26.03.2017
Politischer Club Tutzing

Ralf Meister: Kirchen sind große Demokratie-Verteidiger

Freiheitliche Demokratie und christlicher Glaube haben zentrale Gemeinsamkeiten - das findet der hannoversche Landesbischof Ralf Meister.
Evangelische Akademie Tutzing
Evangelische Akademie Tutzing

Die Kirche gehört laut dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister zu den größten Verteidigern der Demokratie in Europa. Auch wenn die Kirchen die meiste Zeit ihrer Existenz in nicht-demokratischen Staatsformen verbracht hätten, befürworteten sie heute einhellig die Demokratie, sagte der evangelische Theologe in Tutzing. Dort findet die Frühjahrstagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing unter dem Motto »Krise der Parteiendemokratie? Krise der Volksparteien?« statt.

Glaube und Demokratie haben Gemeinsamkeiten

Die freiheitliche Demokratie und der christliche Glaube hätten zentrale Gemeinsamkeiten, sagte Meister weiter. So sei laut Artikel 1 des Grundgesetzes die Würde des Menschen unantastbar. Dies entspreche der theologischen Ansicht, dass der Mensch Ebenbild Gottes sei. Auch die Grund- und Menschenrechte fänden sich im Christentum wieder. So entsprächen etwa das Recht auf Religions- oder Meinungsfreiheit dem christlichen Menschenbild.

Meister sagte weiter, dass Kirche zwar Anteil am demokratischen Diskurs habe, aber selbst keine Politik mache. Sie sei vielmehr eine »unterstützende Nachdenklichkeit«. Dennoch gebe es Situationen, etwa in der Wendezeit 1989/90 oder während des NS-Regimes, in der eine »prophetische Stimme der Kirche« - also ein offensiveres Agieren - zwingend notwendig sei. »Christen haben Verantwortung für die politische Gestaltung einer Demokratie.«

Umgang der Kirche mit AfD

In diesem Zusammenhang treibe derzeit alle Landeskirche die Frage um, wie sie mit der rechtspopulistischen AfD umgehen sollten, sagte Meister. Eine AfD-Mitgliedschaft allein dürfe jedenfalls kein Kriterium sein, jemanden von Kirchenvorstands- oder Kirchengemeinderatswahlen auszuschließen. Vielmehr müssten alle Bewerber gefragt werden, ob sie ein friedliches Miteinander und Respekt gegenüber dem jeweils Anderen vertreten. Bei der AfD sei man bei diesen Fragen allerdings besonders aufmerksam, weil es öffentliche Äußerungen von AfD-Spitzenvertretern gebe, die »nicht kompatibel mit dem Evangelium seien«, sagte Meister.

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