21.03.2019
Kommentar

Warum die Kirche beim Thema Frieden vorangehen sollte 

"Ohne Frieden ist alles nichts" – so einst Nobelpreisträger Willy Brandt. Diese Warnung ist heute wieder erschreckend aktuell. Die weltweit boomende Waffenproduktion, das forcierte Wettrüsten zwischen Russland und den USA und nicht zuletzt Chinas militärische Muskelspiele sind alarmierend genug.
Friedenstaube

Doch bei uns in Deutschland scheinen nach bald 75 Jahren ohne Krieg viele den Frieden quasi als naturgegeben anzusehen. Vom Elan der Friedensbewegung der 1980er-Jahre ist heute kaum noch etwas übrig, der Protest gegen das Wettrüsten – auch mit neuen Cyberwaffen – treibt nur noch wenige Menschen auf die Straße. Ganz im Gegensatz zu den "Fridays for Future"-Schüler-Demos für den Klimaschutz. Der scheint den meisten fassbarer zu sein als ein komplexer globaler Friede. Um ihn muss aber gerade jetzt gerungen werden: nicht nur mit bloßem Krisenmanagement, auch mit Visionen. Manchmal werden – mit Gottes Hilfe – Träume ja auch wahr, wie der Erfolg der friedensbewegten Christen in der DDR gezeigt hat.

Angesichts zunehmender Konfrontation in der Welt stünde es unserer Kirche jetzt gut an, ihre theologisch begründete Friedensethik noch stärker zu pointieren und alltagstauglich zu übersetzen. Dann wäre sie auch Impulsgeber für eine erneuerte Friedensbewegung. Die biblische Jahreslosung für 2019 "Suche Frieden und jage ihm nach" könnte nicht passgenauer gewählt sein.

Innovative Friedensprojekte gesucht

Ein "gerechter Frieden" sollte sich im Sinne der ethischen Positionierung der EKD weiterhin am Primat der Gewaltlosigkeit orientieren. Im äußersten Fall allerdings, wo totale Willkür und Terror herrschen, kann rechtserhaltende Gewalt zum Schutz von Menschen angebracht sein: jedoch nur als Ultima Ratio, nur durch die Vereinten Nationen legitimiert und von einem politischen Lösungsansatz flankiert.

Extrempositionen wie "Frieden nur ohne / nur mit Waffen" sind – auch innerkirchlich – kaum hilfreich. Grundsätzlich muss gelten: Frieden schaffen mit immer weniger Waffen. Deshalb ist es auch nicht hinzunehmen, dass Deutschland weiterhin zu den größten Rüstungsexporteuren gehört. Dem christlichen Menschenbild entsprechen Krisenprävention und gewaltfreie Konfliktbearbeitung. Dazu gehören Toleranz und Diplomatie ebenso wie gerechtere Lebensverhältnisse und Klimaschutz in der einen Welt. Gut wäre es, würde die bewährte Friedensarbeit in unserer Kirche auch noch öfter auf Gemeindeebene verankert. Vielleicht gäbe es dann ja eines Tages neben dem grünen Gockel für vorbildlichen Umweltschutz auch die weiße Taube für innovative Friedensprojekte.

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