Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
Mehrere Fälle von sexualisierter Gewalt sind beim Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder bekannt. Die Täter wurden oftmals nicht vom Verband ausgeschlossen. Nun sollen Betroffene bei der Aufarbeitung helfen.
Pfadfinder*innen am Lagerfeuer. (Symbolbild)

Der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) ruft Betroffene von sexualisierter Gewalt dazu auf, sich mit ihren Erfahrungen an einer unabhängigen Aufarbeitung zu beteiligen. Die BdP-Bundesvorsitzende Maria Venus erklärte am Mittwoch in Berlin, der Verband wolle die Verantwortung übernehmen für das "teilweise gravierende institutionelle Versagen beim Umgang mit den Tätern". Der BdP hat das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit der unabhängigen Aufarbeitung beauftragt.

Es sei in der Vergangenheit in mindestens fünf Fällen nicht gelungen, Täter aus dem Verband zu entfernen, sagte Venus. Man habe Betroffenen kein Gehör geschenkt, abgewiegelt und versucht, die Taten unsichtbar zu machen. In mehreren bekannten Fällen sexualisierter Gewalt fehlten im Bundesarchiv des Verbandes die entsprechenden Akten. Der BdP sei zur Aufarbeitung auf die Mithilfe von Zeitzeug*innen sowie Betroffenen angewiesen, sagte Venus. Der Verband kann bisher keine Angaben machen über die Zahl der Missbrauchsfälle.

Betroffene bleiben anonym

Das Münchner IPP soll den Zeitraum von der Gründung des BdP im Jahr 1976 bis zum Jahr 2006 untersuchen. Im Zentrum sollen laut IPP die Berichte von Betroffenen stehen. Ihnen werde Anonymität und Verschwiegenheit zugesichert, erklärte IPP-Studienleiter Peter Caspari. Das IPP erstellt seit zehn Jahren Aufarbeitungsstudien, darunter zu den Missbrauchsfällen an der hessischen Odenwaldschule, im bayerischen Kloster Ettal und in der evangelischen Kirche und Diakonie.

Der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder ist interkonfessionell und erreicht nach eigenen Angaben rund 30.000 Kinder und Jugendliche. Er ist einer der großen Pfadfinderverbände in Deutschland. Seit 2006 verfügt der Verband nach eigenen Angaben über ein flächendeckendes Präventions- und Schutzkonzept sowie Kontaktpersonen und klare Regeln zum Umgang mit Missbrauchsfällen.

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