4.06.2019
#PalermoAppell

Bedford-Strohm und Unterstützer fordern politische Lösung für Seenotrettung im Mittelmeer

Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat bei seinem Besuch auf Sizilien die EU-Staaten aufgefordert, für diesen Sommer eine "politische Notlösung" für die Seenotrettung im Mittelmeer zu organisieren. Sein Appell erhält Unterstützung aus Politik, Gesellschaft und den Kirchen.

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  • Die Gemeinde Murnau hat eine Studie in Auftrag gegeben, in der die Zeit zwischen 1919 und 1950 aufgearbeitet werden sollte. Herausgekommen sind zwei Ausstellungen im Schloßmuseum Murnau: eine historische und eine künstlerische. Autorin Elke Zimmermann hat beide besucht und ist auch der Rolle nachgegangen, die die evangelischen Pfarrer in dieser Zeit gespielt haben.
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  • Die Bustour des Bayreuther Kabarettisten und Pfarrers Hannes Schott zum Buß- und Bettag 2019 war ruckzuck ausgebucht.
Bedford-Strohm
Bedford-Strohm 2016 bei einem Besuch auf dem Tender "Werra" im Hafen von Cagliari.

Heinrich Bedford-Strohm und des Bürgermeisters von Palermo, Leoluca Orlando, sind sich einig: Es brauche zusätzlich eine vorübergehende Verteilung von Bootsflüchtlingen auf Städte und Kommunen in Europa, die "sichere Häfen" sein wollten, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Sie enthält fünf Punkte, darunter auch die Forderung, dass Seenotrettung eine staatliche Aufgabe bleiben müsse.

Beide fordern außerdem eine "Koalition der Willigen", die sofort handeln und eine zukunftsfähige Migrationspolitik entwickeln solle. Das Mittelmeer sei weiterhin die tödlichste Grenze weltweit, heißt es in der Erklärung. Mehr als 2.000 Menschen seien 2018 im Mittelmeer ertrunken. "Von Hunderten Toten 2019 wissen wir", schreiben Bedford-Strohm und Orlando.

"Viele sterben in diesen Tagen ungesehen, ohne in den Statistiken erfasst zu sein."

Bedford-Strohm war am Wochenende nach Sizilien gereist, um dort die Besatzung des Schiffs "Sea-Watch 3" zu treffen. Die italienische Regierung hatte das Schiff zunächst beschlagnahmt, nachdem die Crew Mitte Mai 65 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet hatte und tagelang vor der italienischen Küste auf die Einfahrt in einen Hafen warten musste. Am Samstag kurz vor dem Besuch des Ratsvorsitzenden war das Schiff von den Behörden freigegeben worden. Bedford-Strohm hatte das Schiff allerdings nicht betreten dürfen, da es sich nach wie vor in einem besonders gesicherten Bereich des Hafens befand, der durch ein Metalltor abgeriegelt wurde, wie der Landesbischof in seinem Video-Tagebuch in den sozialen Medien erklärt.

Die italienische Regierung geht seit Monaten gegen die private Seenotrettung vor. Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalen Lega hat auch italienischen Marineschiffen, die Flüchtlinge gerettet hatten, die Einfahrt in italienische Häfen verboten. Die deutsche zivile Seenotrettungsorganisation "Sea-Watch" wird unter anderen von der EKD unterstützt.

#PalermoAppell: Unterstützer-Video

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlichte infolge des Aufrufs von Heinrich Bedford-Strohm ein Unterstützer-Video auf YouTube, in dem der Grünen-Parteivorsitzende Robert Habeck, die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche, Antje Jackelén, seinen Appell befürworten.

Die Präses der westfälischen Landeskirche, Annette Kurschus, sagt etwa in dem Video: "Mit jedem Menschen, der ertrinkt, stirbt ein Stück der Würde Europas." Zu den Unterstützern zählen neben Vertretern von Caritas, den Seenotrettern von Sea-Watch und der Seebrücke auch ehemalige Spitzenpolitiker wie Gesine Schwan (SPD) und Ruprecht Polenz (CDU).

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