Erst langsam ist im Westen, auch in den öffentlich-rechtlichen Programmen in Deutschland, die Berichterstattung über die Massenproteste im Iran in Gang gekommen. Seit der Internet-Totalsperre, mit dem das islamische Regime verhindert, dass sich die Aufständischen organisieren, und um Bilder von den grausamen Massenmorden an der eigenen Bevölkerung zu verhindern, dringen nur noch wenige verlässliche Nachrichten aus dem Iran.

Als Erklärung für die Aufstände dominiert in den Medien bis heute vor allem die ökonomische Perspektive: Die Menschen im von den westlichen Sanktionen gefesselten Iran hätten vor allem von den unerträglichen wirtschaftlichen Verhältnissen die Nase voll, von galoppierender Inflation und zunehmender Perspektivlosigkeit. Und ja, auch von der Korruption. Und von den enormen Kosten für die von der Mullah-Diktatur und den sogenannten Revolutionsgarden geschmiedeten "Achse des Widerstands": die Finanzierung und Ausrüstung von Hisbollah, Hamas und anderen Terroristen, die die Vernichtung Israels – Staatsräson der Mullah-Republik – befördern sollten.

Das Kopftuch - ein Symbol der Unterwerfung der Frau unter die Herrschaft der Männer

Wenig zu hören ist dagegen darüber, dass sich die Aufstände durchaus gegen die religiöse Diktatur an sich richten. Stolze Perser hatten vor dem Hintergrund ihrer jahrtausendealten vor-islamischen Geschichte schon immer ein zwiespältiges Verhältnis zur Religion der Araber, die Persien im 7. Jahrhundert eroberten. Der Kopftuchzwang im Iran und die Propaganda des Regimes täuschen ein anderes Bild vor, doch hinter dieser Kulisse haben sich immer mehr Iranerinnen und Iraner vom Islam verabschiedet. 

Während im Westen vermeintlich Progressive das Tragen von Kopftüchern verteidigen und befördern, legen es immer mehr mutige Iranerinnen ab – nicht aus modischen Gründen, sondern weil es ein Symbol der Unterwerfung der Frau unter die Herrschaft der Männer und einer patriarchalen Religion ist.

Aufstand der Menschen im Iran ist ein Aufstand gegen den Islam

Aber wo bleiben bei uns die Massendemonstrationen gegen ein Regime, das seine eigenen Bürgerinnen und Bürger zu Tausenden hinschlachtet, bloß weil sie Freiheiten ersehnen, die wir für selbstverständlich erachten? Anders als bei Gaza und wenn es gegen Israel geht, herrscht hier Fehlanzeige.

Judenhass und Antiamerikanismus sind der Boden, auf dem im Westen die unheilige Allianz zwischen Islamisten und "postkolonialem Milieu" gedeiht. Würde man sich eingestehen, dass der Aufstand der Menschen im Iran ein Aufstand gegen den Islam ist (jedenfalls in der Form, wie er von den Mullahs dem Land diktatorisch aufgezwungen wird), könnten einige Lebenslügen platzen.