50 Jahre Frauenordination – wer um 1978 geboren ist, wie ich, reibt sich bei diesem Jubiläum unwillkürlich die Augen. Nicht weil es zu wenig bedeutsam wäre. Sondern weil es sich für meine Generation so erstaunlich selbstverständlich anfühlt.

Seit meinen Kindergottesdienstzeiten standen Frauen auf der Kanzel. Als ich später Orgeldienst tat, war es völlig normal, dass Pfarrerinnen predigten, tauften, trauten, beerdigten.

Manchmal wundere ich mich daher ein wenig, warum um dieses Jubiläum so ein Aufhebens gemacht wird. Aber: Was selbstverständlich geworden ist, war einst hart erkämpft.

Im aktiven Pfarrdienst liegt der Frauenanteil um die 50 Prozent

Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht das. In der evangelischen Theologie liegt der Frauenanteil unter den Studierenden seit Jahren bei rund 60 Prozent. Auch im Vikariat sind etwa 60 Prozent Frauen. Das ist keine symbolische Parität mehr, das ist eine klare Mehrheit. Im aktiven Pfarrdienst insgesamt liegt der Frauenanteil zwar noch knapp unter oder um die 50 Prozent, doch die Entwicklung ist eindeutig: Mit jeder Ruhestandswelle verschiebt sich das Verhältnis weiter.

Rechnet man konservativ, wird in den kommenden fünf bis zehn Jahren die Mehrheit der neu ordinierten Pfarrer weiblich sein – schlicht, weil der Nachwuchs überwiegend weiblich ist. Prognosen gehen davon aus, dass der Frauenanteil im Pfarrdienst bis 2030 auf 55 Prozent und mehr steigen kann.

Mit anderen Worten: Wenn es so weitergeht, sind Frauen in wenigen Jahren im Pfarramt nicht nur gleichberechtigt, sondern zahlenmäßig dominant. "An der Macht" – um es augenzwinkernd zu sagen.

Der Kampf vieler Theologinnen der ersten Generation war existenziell

Für meine persönliche Biografie bedeutet das: Die Wahrscheinlichkeit, dass mich 1978 ein Mann getauft hat, war sehr hoch. Die Wahrscheinlichkeit hingegen, dass mich eines Tages eine Frau beerdigt, ist inzwischen höher als die Alternative. Auch das ist Statistik. Und gelebte kirchliche Realität.

Natürlich geht es bei "50 Jahre Frauenordination" nicht nur um Prozentzahlen. Es geht um Berufungen, um Gerechtigkeit, um das Ringen um biblische Auslegung und kirchliche Machtstrukturen. Der Kampf vieler Theologinnen der ersten Generation war kein symbolischer Akt, sondern existenziell. Sie mussten Widerstände überwinden, Vorurteile aushalten, sich in Strukturen behaupten, die nicht für sie gebaut waren.

Was für mich seit Kindertagen normal war, ist das Ergebnis von Mut, Beharrlichkeit und Glauben. Somit ist es ein schönes Zeichen, dass meine Generation sich über das Jubiläum wundert. Die Reformation geht weiter. Und sie trägt Talar in Damenschnitt.