Natur
Wer seine letzte Ruhestätte gern idyllisch und mit Bergblick hätte, der ist in Mittenwald richtig. Im Mai wurde dort der erste Naturfriedhof in den bayerischen Alpen eröffnet - und der zugleich höchstgelegene in Deutschland. Die Nachfrage ist groß.

Über Monate hinweg liegt er unter einer Schneedecke, erreichbar ist er nur über eine Mautstraße: In Mittenwald (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) befindet sich auf mehr als 1.000 Höhenmetern Deutschlands höchstgelegener Naturfriedhof – und der erste im bayerischen Alpenraum. Erst im Mai wurde er in Betrieb genommen. Doch das Interesse, die letzte Ruhe mit Panoramablick aufs Wettersteinmassiv zu finden, ist offenbar jetzt schon groß.

Sehr großes Interesse an Naturfriedhof Mittenwald

Es habe jedenfalls bereits so viele Anfragen für Besichtigungstermine und für Grabplätze an Bäumen gegeben, dass zusätzliches Personal habe eingesetzt werden müssen, sagt Jan-Paul Schmidt, Pressesprecher bei den Bayerischen Staatsforsten, die den Naturfriedhof in Kooperation mit dem Markt Mittenwald betreiben. Auch erste Bestattungen hätten bereits stattgefunden. Besonders im Winter ist der 31 Hektar große Mittenwalder Naturfriedhof inmitten eines Bergmischwaldes reizvoll: Schmidt berichtet von "ganz außergewöhnlichen Winterstimmungen", die auf dem Naturfriedhof und dem Andachtsplatz zu erleben seien.

Eine Besonderheit seien die zu 100 Prozent biologisch abbaubaren Vollholzurnen, sagt Schmidt weiter. Abgesehen von etwas Holzleim, einer Naturölpolitur sowie einer Kennzeichnung des Krematoriums gebe es keinerlei Fremdstoffe. Und die Grabpflege werde von der Natur übernommen. Damit greifen die Bayerischen Staatsforsten eine Idee auf, die vor allem durch das hessische Unternehmen FriedWald GmbH seit dem Jahr 2001 immer populärer geworden ist. Inzwischen gibt es Dutzende Naturfriedhöfe von unterschiedlichen Trägern in Bayern.

Nachfrage steigt mit dem Bedürfnis nach Individualität

Schmidt sagt, es gebe nun mal den "Trend zu mehr Individualität und Exklusivität" und dadurch auch den steigenden Wunsch nach Naturbestattungen. Diesem Trend wolle man mit dem Naturfriedhof zwischen Schloss Elmau und Schloss Kranzbach Rechnung tragen und so auch "das Leistungsportfolio unserer Wälder für die Gesellschaft" verbessern. Weitere zwei Naturfriedhöfe der Bayerischen Staatsforsten mit der markenrechtlich geschützten Wort-Bild-Marke "Stille Wälder" seien daher bereits in Planung: Innerhalb der kommenden zwölf Monate soll einer im Markt Schnaittach bei Nürnberg entstehen. Der dritte Standort stehe noch nicht fest.

Tröstlicher Wald

Die evangelische Pfarrerin von Mittenwald, Simone Hilbert Hegele, hat bisher noch keinen großen Rummel um den Naturfriedhof mitbekommen: Sie sei zur Eröffnung dabei gewesen, Anfragen zu Bestattungen habe sie aber noch keine erhalten. Die Lage des Naturfriedhofs sei zwar wunderschön, sie gibt aber auch zu bedenken, dass er abgelegen und nur per Auto über eine Mautstraße erreichbar sei. Viele Angehörige wollten aber erfahrungsgemäß eher zu einem Friedhof hinspazieren, als sich extra dafür ins Auto zu setzen. Eine schöne Wanderung von etwa einer Stunde sei aber möglich.

Karsten Schaller von der "Servicestelle.Segen" der bayerischen evangelischen Landeskirche kennt sich mit individuellen Wünschen zu Trauungen, Taufen und auch Bestattungen aus. Mittenwald sei ein toller Ort, viele wollten dort bestattet werden, sagt er. Der Wald sei ohnehin ein "schönes Symbol" für einen Friedhof, der dann eingebunden in die Natur und inmitten von Bäumen und zwitschernden Vögeln voller Leben sei. "Das ist tröstlich für die Angehörigen."

Ein Ort zum Trauern

Eine Rolle spielt allerdings auch die zunehmende Mobilität in der Gesellschaft und die daraus entstehende Frage: "Wer pflegt einmal mein Grab?" Die Menschen suchten daher immer pflegeleichtere Bestattungsformen, sagt Schaller. Naturfriedhöfe seien da eine gute Alternative.

Grundsätzlich rät Schaller allen Familien zu mehr Offenheit beim Tabuthema "Tod und Sterben": Es seien letztlich die Angehörigen, die einen Ort zum Trauern bräuchten, nicht die Toten. Viele Menschen wollten etwa, dass ihre Asche auf dem Meer verstreut werde. Dabei sei das für viele Angehörige eine Qual. "Denn sie haben dann keinen festen Ort zum Trauern mehr", sagt Schaller. Viele bräuchten einen Grabstein oder - wie in Mittenwald - einen Baum zum Festhalten.

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