8.03.2019
#ParentsForFuture

Proteste für mehr Klimaschutz: Eltern stellen sich hinter demonstrierende Schüler

Immer mehr Eltern verteidigen die Freitagsdemonstrationen ihrer Kinder - in den sozialen Medien und zunehmend auch auf der Straße. Inzwischen tauschen sie sich bundesweit in mehreren Dutzend Regional- und Ortsgruppen darüber aus, wie sie die Schüler unterstützen können, die seit Monaten unter dem Motto #FridaysForFuture für eine bessere Klimapolitik kämpfen. Benedikt Pape, Vater aus Erlangen und Projektleiter in der Energienetz-Stabilisierung bei Siemens, erklärt die Hintergründe.
Klimastreik Schüler Hamburg #FridaysForFuture

Herr Pape, warum machen Sie bei #ParentsForFuture mit?

Pape: Mit dieser Initiative wollen wir unsere Zustimmung zu #FridaysForFuture zum Ausdruck bringen. Ich verfolge seit Monaten, was die schwedische Schülerin Greta Thunberg macht, und bin der festen Überzeugung: #FridaysForFuture ist eine der Initiativen, der ich am ehesten Veränderungen in der Gesellschaft zutraue. Ihre Aussagen sind so eingängig für jedermann! Wenn Jugendliche sagen: Mit eurer Wirtschaft macht ihr meine Zukunft kaputt, und ich setze mich selbst dafür ein, ihr müsst auf uns hören - dann ist das eine viel stärkere Aussage, als wenn Erwachsene etwas anmahnen. Den Jugendlichen kann keiner widersprechen. In Erlangen ist sogar die Grundschulklasse meines Kindes auf den Marktplatz gegangen, die Lehrer haben das unterstützt, auch der Oberbürgermeister war dabei.

Wie groß ist die Versuchung, dass sich die Eltern an den Schülern vorbei in den Vordergrund drängen?

Pape: Wir wollen den Jugendlichen mit ihren Klimaschutz-Forderungen den Rücken stärken. Wir appellieren an sie: Lasst euch nicht einschüchtern! Es gibt viele Menschen, die sich durch die Bewegung in ihrer Macht bedroht fühlen und ihr mit allen Mitteln Einhalt gebieten wollen. Die Schüler werden von vielen Seiten angegriffen: Politik, Wirtschaft, soziale Medien. Außerdem ist es wichtig, dass wir Erwachsene aus den Forderungen Handlungen ableiten: nicht nur als Wähler, sondern auch, indem wir Bürger uns in unseren Netzwerken äußern. Dort formen wir die Meinungsbildung in unserem Land - das ist eine riesige Chance.

Dass die Schüler den Unterricht schwänzen: Ist das ein notwendiges Druckmittel?

Pape: Greta Thunberg sagt so treffend: Warum soll ich mich mit studierten Fakten beschäftigen, wenn die relevanten Fakten von der Gesellschaft ignoriert werden? Es geht um die Zukunft unseres Lebensraums. Die Fakten dazu liegen alle auf dem Tisch, seit ich ein Kind bin. Ich bin so schockiert, dass es seither mit dem Klimaschutz trotz aller Erkenntnis nicht besser wird. In der Schule lernt man Erkenntnisse, bei #FridaysForFuture lernt man Handeln. In München haben Jugendliche auf eigene Faust dagegen demonstriert, dass Eltern ihre Kinder mit SUVs zur Schule bringen. So was können nur Schüler! Wir Erwachsene haben zu viel Angst, die eigenen Konventionen infrage zu stellen. Bei #FridaysForFuture lernen die Schüler einzustehen für das, was sie für wertvoll halten, und in zukunftsoffenen Situationen sinnvoll zu handeln. 

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Paul McCartney
Autor
Paul McCartney schreibt ein Buch über Klima- und Tierschutz. Die Kurzformel "Less meat, less heat" (zu Deutsch: weniger Fleisch, weniger Erwärmung) soll ein "Rezept für unseren Planeten" sein, wie der Untertitel des im Claudius-Verlag erschienenen Werks vermitteln will. Reiht sich der Ex-Beatle da in die Riege der Promis ein, die auf den Wohltätigkeitstrip geraten sind? Mitnichten. McCartneys Werk spiegelt die in über 40 Jahren gereiften Überzeugungen des britischen Musikers wider, deren Wurzeln im Ende der größten Band der Welt zu finden sind.

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Sie heißen Felix Finkbeiner, Malala Yousafzai oder Greta Thunberg: Immer wieder überraschen Kinder und Jugendliche die Erwachsenen-Welt damit, wie entschlossen, tatkräftig und unerschrocken sie Probleme anpacken, über die alle anderen nur reden. Ob Umwelt, Bildung oder Glauben: Jugendliche finden neue Wege und überraschende Lösungen - wenn man ihnen den Platz und das Vertrauen dafür schenkt.