Die drei evangelischen Dekanatsbezirke Cham, Sulzbach-Rosenberg und Weiden planen eine umfassende Gebiets- und Strukturreform. Die insgesamt 69 Kirchengemeinden wollen dafür in sogenannten Nachbarschaftsräumen zusammenarbeiten und einen neuen Dekanatsbezirk gründen. Während andere Dekanate der Landeskirche in puncto Zusammenlegung noch im Beteiligungsprozess stecken, macht das nördliche Ostbayern jetzt schon Nägel mit Köpfen.

Neuer Dekanatsbezirk ab Juli 2024

Ein entsprechender Antrag zum Zusammenschluss sei Mitte Oktober an den Landeskirchenrat und den Landessynodalausschuss in München gegangen, sagte Regionalbischof Klaus Stiegler. Der neue Dekanatsbezirk soll am 1. Juli 2024 Wirklichkeit werden. Geleitet werde der neue Dekanatsbezirk neben Dekanatssynode und Dekanatsausschuss künftig von einer personellen Doppelspitze: Dekanin Ulrike Dittmar (Cham) und Dekan Thomas Guba (Weiden). Sie werden sich die Arbeitsfelder teilen. Der Zeitpunkt der Umstrukturierung sei günstig, führte der Regionalbischof aus. Zum 31. Januar 2024 gehe Dekan Karlhermann Schötz (Sulzbach-Rosenberg) in den Ruhestand.

Alle 69 betroffenen Kirchengemeinden seien in den Prozess eingebunden gewesen und hätten ein Mitspracherecht gehabt. Bis Ende September konnten sie ihre Stellungnahme abgeben. "Viel Wohlwollen, Einsicht und konstruktive Anregungen waren darunter", sagte Stiegler. Diese Rückmeldungen seien in die weiteren Beratungen der Entscheidungsgremien auf Dekanatsebene eingegangen. Stiegler zeigte sich beeindruckt:

"Ich habe großen Respekt, dass sich sowohl Ehren- als auch Hauptamtliche auf diese Veränderung eingelassen haben."

Mehr als 70.000 Evangelische leben in dem neu zu bildenden Dekanatsbezirk, der sich über die nördliche und mittlere Oberpfalz bis in das nördliche Niederbayern, vom Nürnberger Land bis an die tschechische Grenze erstreckt. Der künftige Dekanatsbezirk werde in zwei Regionen aufgeteilt. Welche das im Einzelnen sind, sei noch nicht final entschieden.

Neuordnung erleichtert Zusammenarbeit mit Ämtern

Die Vorteile der Neuordnung liegen für den Weidener Dekan Thomas Guba auf der Hand. Der künftige Dekanatsbezirk sei "eine Größe, in der man Verwaltungsabläufe und Organisation noch gut lösen kann", sagte er. Zudem gehe es auch um eine gewisse "Flurbereinigung". Im Dekanat Weiden gebe es zum Beispiel Überschneidungen mit den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Neustadt an der Waldnaab, Schwandorf und Tirschenreuth. Die Neuordnung erleichtere die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen, zum Beispiel Schulämtern.

Dekanin Dittmar erhofft sich durch die Neubildung, "dass wir gemeinsam mit starker Stimme für die Identität der Gemeinden in der Diaspora sprechen können". Bis aus den drei Dekanaten auch "gefühlt" eines wird, brauche es Zeit, sagte die Präsidentin der Dekanatssynode Cham, Elke Scholz. "Aber die meisten sind zuversichtlich."

Die Kirchenleitung in München werde zügig über den Antrag entscheiden. Ob die Pläne bis zum 1. Juli 2024 Realität werden, hänge auch von staatlichen Stellen ab. Da ein Dekanat eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, bedürfe es der Zustimmung des Freistaats.

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