Dieses Jahr fallen zwei wichtige Tage für die Gleichberechtigung auf dasselbe Wochenende: der Feministische Kampftag bzw. Weltfrauentag und der Weltgebetstag der Frauen. Der Weltfrauentag findet jedes Jahr am 8. März statt, der Weltgebetstag der Frauen am 6. März. 

Während der Weltfrauentag ein internationaler Feiertag ist, der als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg entstand, ist der Weltgebetstag der Frauen die größte Basisbewegung christlicher Frauen weltweit. Beide Tage machen auf Missstände in unserer patriarchalen Gesellschaft aufmerksam, kämpfen für Frauenrechte und mehr Emanzipation und Gleichberechtigung. 

Feminismus und Glaube: Kein Widerspruch – sondern eine Notwendigkeit

Feminismus und christlicher Glaube können sich ergänzen, wenn wir davon ausgehen, dass der Feminismus die Gleichberechtigung aller zum Ziel hat. Im christlichen Glauben macht Gott keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, und Jesus wendet sich ausdrücklich denjenigen zu, die Diskriminierung und Ungleichbehandlung erfahren. 

Unser christlicher Glaube ist dennoch stark von patriarchalen Denkmustern geprägt. So wird Gott beispielsweise fast ausschließlich mit männlichen Pronomen angesprochen und als Vater bezeichnet, obwohl er sich in der Bibel auch in anderer Gestalt zeigt und keineswegs einem einzigen Geschlecht zuzuordnen ist. Diese und andere traditionsreichen Denkmuster im christlichen Glauben dürfen feministisch hinterfragt und dekonstruiert werden – beispielsweise mit Hilfe von Literatur oder alternativen Bibelübersetzungen. 

3 Bücher, die deinen feministischen Glauben stärken

1. "Bible Bad Ass" von Edith Löhle

In "Bible Bad Ass" hat die Protagonistin Klara der Kirche und dem Glauben eigentlich längst den Rücken gekehrt. Dann wird sie allerdings einer WhatsApp-Gruppe mit biblischen Frauenfiguren hinzugefügt und chattet im Alltag über ihre Probleme mit Maria, Ruth und Lilith. Eine progressive Pfarrerin ebnet ihr zusätzlich den Weg zu einem feministischen Gottesbild. 

"Bible Bad Ass" regt nicht nur dazu an, sich mit biblischen Frauenfiguren zu beschäftigen, sondern ist auch eine schöne Lektüre für alle, die sich unsicher sind, ob der christliche Glaube für sie infrage kommt. 

2. "Gott ist Feministin" von Mira Ungewitter

In "Gott ist Feministin" schreibt Pastorin Mira Ungewitter autobiografisch über feministischen Glauben. Der Untertitel "Mein Leben mit Eva, Maria und Lady Gaga" gibt bereits einen Vorgeschmack auf das, was sich durch das ganze Buch zieht. Die Autorin schreibt teils provokant und witzig, teils ernst über ihr Leben und wirkt dabei wie eine gute Freundin. 

Neben den autobiografischen Anekdoten flicht sie auch theologisches Hintergrundwissen und Bibel-Exegese ein, die sich vor allem auf weibliche Figuren der Bibel und verbreitete Klischees und Missinterpretationen beziehen.  

3. "Bibel in gerechter Sprache"

Die "Bibel in gerechter Sprache" ist eine Bibelübersetzung, die sich mehr Gerechtigkeit in Bezug auf den jüdisch-christlichen Dialog sowie in Bezug auf das Thema Geschlecht zum Ziel gesetzt hat. Gott wird in dieser Übersetzung abwechselnd mit allen Pronomen angesprochen und unterschiedlich bezeichnet. So ist beispielsweise nicht nur von "Herr", sondern auch von der "Ewigen" oder der "Lebendigen" die Rede.

Diese unterschiedlichen Ansprachen von Gott laden dazu ein, das eigene Gottesbild zu hinterfragen. Die "Bibel in gerechter Sprache" enthält außerdem Randbemerkungen und Fußnoten, in denen die Begriffe aus dem Hebräischen oder Altgriechischen erläutert werden. 

Egal ob am Weltgebetstag, am feministischen Kampftag, oder an einem Tag ganz ohne besonderes Ereignis: Damit der eigene Glaube wachsen kann, lohnt es sich den Blick zu weiten das eigene Gottesbild immer wieder zu hinterfragen.