1.07.2016
Lokalrundfunktage 2016

Innovationen sind die notwendige Antwort auf die Digitalisierung der Medien, hieß es bei den Lokalrundfunktagen 2016 in Nürnberg. Aber was bedeutet das für die Praxis? Noch überwiegt in der Branche Ratlosigkeit.
„Unternehmen dürfen keine Angst haben vor großen Ideen“, erklärte der Innovationsexperte Jens-Uwe Meyer in seinem Vortrag. Medienanstalten müssten lernen, soziale Netzwerke zu nutzen und sich mit Algorithmen anzufreunden. Medienschaffende sollten nicht fragen: „Braucht man das?“ Vielmehr sollte es heißen: „Ja, wir machen das.“ Medienhäuser müssten trotz Unsicherheit handeln - und den Spaß am Scheitern nicht verlieren.
 

Das Zeitalter der Fakten ist vorbei

Neben aller Innovation darf die journalistische Qualität "nicht auf der Strecke bleiben", forderte der Journalist und Autor Fritz Wolf. Er plädierte dafür, deutlich zwischen journalistischem Gehalt und multimedialem Content zu unterscheiden. Immer häufiger bestimmten die Daten die Medienwelt. Darunter leide das Image der Journalisten. „Innovation darf nicht nur technologisch erfolgen, sondern muss auch als Stärkung von Qualität verstanden werden“, forderte Wolf.

 

Gefühle in den Medien

In einer immer mehr von Emotionen bestimmten Medienwelt fordert die Erlanger Publizistik-Professorin Johanna Haberer von den privaten Medien, zwischen "Berichterstattung und Kommentar, Fakten und Haltung des Journalisten" besser zu unterscheiden. Bei einer Podiumsdiskussion der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Rundfunk (aer) bei den Lokalen Rundfunktagen in Nürnberg am Dienstagabend kritisierte Haberer "Strategien der Emotionalisierung" bei den Boulevardmedien nach dem Motto: "Wir müssen das kranke Baby noch näher zeigen". Auch die öffentlich-rechtlichen Medien seien davor nicht gefeit. "Wenn ein Anchorman wie Claus Kleber Emotionen zeigt und gerührt ist, kriegt er neben Hassmails sicher auch Heiratsanträge."

Wie Bayern1-Moderator Markus Fahn erklärte, versuche auch der Bayerische Rundfunk, manche Themen über Emotionen zu verkaufen, "aber natürlich müssen die Fakten stimmen". Er selbst sei aber schon "emotional angefasst" von Flüchtlingsschicksalen oder - wie jetzt - dem Fund von Peggys Leiche nach 15 Jahren. Er betonte, dass andere Meinungen auf jeden Fall – solange sie keine Grenzen überschreiten – in die Berichterstattung eingebaut werden sollten.

Der Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse, Joachim Braun, erklärte, die Digitalisierung der Medienwelt verändere auch die Art, wie Zeitungen berichteten. "Wir müssen heute Geschichten erzählen und nicht mehr Chronisten sein." Er warnte aber die Berufskollegen, sich als juristische Instanzen aufspielen und Menschen vorzuverurteilen oder zu stigmatisieren. Braun erklärte, es sei wichtig, Haltung zu zeigen. Dass Journalisten dadurch angreifbar würden, gehöre zum Job.

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