10.11.2020
Antisemitismus in Deutschland

Knobloch: Judenhass ist kleinster gemeinsamer Nenner von Extremisten

Charlotte Knobloch, die frühere Zentralpräsidentin der Juden in Deutschland sendete anlässlich eines digitalen Gedenkaktes an die Pogromnacht eine Videobotschaft.
Die in der Pogromnacht 1938 zerstörte Ohel-Jakob-Synagoge in München.
Die in der Pogromnacht 1938 zerstörte Ohel-Jakob-Synagoge in München lag in der Nähe der Oper und der Münchner Kammerspiele. Auch die 2006 eingeweihte neue Münchner Synagoge am Jakobsplatz heißt wieder Ohel Jakob (Zelt Jakobs).

Auch mehr als acht Jahrzehnte nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 ist der Antisemitismus nach Einschätzung der früheren Zentralratpräsidentin der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, noch nicht überwunden.

Vielmehr sei der Hass "seitdem stets derselbe geblieben", sagte Knobloch am Montag in einer Videobotschaft zum digitalen Gedenkakt der Stadt München an die Pogromnacht der Nazis vor 82 Jahren. Antisemitismus betäube "das menschliche Mitgefühl noch heute so potent wie vor 60, 70 oder 80 Jahren".

Warnung vor wachsendem Extremismus

Knobloch warnte mit Blick auf die vielen Anschläge der vergangenen Wochen und Monate vor einem wachsenden Extremismus diverser Schattierungen.

"Die jüdische Gemeinschaft bleibt unverändert primäres Ziel für alle diese Gruppierungen - ganz egal, aus welchem Teil des Spektrums sie kommen. Ob rechts- oder linksextrem oder Islamisten: Der Judenhass als kleinster gemeinsamer Nenner bleibt." Dagegen brauche es ein stärkeres gesellschaftliches Engagement, sagte sie: "Die Schreie der Opfer hallen bis heute nach."

Videobotschaft von Dieter Reiter

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte in seiner Videobotschaft, die Erinnerung "an die Barbarei von damals" sei für immer zentral für den Fortbestand "unserer freiheitlichen Demokratie und unserer humanen Gesellschaft".

Die Erinnerung an die Pogrome von 1938 machten deutlich, wie wichtig ein zivilgesellschaftlicher Einsatz und Hinschauen weiter bleibe. Die Pogromnacht am 9. November sei verordneter Staatsterror gewesen, der öffentlich stattgefunden habe. Dennoch habe es keinen nennenswerten Protest gegeben.

In der Nacht auf den 10. November 1938 gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen die jüdische Minderheit im Deutschen Reich über. Es brannten Synagogen und jüdische Geschäfte, Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt.

Die Mehrzahl der Synagogen und jüdischen Gebetshäuser ging in der Pogromnacht in Flammen auf. Das öffentliche Leben der Juden in Deutschland kam danach völlig zum Erliegen. 

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Apostel Paulus
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"Glaube, Hoffnung, Liebe, meine geistliche Schutzausrüstung – manchmal denk ich: Glaube, Hoffnung, Liebe mach ich doch nicht selbst. Das muss mir geschenkt werden. Doch da mach ich es mir zu leicht. Sicher: Glauben kann ich nicht machen, aber vielleicht hab ich ihn geschenkt bekommen als kleines unscheinbares Pflänzchen meiner Seele. Dann kann ich ihn pflegen, mir Zeit nehmen zum Beten, zum Staunen und Danken …" Evangelische Morgenfeier von Pfarrerin Elke Eilert, Wolfratshausen.