Machtübernahme durch die Taliban
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) fordert in einer gemeinsamen Erklärung mit anderen Kirchen und Organisationen, auf die Notlage der Menschen in Afghanistan mit Menschlichkeit zu reagieren. Man denke dabei nicht nur an die Ortskräfte, heißt es.
Menschen in Afghanistan
Menschen in Afghanistan.

Das Leid der Bevölkerung in Afghanistan berührt viele Menschen auch in Deutschland. In einer gemeinsamen Erklärung äußert sich nun der Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Direktor Renke Brahms zur akuten Notlage der afghanischen Bevölkerung. Mitunterzeichner sind Bischof Bernhard Felmberg (Evangelischer Bischof für die Seelsorge in der Bundeswehr), Bischof Peter Kohlgraf (Präsident der Deutschen Sektion Pax Christi), Bischof Franz-Josef Overbeck (Katholischer Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr) und Bischof Heiner Wilmer SCJ (Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax).

Schnelle und unbürokratische Hilfe für Afghanistan gefordert

Gemeinsam rufen sie die Bundesregierung zur schnellen und unbürokratischen Hilfe auf. Mit großer Bestürzung verfolge man die die Situation in Afghanistan: "In den letzten Tagen mussten wir eine dramatische und schnelle Entwicklung miterleben, die entsetzliches Leid über die Bevölkerung in Afghanistan bringt und noch bringen wird. Die verzweifelte Situation, in der sich gegenwärtig viele Afghaninnen und Afghanen befinden, ist zutiefst erschütternd. Die Bilder und Berichte vom Flughafen in Kabul zeigen überdeutlich deren existentielle Ängste."

Berichte aus verschiedenen Landesteilen ließen zudem erwarten, dass unter dem Taliban-Regime immenses Leid über große Teile der Bevölkerung kommen werde. "Wir denken dabei nicht nur an die Ortskräfte, die über Jahre hinweg im Dienst der ausländischen Streitkräfte standen, sondern auch an die afghanischen Frauen und Kinder sowie die Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten." Sie müssten mit Verschleppung, Ausbeutung, Gewalt und dem Tod rechnen, wenn sie sich nicht den Bestimmungen der Taliban unterwerfen.

Keine Schuldzuweisungen, sondern Not lindern

Für Schuldzuweisungen sei es angesichts dieser akuten Not der falsche Zeitpunkt. Vielmehr komme es nun auf konkrete Schritte an, um diese Not zu lindern. Mit der gemeinsamen Erklärung drücke man Solidarität mit den Menschen in Afghanistan aus und fordere vor allem von den am Einsatz in Afghanistan beteiligten Staaten ein entschiedenes Eintreten für die universelle Geltung der Menschenrechte.

"Wir bitten daher eindringlich alle Regierungen, auf diese Not mit Menschlichkeit zu reagieren, schnelle Hilfe und Ausreisen zu ermöglichen sowie Asyl zu gewähren. Die deutsche Bundesregierung möge darüber hinaus auch jenen Menschen unkompliziert ein Bleiberecht in Deutschland gewähren, die schon vor 2013 mit der Bundeswehr, z. B. als Übersetzer, kooperiert haben." Nach Bewältigung der unmittelbaren Notlage sei es außerdem geboten, den Einsatz in Afghanistan unvoreingenommen und nach klaren Kriterien zu evaluieren, so dass auch Konsequenzen für eine zukünftige Außen- und Sicherheitspolitik der westlichen Staaten gezogen werden könnten. D

Schließlich hoffen die Unterzeichner, dass alle Beteiligten ihre Waffen schweigen lassen und gemeinsam an einer friedlichen Lösung arbeiten: "Möge die Not der Menschen ihnen ein offenes Herz und einen neuen Geist geben. Darum bitten wir und dafür beten wir."

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