Klimafasten
Ab Aschermittwoch bewusst verzichten, um sich von den persönlichen Lastern zu befreien und sich neue Freiräume zu verschaffen, das machen Christinnen und Christen bis Ostern. Seit einigen Jahren gibt es mit dem Klimafasten eine Art des Fastens, die über den persönlichen Verzicht hinausgeht. Wir haben hier Tipps zusammengefasst.

In meiner Kindheit gab es in der Fastenzeit kein Fleisch, weil man das halt so gemacht hat. Seit mehreren Jahren esse ich sowieso kein Fleisch mehr und auch Süßigkeiten gibt es bei mir eher selten. Dann bin ich über ein Projekt gestolpert, mit dem ich durch mein Fasten nicht nur mir selbst, sondern auch der Umwelt etwas Gutes tun kann: Plastikfasten, Müllfasten oder auch Klimafasten.

Das Klimafasten

Weil mich Umweltthemen schon immer interessiert haben, setzte ich es mir also zum Ziel, meinen Müll zu reduzieren und mich in den 40 Tagen bis Ostern bewusst mit meinem Müll auseinanderzusetzen und diese begrenzte Zeit als einen Startschuss zu sehen, einige meiner Gewohnheiten zu hinterfragen und auch langfristig zu ändern.

Einen Plan machen

Als ich vor 4 Jahren zum ersten Mal Klimafasten ausprobierte, war ich ziemlich überfordert, wollte zu viel auf einmal und hatte eigentlich gar keinen Plan. Mittlerweile mache ich mir einige Tage vor dem Aschermittwoch Gedanken, worauf ich mich konzentrieren möchte. Keine Plastiktüten mehr benutzen, kürzer Duschen, Produkte ohne Plastikverpackung ausprobieren oder mehr zu Fuß gehen zum Beispiel. Mit einem konkreten Ziel vor Augen fällt es mir leichter, genau dieses umzusetzen.

Ich versuche, mir einige Bereiche meines Lebens vorzunehmen, in denen ich mir eine Veränderung wünsche, beispielsweise meine Ernährung, meinen Kleiderschrank oder mein Badezimmer. Anschließend nehme ich mir Zeit und denke über meine Ressourcen nach. Wie viel Zeit, Geld oder Platz kostet mich das und kann ich es (mir) dauerhaft leisten?

Was gewinne ich damit? Inwiefern bereichert es mein Leben? Diese Gedanken gehören für mich zum Fastenprozess dazu. Genauso wie die Reflexion einige Monate später.

Es ist genug

Auch wenn es nur eine einzige Sache ist, die ich in eine Gewohnheit verwandeln möchte, auch das ist genug. Jede und jeder sollte so viel machen, wie er oder sie kann. Lebensumstände sind unterschiedlich und nicht jedes Budget gibt es her, nur noch im Unverpacktladen einzukaufen. Auf das Auto kann nicht immer verzichtet werden, weil man zum Beispiel ländlich wohnt oder wegen körperlicher Einschränkungen darauf angewiesen ist.

Auch das traditionelle Fleisch-Fasten ist Teil von Klimafasten. Laut einer aktuellen Studie der UN ist der Fleischkonsum der Hauptantreiber Naturzerstörung. Es muss auch nicht immer der Verzicht sein. Auf einem Spaziergang einen Beutel mitzunehmen und Müll in der Natur einzusammeln leistet auch einen wichtigen Beitrag. Man kann auch mit vermeintlichen Kleinigkeiten etwas bewirken.

Nicht entmutigen lassen

Ich lasse mich schnell entmutigen, wenn etwas nicht so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe. In der Fastenzeit werde ich mir aber auch immer wieder bewusst: Es muss nicht immer alles perfekt sein. Jeder kleine Schritt bringt mich persönlich weiter und ich bin auf dem richtigen Weg. Zu stolpern und nicht immer alles sofort richtigzumachen, ist Teil des Prozesses und so ist die Fastenzeit für mich auch ein Prozess, an dessen Ende Ostern steht.

Es ist das Fest der Freude und so freue ich mich jedes Mal am Ostersonntag darüber, was ich geschafft habe, ohne mich von meinen vermeintlichen Fehltritten entmutigen zu lassen.

Anregungen aus dem Netz

Auf Süßigkeiten, Fleisch oder auch Alkohol zu verzichten ist relativ selbsterklärend. Man konsumiert das entsprechende Lebensmittel "einfach" nicht mehr. Beim Klimafasten braucht es aber eine gewisse Vorbereitung. Im Netz gibt es verschiedene Projekte, die beim ganz persönlichen Fasten für eine bessere Welt unterstützen können.

Co2-Challenge in der Metropolregion Nürnberg

In der Metropolregion Nürnberg gibt es die CO2-Challenge seit mehreren Jahren. Sie hat mich ursprünglich auch zum Klimafasten ermuntert. Hier gibt es jeden Tag kleine Challenges und Tipps, die mich in meinem Alltag begleiten. So setze ich mich jeden Tag damit auseinander, bekomme Anregungen, aber auch Unterstützung, dass ich nicht alles perfekt machen muss. Im Blog kann man außerdem über die ganz persönlichen Vorsätze lesen.

Klimafasten mit theologischen Impulsen

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover hat eine eigene Webseite, auf der auch theologische Impulse gegeben werden. Hier gibt es wöchentliche Impulse, um eigene Gewohnheiten zu hinterfragen.

Es geht unter anderem um Wassersparen, Unterwegssein, Ernährung oder den eigenen digitalen Fußabdruck. Der wöchentliche Rhythmus ist gut für alle, die nicht täglich etwas Neues machen möchten oder können und setzt auf biblische Impulse.

Ideen und Berichte von Jugendlichen für Jugendliche von Bund Jugend

Jedes Lebensalter hat seine bestimmten Bedingungen. Als Jugendliche oder Jugendlicher besitzt man selten ein Auto, wohnt noch bei den Eltern und hat ein geringeres Budget.

Mitglieder von Bund Jugend, der Jugendverband vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V., geben durch Erfahrungsberichte einen Einblick in ihr Fasten. Außerdem kann jede und jeder einen Blogbeitrag einsenden, um von seinen oder ihren Erlebnissen zu berichten.

Fastenzeit 2021

Meine Kollegin Katharina Hamel fastet normalerweise Süßigkeiten. Sie hat sich dieses Jahr die Frage gestellt, ob sie gerade jetzt auch noch auf diese kleine Freude verzichten soll. Ich glaube, dass sich aktuell viele Menschen die Frage stellen, ob sie in dieser entbehrlichen Zeit auch noch fasten können oder sollen.

Für mich ist das Klimafasten auch in diesem Jahr genau die richtige Lösung, denn diese Art der Beschränkung ist nicht nur Verzicht, sondern eine unheimliche Bereicherung, zumindest für mich und deswegen fällt es mir auch in diesem Jahr nicht schwer, bis Ostern auf Gewohnheiten zu verzichten.

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Die Fastenaktion 2021 der bayerischen Landeskirche und ihrer Partner rückt die Evangelischen in Slowenien in den Fokus. Mit den Spenden soll ein Kirchenzentrum energetisch auf Vordermann gebracht werden. Eröffnet wird die Fastenaktion in Würzburg.

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