1.04.2020
Akademie Tutzing und Wildbad Rothenburg

Corona-Pandemie hat wirtschaftliche Folgen: Wie geht es in evangelischen Tagungszentren jetzt weiter?

Wie die Hotels und Gaststätten sind auch die evangelischen Tagungshäuser in Bayern von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Wie sie mit der Situation umgehen, schildern die Chefs des Wildbads Rothenburg und der Akademie Tutzing.
Evangelische Akademie Tutzing
Evangelische Akademie Tutzing

Wie viele Tagungszentren ächzen auch die beiden landeskirchlichen Tagungshäuser Wildbad Rothenburg und die Evangelische Akademie Tutzing unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie.

Nicht nur, dass bis zum 19. April schon alle Tagungen und damit eben auch alle Übernachtungen abgesagt sind - die Stornierungen reichen bereits jetzt zum Teil bis in den Sommer hinein. Gerade, wenn es sich etwa um Tagungen mit internationalen Gästen handelt, deren Möglichkeiten zur Anreise aktuell nicht absehbar sind, heißt es etwa aus Tutzing.

Wildbad-Leiter Wolfgang Schuhmacher sagte, das größte Problem sei für sein Haus,

"dass wir derzeit nicht wissen, wie es ab dem 20. April weitergeht".
Im Moment würden Wartungsarbeiten im Haus erledigt, Resturlaubstage sowie Überstunden abgebaut. Manche Mitarbeitende zögen auch ihren diesjährigen Urlaub in die "Corona-Pause" vor, sagte Schuhmacher. Als nichtselbständige Einrichtung der bayerischen Landeskirche sei man wirtschaftlich nicht sofort in einer problematischen Lage. "Aber diese Situation darf sich nicht Monate hinziehen", betonte er.
 
Auch für die Wochen nach dem 20. April hat das Wildbad schon jetzt einige Stornierungen verbucht. "Einige verlegen ihre Veranstaltungen auf später im Jahr, manche ins kommende Jahr - aber einige streichen ihre Tagungen, Seminare oder Feste komplett", sagte Schuhmacher. Der konkrete finanzielle Ausfall durch die Zwangspause sei aktuell noch nicht bezifferbar, denn es gebe noch etliche offene Fragen. Etwa, ob für kirchliche Tagungszentren mit Übernachtungsbetten auch Gelder aus staatlichen Rettungsschirmen infrage kommen, oder nicht.

Oberkirchenrat Stefan Blumtritt, im Landeskirchenamt Abteilungsleiter für gesellschaftsbezogene Dienste - und damit unter anderem auch für die Akademie Tutzing zuständig-, sagte, man arbeite sehr intensiv an der Beantwortung derartiger Fragen und stehe in engem Kontakt mit der Staatsregierung. Er plädiere dafür, dass die Landeskirche für jene Häuser, die Anspruch auf staatliche Hilfen haben, in Vorleistung gehe - damit dort die Gefahr einer Insolvenz abgewendet wird. Darüber müsse aber letztlich erst der Landeskirchenrat entscheiden, sagte Blumtritt.

In der Evangelischen Akademie Tutzing sind die Ausfälle ebenfalls enorm. "Durch die wegfallenden Gäste sinken zwar auch die Ausgaben, aber die Fixkosten für Räume und Personal bleiben ja", sagte Direktor Udo Hahn. Er hoffe, dass "um Ostern herum" klar wird, wie es nach dem Ende der Osterferien weitergehe. "Wir legen aktuell nicht die Hände in den Schoß - alle, die keine Überstunden oder Resturlaub abbauen, arbeiten etwa an der Intensivierung unseres Online-Angebots", sagte Hahn:
"Wir wollen in der Corona-Krise zeigen: Uns gibt es noch!"
Auch Hahn hofft auf ein baldiges Ende der Zwangspause - und will nach dieser mit seinem Team wieder gestärkt loslegen. "Wir bereiten uns jetzt auf Tag eins der Wiedereröffnung vor", sagte der Direktor. Der Bildungsauftrag der Akademie Tutzing und der anderer evangelischer Bildungszentren sei durch die Corona-Pandemie "nicht weg", vielleicht sei er sogar nötiger und wichtiger denn je. "Natürlich haben wir auch Angst um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter - aber es geht nicht nur um uns selbst, sondern um unsere ganze Gesellschaft", betonte er. 
Wildbad Rothenburg Tagungsstätte Landeskirche Bayern
Wildbad Rothenburg Tagungsstätte Landeskirche Bayern
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Die bayerische Landeskirche behält das Wildbad Rothenburg. Nach dem Abschluss der Prüfung hat der Landeskirchenrat beschlossen, die Tagungsstätte weiter als Einrichtung der Landeskirche zu betreiben. Vor ungefähr einem Monat war bekanntgeworden, dass der Landeskirche für das idyllisch gelegene Wildbad von einem vor Ort tätigen Hotelier ein Kaufangebot vorgelegt wurde. Die Kirchenleitung informierte daraufhin die Mitarbeitenden und die Mitglieder des Wildbad-Beirates. Zur Debatte standen neben einem möglichen Verkauf auch eine Kooperation mit dem interessierten Hotelier sowie das Festhalten am Ist-Zustand.