13.08.2020
Kultur

"Nachttopf auf Spitze": Privatmuseum in Partenfeld zeigt 280 Nachttöpfe aus mehreren Jahrhunderten

Die Entsorgung der Notdurft war zu allen Zeiten ein heikles Thema. Bis zur Erfindung moderner Toiletten funktionierte sie so: rein ins Töpfchen und raus auf die Straße. Deshalb gibt es auch keine Nachttöpfe mehr, nicht einmal mehr die aus Plastik.
Anita Hofmann in ihrem Privatmuseum "Nachttopf auf Spitze"
"Nachttopf auf Spitze" hat Anita Hofmann ihr kleines Privatmuseum in Partenfeld bei Thurnau im Landkreis Kulmbach benannt. 280 Töpfe hat die ehemalige Rechtsanwältin zusammengetragen.

Anita Hofmann aus Partenfeld bei Thurnau im Landkreis Kulmbach will dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. In ihrem kleinen Nachttopfmuseum zeigt sie alle nur denkbaren Nachttöpfe, aus Porzellan, Keramik, Emaille, Zinn, aus den verschiedensten Ländern und Jahrhunderten.

Bewahrung eines Kulturgutes

"Was ich mache, ist die Bewahrung eines Kulturgutes", sagt sie und schließt das Privatmuseum im Erdgeschoß ihres Wohnhauses auf. Es ist nur wenige Quadratmeter groß, mehr als fünf Personen passen nicht hinein, schon gar nicht in Corona-Zeiten.

In dem kleinen Raum stehen sie, die Objekte ihrer Begierde, in Regalen, auf Tischen, an den Wänden, sogar die Lampe ist ein umfunktionierter Nachttopf. Viele stehen auf Plauener Spitzendecken, daher auch der Name des Museums: "Nachttopf auf Spitze".

280 Stück dürften es mittlerweile sein, so ganz genau weiß es die frühere Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Familienrecht gar nicht. Nicht alle sind ausgestellt, aber die meisten: von der NVA-Schüssel bis zum fein ausgearbeiteten Jugendstil-Kunstwerk, Bettpfannen von Villeroy und Boch, Hocker, die im geschlossenen Zustand als bequeme Sitzgelegenheit genutzt werden können, Jux-Töpfe, die nur zu Deko-Zwecken hergestellt wurden, ein schwerer alter Zinntopf aus dem Jahr 1846, Plastiktöpfe der neueren Zeit und ein umfunktionierter Stahlhelm.

Bei Anita Hofmann gibt es nichts, was es nicht gibt. Die Vielfalt der Formen und Dekors ist faszinierend.

Nachttopfsammlung von Anita Hofmann

Vor ungefähr 40 Jahren hatte alles begonnen, auf einem Flohmarkt in Reutlingen kaufte die heute 72-Jährige einfach so mal einen Nachttopf für ein paar Mark. Das ging dann immer so weiter. Flohmärkte, Trödelläden, Antiquitätenhändler, Auktionen, nichts war mehr vor Anita Hofmann sicher.

Ihr umfangreiches Wissen über die Nachttopfgeschichte gibt sie im Rahmen von Führungen gerne an die Besucher des kleinen Museums weiter. Da geht es um Marken-Stempel auf der Unterseite der Töpfe, um komplette wertvolle Sets, bei denen Nachttopf, Wasserkrug, Waschschüssel und Seifenschale im gleichen kunstvollen Design erscheinen, um Kupferdruckverfahren oder handbemalte Töpfe oder verschiedene Brenn-Techniken.

2014 wurde das Museum eröffnet

2007 stellte sie zum ersten Mal aus, damals im Thurnauer Töpfermuseum. 2014 wurde dann das Museum offiziell eröffnet. Seitdem bekommt sie immer wieder seltene Stücke angeboten. Obwohl der Markt mittlerweile komplett leer ist, weil die meisten Menschen die Töpfe einfach weggeschmissen haben, bekommt sie immer wieder schöne Stücke angeboten.

Langweilig wird es den Besuchern des kleinen Nachttopfmuseums nicht, denn Anita Hofmann hat auch einen kleinen Garagenflohmarkt, in dem es hauptsächlich Porzellan zu entdecken gibt. Außerdem veranstaltet sie auch gerne Führungen durch ihren großzügigen Naturgarten rund um ihr Privathaus, in dem man die unterschiedlichsten Stauden, Kräuter und Rosen entdecken kann.

INFO

Das kleine Nachttopfmuseum von Anita Hofmann ist in Partenfeld 2, 95349 Thurnau zu finden. Es hat von Mai bis September immer sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Telefonische Anmeldung wird empfohlen unter (0 92 28) 59 02. Eintritt wird nicht erhoben, eine kleine Spende ist aber erwünscht. Auch eine eigene Internetseite gibt es: www.nachttopf-auf-spitze.de

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