"Es ist vollbracht" oder: Mich dürstet": Diese letzten Worte Jesu nach seiner Kreuzigung, die in den vier Evangelien zu finden sind, gingen in die Weltliteratur ein und wurden schon mehrfach vertont, zum Beispiel von Joseph Haydn oder Heinrich Schütz.

Moderne Interpretation der letzten Worte Jesu 

Der Musiker und Produzent Albert Frey hat diesen Faden aufgenommen und das Chormusical "7 Worte vom Kreuz" geschrieben, das am Samstag in der MHP Arena in Ludwigsburg seine Uraufführung hatte, zu der insgesamt rund 5.500 Menschen kamen.

Mit einem Megachor von 900 Sängern aus der Region, einem Wechselspiel aus Band und Orchester sowie bekannten Solisten wie Anja Lehmann und Yasmina Hunzinger und Musicaldarstellern gelingt Frey eine völlig neue, moderne Interpretation der letzten Worte Jesu. Nach Ludwigsburg ist das Stück am 9. März in Bochum und am 16. März in Bamberg zu sehen.

Abbildung von Musiker und Produzenten Albert Frey

Inspirierender Dialog der Hauptfiguren

Umrahmt werden die Worte Jesu durch die Geschichte von Marie - gespielt von Kathlin Bauer, unter anderem bekannt durch das Martin-Luther-King-Musical - und Ben alias Dominik Doll ("König der Löwen und "Die Eiskönigin"), die sich ihrer Skepsis und ihren Zweifeln am Leben und Glauben stellen. Ben, dessen Mutter im Koma liegt, und Marie, die eine gescheiterte Beziehung hinter sich hat, begegnen sich bei einer Probe für das Chormusical und merken: Was dort gesungen wird, wird existenziell für ihr Leben.

So hören sie sich beispielsweise mit Wasserflaschen in der Hand das orientalisch anmutende Jesus-Wort "Mich dürstet" an - und merken, dass es darin nicht nur um den furchtbaren Durst des Gekreuzigten geht, sondern auch um ihren Durst nach Leben. "Kann man erfüllt leben, auch wenn nicht alle Träume erfüllt werden?", fragt Marie. "Vielleicht kann man lernen, glücklich zu sein mit dem, was man hat", entgegnet Ben.

Gemeinschaftsgefühl durch digitale Inszenierung 

Im Zentrum der Bühne und des Geschehens steht ein Kreuz aus LED-Bildschirmen, auf dem die sieben Worte zu lesen sind, wie: "Sieh deine Mutter, sieh dein Sohn". Dass Jesus sich noch im Sterben um seine Lieben kümmert, zeigt laut Frey auch

"Gottes Wunsch für uns alle: Solidarität".

Während der Chor singt "Wir sind da, um füreinander da zu sein", zeigt das LED-Kreuz verschiedene Live-Aufnahmen vom Chor und dem Publikum - das "Wir sind füreinander da" bekommt ein Gesicht.

Fulminant und mit großem Pathos erklingt das "Es ist vollbracht" - der Auftrag und Wille des Vaters ist erfüllt, die Bühne ist in lila getaucht. Im Kontrast dazu folgt ruhig und sanft als Choral das "Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist".

Für die Darsteller Marie und Ben zeigt sich in diesen Worten das Vertrauen auf Gott, dem man alles abgeben kann, auch die Pläne und Unsicherheit, wie die Zukunft wohl wird. "Vertrauen heißt, einfach loslassen, ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand - im Leben und im Tod."

Musikalisches Erlebnis für christliche Einstimmigkeit 

Das letzte Stück des Chormusicals mit dem Titel "Die neue Welt" weist darauf hin, dass das Kreuz nicht das Ende ist.

"Die neue Welt, die neue Zeit wird kommen, hat schon begonnen. Er hat am Kreuz dem Tod die Macht genommen. "Die Liebe trägt, die Liebe siegt, die Liebe bleibt"

singt der riesige Chor und schwenkt dazu silberne Karten, auf denen die Scheinwerfer reflektieren.

Bei der Zugabe sind auch die Zuschauer gefragt: Die ganze Arena singt laut und innig Albert Freys bekanntes Lied: "Es gibt bedingungslose Liebe". Die Liebe - das ist das, was am Ende der "7 Worte am Kreuz" im Raum bleibt.

Für die Passionszeit 2025 sind bundesweit weitere Aufführungen geplant. Das Projekt wird von der Stiftung Creative Kirche in Witten veranstaltet.

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