Das Diakoniemuseum Rummelsberg zeigt am Sonntag, 8. November, um 17 Uhr den historischen Stummfilm "Einer trage des anderen Last". Die Vorführung im Besucherzentrum (Rummelsberg 45) findet genau 90 Jahre nach der Uraufführung des Films statt. Museumsleiter Thomas Greif ordnet den Streifen film- und zeitgeschichtlich ein. Ulrich Nehls aus Erlangen begleitet die Vorführung mit Live-Improvisationen am E-Piano. Das Museum ist an diesem Tag bereits ab 14.30 Uhr geöffnet.

Der 1936 von der Evangelischen Bildkammer Bayern produzierte Film schildert anhand wahrer Begebenheiten, wie Diakonissen und Diakone Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem eine überforderte junge Mutter mit zwei Kindern, eine Schreinerfamilie mit einer körperbehinderten Tochter und ein älterer Sohn auf Sinnsuche.

Der Film unter der Regie von Friedrich Paulmann aus Berlin entstand nach einem Drehbuch von Maja Frör, der Tochter des damaligen Rummelsberger Rektors Karl Nicol. Zu sehen sind unter anderem Aufnahmen aus der Nürnberger Innenstadt vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, aus dem Kinderheim Garmisch-Partenkirchen, dem damaligen Arbeitsheim Weiher bei Hersbruck sowie aus den Rummelsberger Anstalten und dem Wichernhaus Altdorf. Auch die heutigen Museumsräume sind zu sehen, die in den 1930er Jahren noch als Bäckerei dienten.

"Einer trage des anderen Last" war der letzte Langfilm der Evangelischen Bildkammer Bayern. Die 1924 gegründete Organisation gehörte zu den bedeutenden Filmorganisationen Bayerns. Mit einem Wanderkinobetrieb erreichte sie Ende der 1920er Jahre ein Millionenpublikum. Ihre Filme zählen zu den frühen Sozialdokumentationen der deutschen Filmgeschichte.

Nach internen Konflikten hatte der Landesverein für Innere Mission, unter dessen Dach die Bildkammer arbeitete, den Betrieb Anfang 1934 eingestellt. Erst die Erfahrungen des sogenannten Kirchenkampfes führten zu einer neuen Wertschätzung kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit. Die Uraufführung des Stummfilms fand am 8. November 1936 in der "Neuen Bilderbühne" in Nürnberg statt. Landesbischof Hans Meiser reiste dazu an, ein Bläserquintett aus Rummelsberger Diakonen übernahm die musikalische Begleitung.

Obwohl der Film technisch bereits hinter den damaligen Standards zurückblieb, wurde er in den folgenden Monaten und Jahren in rund 1.200 bayerischen Kirchengemeinden sowie in weiteren Teilen Deutschlands, in Österreich und in Südamerika gezeigt. Ein mitgelieferter Programmzettel wies die Vorführung als geistliche Veranstaltung aus. 1941 musste die Bildkammer ihren Betrieb erneut einstellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang 1948 mit "Einer trage des anderen Last" der Wiedereinstieg.

Termin: Sonntag, 8. November, 17 Uhr, Besucherzentrum Diakoniemuseum Rummelsberg, Rummelsberg 45. Das Museum ist ab 14.30 Uhr geöffnet.

(om)