27.03.2021
Pflege und Corona

Wie die Christliche Arbeitsgemeinschaft (CAG) in Nürnberg durch die Pandemie kommt

Dass Gottfried Schoenauer im Ruhestand ist, merkt man dem ehemaligen Regensburger Dekan nicht an. Eben ist er 80 geworden und mischt als Aufsichtsratsvorsitzender der Christlichen Arbeitsgemeinschaft (CAG) in Nürnberg immer noch mit, wenn es um die rund 500 Mitarbeiter in den Altenheimen, der Kurzzeitpflege oder den ambulanten Diensten geht, die von Sohn Florian gelenkt werden. Warum die CAG gerade in Corona-Zeiten Standvermögen zeigt, erklären sie im Gespräch mit dem Sonntagsblatt.
Gottfried und Florian Schoenauer sind die Köpfe der CAG Nürnberg.

Das Amt für Gemeindedienst und das Gottesdienstinstitut der bayerischen evangelischen Landeskirche sind im mehrstöckigen Gebäude in der Nürnberger Sperberstraße untergebracht – große kirchliche "Player" mit Außenwirkung und Sendungsbewusstsein. Gottfried Schoenauer hat das Haus vor einigen Jahren gebaut und ist mit der Geschäftsstelle "seiner" CAG im Erdgeschoss eingezogen, von wo aus der 1925 von seinem Großvater Georg Schönweiß gegründete Verein mit diakonischem Auftrag operiert – gerne ein bisschen "unter dem Radar", wie ein Mitarbeiter das unaufgeregte Selbstverständnis des doch recht großen Nürnberger Arbeitgebers und Wohnungsbetreibers beschreibt.

"Wir sind wie die christliche Urgemeinde, bauen auf ein festes Fundament von Werten und sind vom Gedanken geprägt, dass Kirche immer nur durch eine reelle Gemeinde entstehen und wachsen kann", meint Gottfried Schoenauer. Das sei schon in den Anfängen vor rund 100 Jahren so gewesen, als sich der Verein herausbildete, der Alten und Kranken im Süden Nürnbergs "Hilfe zur Selbsthilfe" bot.

Erst das Personal, dann das Geld

Sohn Florian, seit vielen Jahren schon Geschäftsführer, gibt dem Vater Recht. "Personal geht vor Geld", erklärt er einen seiner Grundsätze, den sich schon Vater und Großvater zu Eigen gemacht hatten und der vielleicht auch ein Teil des Erfolgsgeheimnisses der CAG ist. Gezahlt wird zwar auch "nur" der reguläre diakonische Tarif, die Arbeitsbedingungen scheinen aber überdurchschnittlich gut zu sein. "Wenn ein neuer Mitarbeiter kommt, dann folgen in der Regel immer gleich ein, zwei seiner bisherigen Kollegen nach", meint Florian Schoenauer. Zeitarbeit gebe es in den Einrichtungen der CAG keine – man setzt auf eine Stammbelegschaft.

Zur Philosophie der CAG gehöre auch, möglichst intensiv die Wünsche der Heimbewohner und deren Angehöriger im Blick zu behalten. "Wir haben immer die Familienmitglieder herein gelassen und Besuche auf den Zimmern ermöglicht", erklärt Florian Schoenauer. Aus Angst vor Ansteckung würden sich viele Familien derzeit überlegen, ob sie ihrem Angehörigen einen Platz im Altenheim zumuten wollen. "Und auch wenn allerorts der Beruf der Altenpfleger als systemrelevant beschrieben wird – wenn immer weniger Menschen gepflegt werden wollen, dann werden auch weniger Pfleger gebraucht", sagt er.

Vorwürfe der Impfdrängelei

Auf die Vorwürfe der "Impfdrängelei" in der CAG zu Beginn des Jahres reagiert Florian Schoenauer verwundert. Er habe im Januar kurzfristig und pragmatisch handeln müssen, als es am Tage der Impfung in einem der Seniorenheime zu kurzfristigen Ausfällen von Impflingen kam und die CAG aufgefordert wurde, rasch für Ersatzpersonen zu sorgen. Schoenauer: "Dies geschah zu einer Zeit, in der der Impfstoff weder transportiert werden durfte, noch der Umgang mit übrigbleibenden Impfstoffen geregelt war und somit übrig gebliebene Dosen zu entsorgen gewesen wären. Das wollten wir verhindern." Ein Umstand, der auch vom Koordinator der mobilen Impfteams in Nürnberg bestätigt worden sei.

Mit dem Dr. Werr-, dem Käthe-Hirschmann- und dem Georg-Schönweiß-Heim betreibt man gleich drei Häuser in Nürnberg, unterhält derzeit 174 Wohnungen für sozial schwächere Menschen im Stadtteil Hasenbuck sowie im Rehhof Unterkünfte für Betreutes Wohnen und ist immer am Renovieren und Bauen. Bis Anfang November vergangenen Jahres seien die Häuser vom Coronavirus weitgehend verschont geblieben.

Als es dann doch plötzlich losging, waren teilweise rund 50 Mitarbeiter krank. "Aber unter den Kollegen herrschte eine riesengroße Solidarität. Man hat sich gegenseitig vertreten und ausgeholfen, da war keine Ansage oder Bitten von oben nötig", ist Florian Schoenauer stolz. Um diesen Standard zu halten, wolle die CAG auch nicht zwingend wachsen, beispielsweise weitere Heime übernehmen oder neu bauen. "Wenn wir uns weiter entwickeln, dann qualitativ", sagt Schoenauer, der auch Vorsitzender des Dachverbands evangelischer Altenheime ist.

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