6.12.2019
Adventsbäckerei

In Schwabach gibt es Lebkuchen und Stollen vom Bäcker am Automaten

In Schwabach müsste man leben. Wenn einem dort zum sonntäglichen Kaffeetisch im Advent der frische Lebkuchen fehlt, kann man ihn aus einem Automaten ziehen.
Deutschlands erster und einziger Lebkuchenautomat von der kleinen Schleckerei im mittelfränkischen Schwabach lockt nicht nur mit Blattgold-Lebkuchen und Stollen, sondern auch mit Donuts für die Schüler der nahegelegenen Schule.
Deutschlands erster und einziger Lebkuchenautomat von der kleinen Schleckerei im mittelfränkischen Schwabach lockt nicht nur mit Blattgold-Lebkuchen und Stollen, sondern auch mit Donuts für die Schüler der nahegelegenen Schule.

Der Lust auf Lebkuchen schlägt im mittelfränkischen Schwabach keine Stunde. Dort steht Deutschlands erster und bislang einziger Lebkuchenautomat. Sieben Tage in der Woche rund um die Uhr kann dort der Lebkuchenfreund seinen Appetit stillen. Der knallrote Automat steht schön überdacht im Zugang zum Hinterhof der "Kleinen Schleckerei".

Bäckermeister Alfred Götz hat festgestellt, dass gerade freitagnachts Besucher einer Disco den Automaten auf dem Weg nach Hause plündern. Aber auch Schüler der nahe gelegenen Schule oder deren Eltern werfen ihr Geld in den Automaten, aus dem man auch Donuts, Muffins und Nussecken aus Götz' Backstube ziehen kann.

Auf die Idee haben Götz und seine Lebensgefährtin Manuela Farnbacher die Kunden der vor drei Jahren eröffneten Hinterhofbäckerei "Die kleine Schleckerei" gebracht. Die wollten häufiger die Backprodukte am liebsten auch von Freitag bis Sonntag kaufen. Nach einigem Grübeln kamen die beiden Inhaber auf die Idee des Automaten.

Gesucht war ein Modell, bei dem die ausgewählten Waren nicht in den Ausgabeschacht fallen, sondern über einen Transportschlitten nach unten transportiert werden.

Dafür war ein kleinerer fünfstelliger Betrag fällig. Dass zwei Häuser weiter ein weiterer Bäcker präsent ist, hat die beiden nicht beunruhigt. Vom Schwabacher Weihnachtsmarkt, der zwei Straßen weiter stattfindet, befürchtet Götz auch keine Konkurrenz. Vielmehr rechnet er mit mehr Passanten und deshalb auch mehr Geschäft.

"Wir backen mit regionalen Zutaten", erklärt Götz seinen höheren Preis. Außerdem, ergänzt Farnbacher, könne sich jeder Kunde von der handwerklichen Tradition selbst überzeugen. Die Backstube ist verglast und gilt als Frankens erste einsehbare Bäckerei.

Eier kämen nicht aus dem Tetrapack-Kanister, sondern würden einzeln per Hand aufgeschlagen. Backtreibmittel und andere modernen Helfer sind ebenfalls Tabu. Das weihnachtliche Lebkuchensortiment umfasst beispielsweise klassische Elisen-Lebkuchen sowie glutenfreie Varianten und Lebkuchen für Allergiker. Außerdem gehörten in der historischen Goldschlägerstadt Schwabach selbstverständlich auch Lebkuchen mit Blattgold ins Angebot.

Bevor der Automat mit weihnachtlichem Sortiment bestückt wurde, gab es sommerlich frische Lebkuchen mit den Geschmacksnoten Erdbeer-Cassis, Limette-Ingwer oder Pfefferminz. Aber auch Stollen mit Lebkuchenfüllung kommen gut an.

Zum Lebkuchen-Stollen-Automaten komme die Kundschaft aus einer Entfernung von bis zu 50 Kilometern, sagen Götz und Farnbacher. Nachdem ihre handwerklichen Produkte so gut gefragt sind, sind weitere Automatenstandorte geplant. Die 20 Kilometer entfernte Stadt Roth hat angefragt, ob die "Kleine Schleckerei" nicht auch dort einen Automaten aufstellen will. Zum anderen wollen die beiden sich auch in die Hochburg des Lebkuchens, in das 30 Kilometer entfernte Nürnberg, wagen. Hierzu will Farnbacher aber noch keine Details verraten. Für überregionale Kunden ist gerade der eigene Internetshop online gegangen.

Obwohl bei Bäckern, wie fast überall im Lebensmittelhandwerk, Lehrlinge und Fachkräfte Mangelware sind, hat die "Kleine Schleckerei" keine Personalsorgen. Interessenten fänden das Konzept gut und würden sich von sich aus mit Eigeninitiative bewerben. Selbst ein Azubi für das nächste Jahr hat schon seinen Vertrag unterschrieben.

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