber von der Mitte gehen noch einmal sogenannte Wandelbögen nach außen, die zum Teil eine Ausladung von acht Metern haben", erklärt Hohe, "und obendrauf setzen wir noch einmal eine Krone, nur nicht mit Eiern, sondern mit jeder Menge Osterglocken."

Kein Wunder also, dass der Osterbrunnen in Heiligenstadt alljährlich unzählige Besucher in die Marktgemeinde in der Fränkischen Schweiz lockt und es sogar in Miniaturform in das große Einkaufszentrum der Erlanger Arkaden geschafft hat, in dem die fünf schönsten Osterbrunnen der Fränkischen Schweiz nachgebaut werden.

Die Mitglieder des Vereins gehen seit vielen Jahren auch in Schulen, um mit den Kindern Eier zu bemalen, die dann ebenfalls mit einem kleinen Hinweisschild am Brunnen angebracht werden. Das fördert laut Hohe auch den bewussten Umgang mit dem Osterbrunnen, sodass es in Heiligenstadt wenig Probleme mit Vandalismus gibt.

Brauchtum soll aufrecht erhalten werden

Roland Hohe und seine Kolleginnen und Kollegen hoffen, dass der schöne Brauch des Osterbrunnenschmückens auch in Zukunft aufrechterhalten werden kann, denn der Fränkische Schweiz Verein ist leider ziemlich überaltert. Doch davon lassen sich alle Beteiligten die Freude nicht trüben und werden auch in diesem Jahr wieder einen Tag vor dem Gründonnerstag den prachtvollen Schmuck am Marktbrunnen anbringen.  

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