21.08.2016
Landessynode

Synodaler Seißer: Warum die Kirche Zukunft hat

Wenn im Herbst die evangelische Landessynode in Bad Reichenhall tagt, dann ist Peter Seißer zum 30. Mal dabei. Seit 40 Jahren sitzt er im Kirchenvorstand in Wunsiedel. Die Kirche durchlebt schwierige Zeiten, ihre Akzeptanz in der Gesellschaft schwindet. Wir haben nachgehakt, warum Seißer dabei dennoch "nicht bange" ist.
Peter Seißer.
Altlandrat Peter Seißer

Ein Auf und Ab, das hat es in der Geschichte der Kirche schon immer gegeben, sagt er. Brüche und Veränderungen seien immer möglich. "Ich bleibe Optimist. Der Gott, an den ich glaube, dem trau' ich das zu." Die Geschichte der Dekanate Wunsiedel und Selb hat der Lokalhistoriker Seißer mit einem Wort Philipp Melanchthons betitelt, das er in einem Bittbrief an den Rat der Stadt Wunsiedel um ein Stipendium für einen Wunsiedler Theologiestudenten in Wittenberg gebraucht hat. "So ist doch gewiss, dass Gott seine Kirche erhalten will und erhalten wird." Aus dieser Gewissheit heraus habe ich keine Angst um die Zukunft unserer Kirche, sagt Seißer.

Als Kirchenvorstand erfährt Seißer Brüche mit der Kirche hautnah. Dann etwa, wenn die neuen Kirchenaustritte gemeldet werden. "Man kennt die Leute. Das tut schon weh." Oft sei der erste Verdienst mit der dann fälligen Kirchensteuer ein Austrittsgrund. Aber Seißer gehört nicht zu denen, die jammern und sagen, früher sei alles besser gewesen. "Wir haben immer noch die Kirche als Mittelpunkt im Ort."

"Es hat nie einen Bruch gegeben."

Mit seiner Kirche ist Seißer von Kindesbeinen an verbunden. Seine katholische Großmutter hat ihn zum Glauben geführt. Seißer macht Jugendarbeit, betreut im CVJM Konfirmanden bis zum Abitur. 1976 wird er mit 33 Jahren jüngster Kirchenvorstand in Wunsiedel. Losungen und Bibelverse begleiten den bald 73 Jahre alten promovierten Juristen alle Tage. Wenn er wandert oder auf Reisen geht, steckt die Bibel im Rucksack. "Da kann ich mich jeden Tag orientieren."

Schmerzt es ihn, dass am Sonntag in den Kirchen oft die meisten Plätze leer bleiben? Ja, schon, aber auch dagegen könne man was tun. Am traditionellen Gottesdienst will er festhalten, aber darüber hinaus attraktive Zusatzangebote machen. Wie zum Beispiel mit der "Atempause", ein moderner Gottesdienst alle sechs Wochen um 10.45 Uhr in Wunsiedel, falls gewünscht mit gemeinsamem Mittagessen im Gemeindehaus. "Da kommen schon mal 150 bis 200 Leute, auch jüngere."

Die Geistlichkeit in der Kirche kommt zu kurz

Die Gemeinden müssen enger zusammenrücken, weil die Pfarrer knapper werden. Die Landeskirche müsse aber auch prüfen, ob die für Sonderdienste abgeordneten Pfarrer nicht wieder in einer Gemeinde arbeiten können, sagt Seißer. Fundraising-Stellen müssten nicht von Pfarrern besetzt werden, nennt er ein Beispiel. Kirche lebt von Geistlichkeit, die aber kommt auch Seißer mitunter zu kurz. Wenn auf Beerdigungen nur noch der Lebenslauf abgelesen werde, dann sei dies zu wenig. "Da muss ich die Auferstehung verkünden." Seißer moniert, dass zu viel Verstandes-Christentum eingezogen ist.

Wäre es nach seinen persönlichen Neigungen gegangen, hätte Seißer Theologie und Geschichte studiert. "Aber ich wollte kein Lehrer, kein Pfarrer werden." Also studierte er Jura in Erlangen, Berlin und München. Dann arbeitete er bei der Regierung von Oberfranken, beim Landratsamt in Bayreuth, dann wieder bei der Regierung. Baurecht, Wasserrecht, Straßenrecht. Sein Erstwohnsitz blieb immer Wunsiedel. Hier wurde er Stadtrat, stellvertretender Landrat und von 1990 bis 2008 Landrat.

Seißer ist ein konservativer SPD-Mann. Bei den Rotariern oder im Lions Club war er nie. "Ich geh' in keinen Verein, in dem nicht auch der Hilfsarbeiter Mitglied sein kann. Da bin ich ein Linker." Seine große Leidenschaft ist politisch neutral. Seißer schwimmt für sein Leben gern. Am liebsten im Freien. Am 28. April stieg er dieses Jahr erstmals im Freien in die Fluten. Wassertemperatur: neun Grad. Im letzten Jahr kam er auf 203 Badetage, davon 190 im Freien. Seißers Sonntag sieht oft so aus: nach der Kirche zum Schwimmen, dann zum Essen.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Wahlen der Synode

Plenum der Landessynode
Autor
Für evangelische Christen war Würzburg nicht immer ein gutes Pflaster. Erst das sogenannte Toleranzedikt im Jahr 1803 schuf die Grundlage für eine Gleichberechtigung der Konfessionen in der früheren Residenzstadt der katholischen Fürstbischöfe. Sie konnten nun Bürgerrechte erwerben und waren den Katholiken gleichberechtigt. Die Protestanten blieben in Würzburg stets in der Minderheit - und trotzdem spielt das evangelische Würzburg für die Gründung der heutigen bayerischen Landeskirche eine wichtige Rolle. Entscheidende Impulse für die moderne Kirchenstruktur kamen von dort, die Stadt gilt daher als "Keimzelle" der Landeskirche.

Landessynode

Plenum Synode Schweinfurt
Alterspräsidenten haben in den Parlamenten eigentlich eine kaum spektakuläre Rolle. Ihr Amt währt meist nur wenige Stunden, gerade mal so lange, bis ein neu gewählter Stadtrat, ein Bundestag oder eine Landessynode sich ein neues Präsidium gewählt hat. In der Regel beschränkt es sich auf die Abwicklung von Geschäftsordnungsprozeduren. Doch Alterspräsidenten genießen genau aus diesem Grund ein Privileg.
Sonntagsblatt