Die Frühjahrstagung der Landessynode steht ganz im Zeichen Zukunft. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm erklärt im Interview, was es für eine zukunftsfähige Kirche braucht, wieviel Begeisterung es dafür braucht und was er vom Vorschlag hält, die Amtszeit von Landesbischöf*innen zu halbieren.

Herr Landesbischof, die Landessynode findet in bewegten Zeiten statt. Welches Signal sollte von ihr ausgehen?

Heinrich Bedford-Strohm: Die Zeiten sind herausfordernd, aber Gott wird uns die Kraft geben, sie zu bestehen. Wir sind mitten im Umbau unserer Kirche und sind zuversichtlich, dass wir sie mit Gottes Hilfe trotz erschwerter gesellschaftlicher Bedingungen noch mehr als jetzt zu einem Ort machen können, an dem die Menschen etwas von der Liebe Gottes spüren, aus der wir leben.

"Es sind die Diskussionen, die helfen, dass Entscheidungen nicht von oben verordnet werden, sondern gemeinsam getragen und verantwortet werden."

Was ist für Sie persönlich das wichtigste an einer Landessynode?

Bedford-Strohm: Es sind die Begegnungen mit den Synodalen als den Menschen, denen von den Gemeinden diese wichtige Verantwortung für unsere Kirche übertragen worden ist.  Es sind die Diskussionen, die helfen, dass Entscheidungen nicht von oben verordnet werden, sondern gemeinsam getragen und verantwortet werden.

Die Synode findet in Präsenz statt. Gab es Bedenken wegen der weiterhin sehr hohen Inzidenzen?

Bedford-Strohm: Natürlich hat die Synodenführung kontinuierlich die Corona-Lage daraufhin geprüft, ob solch eine Tagung verantwortbar ist und immer den Plan B einer erneuten digitalen Tagung in der Schublade gehabt. Am Ende hat sie entschieden, dass eine physische Tagung verantwortbar ist. Es ist auch dringend an der Zeit, dass wir uns endlich physisch treffen können.

"Nur wer sich inspirieren lässt, kann auch selbst inspirieren."

Im Zentrum soll die Frage stehen, wie man Menschen dafür begeistern kann, Christ*in zu sein. Was wäre Ihre Antwort auf diese Frage?

Bedford-Strohm: Da habe ich eine klare Antwort: Die Botschaft von der Liebe Gottes ist eine richtig starke Botschaft. Deswegen ist das Wichtigste, dass wir sie selbst neu entdecken und uns davon inspirieren lassen. Nur wer sich inspirieren lässt, kann auch selbst inspirieren. Dazu gehört aber auch eine Haltung des Hörens. Was kann mir mein Gegenüber sagen? Wie kann er mir helfen, meinen Glauben authentisch zu leben?

Sie selbst gelten als jemand, der Begeisterung vorlebt – braucht die Landeskirche mehr charismatische Figuren?

Bedford-Strohm: Wir brauchen ganz unterschiedliche Persönlichkeiten in unserer Kirche. Die Stilleren, die gerade durch ihre feine, zurückhaltende Art Menschen beeindrucken und berühren, ebenso wie die, die eher extrovertierter sind. Egal, was für ein Typ wir jeweils sind: was uns innerlich trägt, wovon wir überzeugt sind, das strahlt aus.

"Von den Freikirchen können wir bei manchen Unterschieden auch einiges lernen."

Sollte sie sich vielleicht sogar in gewissen Dingen von Freikirchen inspirieren lassen?

Bedford-Strohm: Von den Freikirchen können wir bei manchen Unterschieden auch einiges lernen: indem wir uns mehr trauen, von unserem Glauben auch zu sprechen, indem wir das Gebet viel selbstverständlicher in unseren Alltag integrieren, indem wir offen sind für moderne Musik und liturgische Formen, indem wir Kirche Besucher-freundlich, familienfreundlich gestalten. Natürlich geschieht das das in unserer Landeskirche schon.  Aber als meine Kinder noch ganz klein waren, habe ich die Familienfreundlichkeit beim sonntäglichen Gottesdienstbesuch oft vermisst.

Wenn Sie unabhängig von Sachzwängen einen Wunsch frei hätten: Wie wünschen Sie sich die Kirche?

Bedford-Strohm: Ich wünsche mir eine Kirche, die im Alltag stärkt und Orientierung gibt, die Gottesdienste feiert, die berühren, die Lebensfreude ausstrahlt und Gemeinschaft bietet, die trägt, und die seelsorgerlich präsent ist für alle, die das wünschen.

Wie stehen Sie zum Vorschlag, die Amtszeit des Landesbischofs von 12 auf sechs Jahre zu verkürzen?

Bedford-Strohm: Diesen Vorschlag halte ich nicht für sinnvoll. Das ist einfach zu kurz, um in das Amt reinzuwachsen und dann im Laufe einer Amtszeit auch möglichst vielen Menschen in unserer großen Landeskirche zu begegnen. Ich bin dankbar, dass ich dafür 12 Jahre Zeit hatte und habe.

 

Heinrich Bedford-Strohm

EKD-Ratsvorsitzender und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Heinrich Bedford-Strohm ist seit 2011 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) und war von 2014 bis 2021 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Bedford-Strohm wurde 1960 in Memmingen geboren. Er studierte Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkeley (USA) und promovierte anschließend. Als Professor lehrte und lehrt er an verschiedenen Universitäten, u.a. in Gießen, Bamberg, New York (USA) und Stellenbosch (Südafrika). Sein Vikariat absolvierte er in einer Kirchengemeinde in Heddesheim, als Pfarrer war er in Coburg tätig.