Mit über 40 Millionen verkauften Tonträgern zählen Die Flippers zu den erfolgreichsten deutschen Bands aller Zeiten. Im März wurde Sänger Olaf Malolepski 80 Jahre alt. Noch immer steht der Musiker regelmäßig auf der Bühne – unter anderem am 17. September im Würzburger Congress Centrum.
Herr Malolepski, ein persönlicher Einstieg: Mein Schwiegervater ist großer Flippers-Fan und erzählt mir immer wieder, dass Sie 1982 auf einem Schützenfest in seiner Heimat Nenzenheim gespielt haben. Erinnern Sie sich daran noch?
Olaf Malolepski: Also daran direkt kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber wir haben damals sehr viele Schützenfeste gespielt, auch im bayerischen Raum. Eigentlich in ganz Deutschland. Es war immer großartig – tolle Vereine, herzliche Menschen. Und wir haben immer ein Glas Wasser bekommen, weil wir ja noch Auto fahren mussten.
Sie stehen inzwischen seit rund 65 Jahren auf der Bühne. Woher nehmen Sie mit 80 noch die Energie für Tourneen und Konzerte?
Musizieren macht mir wahnsinnig viel Spaß. Und wenn man dann noch so erfolgreich ist wie jetzt mit "Wir sagen Dankeschön", dann motiviert das natürlich zusätzlich. Das Lied haben wir schon 2009 aufgenommen, aber erst viele Jahre später wurde es plötzlich überall gesungen – auf Mallorca, im Internet, von jungen Leuten. Heute kennt es ganz Europa. Das ist sensationell.
Hätten Sie jemals gedacht, dass gerade dieser Song noch einmal so durch die Decke geht?
Nein, überhaupt nicht. Das war völlig überraschend. Aber heute könnte ich das Lied theoretisch in Dauerschleife singen. Die Leute feiern es überall.
Gab es in Ihrer langen Karriere auch schwierige Zeiten? Momente, in denen Sie ans Aufhören gedacht haben?
Natürlich gab es ruhigere Phasen. Nach "Weine nicht, kleine Eva" und anderen Hits wurde es auch mal etwas stiller. Aber ich hatte immer noch einen anderen Beruf. Ich bin staatlich geprüfter Tennislehrer und habe meine Ausbildung in München gemacht. Deshalb hatte ich nie Existenzängste.
Schlager wird manchmal belächelt. Warum begeistert er die Menschen Ihrer Meinung nach trotzdem bis heute?
Weil Schlager die populärste Musik überhaupt ist. Das war schon immer so. In Amerika heißt das Country-Musik, bei uns eben Schlager. Musik verbindet Menschen. Und Schlager transportiert Gefühle, Hoffnung und Lebensfreude.
Sie wirken sehr positiv und bodenständig. Ist das Ihre Lebensphilosophie?
Ja, absolut. Ich bin seit 55 Jahren verheiratet, habe zwei tolle Kinder und Enkelkinder. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich gesund aufstehe. Dann gehe ich ins Studio, spiele Gitarre oder mache Sport. Probleme versucht man gemeinsam zu lösen. Das ist eigentlich ganz einfach.
Spielt der Glaube dabei eine Rolle?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin evangelisch und habe darüber auch schon einmal in einem christlichen Fernsehformat gesprochen. Für mich ist der liebe Gott nicht etwas Fernes irgendwo oben, sondern etwas, das in uns Menschen steckt. Wenn ich in einer Kirche sitze, spüre ich Ruhe und Dankbarkeit. Aber jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden und selbst etwas daraus machen. Ich glaube daran, dass das Gute im Menschen vorhanden ist – gerade auch in der Familie und im Umgang miteinander. Daran halte ich mich fest. Natürlich gibt es im Leben schwierige Situationen, aber wichtig ist, wie man miteinander umgeht. Reden, zusammenhalten, positiv bleiben – das ist für mich entscheidend.
Sie engagieren sich seit Jahren sozial, etwa für Kinderhilfsprojekte und Benefizaktionen. Warum ist Ihnen das wichtig?
Weil es mir und meiner Familie gut geht und ich finde, dass man dann auch etwas zurückgeben sollte. Ich engagiere mich für verschiedene soziale Projekte. Zum Beispiel spiele ich bei Benefizveranstaltungen des "Eagles Charity Club ", bei denen Geld für Menschen gesammelt wird, die unverschuldet in Not geraten sind. Dabei sind bekannte Sportler, Olympiasieger oder Künstler dabei. Über die Jahre sind so schon über 50 Millionen Euro zusammengekommen. Besonders bewegt haben mich auch Projekte für Kinder. Ich bin Botschafter bei "International Children help" unter anderem für Delfintherapien und war dafür auch schon mit schwer traumatisierten Kindern in Spanien. Wenn man sieht, wie diese Kinder wieder lachen oder Vertrauen gewinnen, dann geht einem das sehr nahe. Früher bin ich außerdem viele Jahre bei Benefiz-Radtouren in Baden-Württemberg mitgefahren. Da waren wir ein ganzes Wochenende unterwegs, um Spenden für Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu sammeln. Das waren immer besondere Begegnungen. Ich sage mir einfach: Mir geht es gut, ich habe eine wunderbare Familie, ich durfte so viele Erfolge erleben – da möchte ich nicht nur an mich selbst denken. Wenn man mit seiner Bekanntheit helfen kann, dann sollte man das auch tun.
Auch Ihre Tochter Pia steht inzwischen mit Ihnen auf der Bühne. Macht Sie das stolz?
Natürlich. Sie macht heute mein Management und singt auch mit mir gemeinsam. Das ist wunderschön. Ich kann mich voll auf sie verlassen.
Was erwartet die Besucher Ihrer aktuellen Tournee?
Ein bunter Abend mit den großen Flippers-Hits, meinen Solo-Liedern und auch Songs meiner Tochter. Wir erzählen Geschichten, singen Medleys – und natürlich darf "Weine nicht, kleine Eva" nicht fehlen.
Sie geben vielen Menschen Mut – gerade auch älteren Fans. Spüren Sie das bei Ihren Auftritten?
Ja, sehr. Ich habe vor kurzem in Österreich gespielt, und in dem Gasthof, in dem wir untergebracht waren, kam plötzlich ein fünfjähriger Junge mit seinen Eltern zu mir. Da denkt man sich schon: Wahnsinn – fünf Jahre alt, und der kennt meine Musik. Das zeigt doch, dass Musik Generationen verbinden kann. Ein anderes Erlebnis hat mich besonders bewegt. Ich habe gemeinsam mit meiner Tochter in einem Seniorenheim gesungen. Nach dem Auftritt kam die Leiterin zu mir und sagte: "Da ist eine ältere Dame, die Sie unbedingt kennenlernen möchte." Die Frau war 100 Jahre alt. Sie hat mich angesehen und gesagt: "Ich kann zwar nicht mehr auf dem Tisch tanzen, aber Ihre Musik gibt mir wieder Lebensmut und Lebenskraft." Da hatte ich wirklich Tränen in den Augen. Und genau das ist das Schöne an der Musik: Am einen Tag singt ein fünfjähriges Kind meine Lieder mit, am nächsten erzählt mir eine 100-Jährige, wie viel Kraft sie daraus zieht. Größer kann ein Geschenk für einen Musiker eigentlich nicht sein.
Mehr zum Konzert und Tickets gibt es hier.
Zwei Stunden heile Welt mit Olaf dem Flipper
Zwei Stunden raus aus dem Alltag, hinein in eine Welt aus Sonne, Süden, Liebe und großen Gefühlen: Olaf der Flipper hat am 17. September das Würzburger Congress Centrum in eine große Schlager-Wohlfühlzone verwandelt. 33 Stücke standen auf dem Programm – im Schnelldurchlauf, mit zahlreichen Medleys und natürlich mit den großen Hits, die Generationen von Schlagerfans begleiten.
"Weine nicht, kleine Eva", "Die rote Sonne von Barbados", "Mexiko" oder "Lotusblume": Bei den Klassikern der Flippers dauerte es nicht lange, bis das Publikum mitsang und tanzte. Dazu kamen aktuelle Songs aus dem Soloprogramm des Sängers. Musikalisch ist das Ganze hochprofessionell angerichtet: Keyboarder, Gitarrist und Schlagzeuger stehen mit auf der Bühne, im Hintergrund liefert eine große LED-Leinwand passende Bilder und Farbwelten. Der Sound ist glasklar und druckvoll. Allerdings ist auch deutlich zu hören, dass große Teile der musikalischen Begleitung vom Playback kommen. Olaf und seine Tochter Pia Malo singen dagegen live – und beide präsentieren sich stimmlich wie auch als Entertainer bestens aufgelegt.
Pia Malo, die wie ihr Vater den Familiennamen Malolepski trägt, ist längst fester Bestandteil der Show. Mit ihrem Vater singt sie Duette, dazwischen gehört die Bühne auch ihr allein. Sie präsentiert eigene Schlagersongs, aber ebenso Coverversionen – etwa "Tage wie dieser" von den Toten Hosen. Dass ausgerechnet dieser Song im Schlagerprogramm funktioniert, zeigt, wie wenig sich die Show um musikalische Schubladen schert. Pia ist nicht nur auf der Bühne präsent: In der Pause steht sie am Verkaufsstand und verkauft gemeinsam mit dem Team CDs und T-Shirts. Die Tour ist auch ein Familienunternehmen.
Und Olaf Malolepski? Dem Mann, der seit 65 Jahren auf der Bühne steht, sind seine 80 Jahre kaum anzumerken. Er bewegt sich locker, lächelt viel, scherzt mit dem Publikum und wirkt wie jemand, der locker für 20 Jahre jünger durchgehen könnte. Als ehemaliger Flippers-Sänger ist er ohnehin ein Vollprofi – einer, der seine Bühnenkarriere nach so vielen Jahrzehnten vermutlich längst nicht mehr aus finanziellen Gründen fortsetzen müsste. Umso sympathischer wirkt es, dass er weiterhin das tut, was ihm offensichtlich Freude macht: singen, auftreten und sein Publikum für ein paar Stunden aus dem Alltag entführen.
Dabei ist die Altersstruktur im Saal durchaus überraschend. Viele Besucher sind Olaf Malolepskis Generation oder nur wenig jünger. Doch zwischen den Reihen stehen auch erstaunlich viele junge Erwachsene, manche im Glitzer-Look, die bei "Mexiko" oder "Lotusblume" nicht einfach nur höflich mitsingen, sondern die alten Flipper-Hits geradezu frenetisch feiern. Schlager erweist sich an diesem Abend als erstaunlich generationenübergreifend.
Im Mittelpunkt steht dabei die heile Welt, die der Schlager verspricht: Palmen, Meer, südliche Nächte, die große Liebe und die Gewissheit, dass am Ende alles gut werden kann. Das ist Eskapismus, ganz bewusst und ohne große Umwege. Wer in den Saal kommt, um für zwei Stunden vom Alltag abzuschalten, bekommt genau das geboten.
Zwischendurch blitzt allerdings auch eine andere Seite auf. Pia Malo spricht mit spürbarer Dankbarkeit darüber, dass sie gemeinsam mit ihrem Vater auf der Bühne stehen und diese besondere Zeit erleben darf. Das verleiht der ansonsten perfekt durchinszenierten Show einen persönlichen Moment. Es geht nicht nur um Hits und Unterhaltung, sondern auch um das Glück, etwas gemeinsam mit der eigenen Familie tun zu können.
So fügt sich an diesem Abend vieles zusammen: die alten Flippers-Klassiker, neue Schlager, die Duette von Vater und Tochter, die professionelle Bühnenproduktion und ein Publikum, das sich für zwei Stunden gerne in eine sonnige, sorgenfreie Welt entführen lässt. Es ist eine Show, die sich nicht dafür entschuldigt, Wohlgefühl und Nostalgie zu verkaufen. Und gerade weil Olaf und Pia dabei sichtlich Freude an ihrem Auftritt haben, wirkt das Ganze nicht aufgesetzt, sondern erstaunlich stimmig.