26. April 2021
Erinnerungsarbeit

Evangelische Kirche finanziert neue Personalstelle an der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Die evangelische Kirche setzt ein Signal in der Gedenkstättenarbeit: In Flossenbürg finanziert sie eine neue Personalstelle. Dabei soll auch das Gedenken an den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) intensiviert werden.

Die Landeskirche will ihr Engagement für die Erinnerungsarbeit an der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg verstärken. Das Landeskirchenamt und die Gedenkstätte seien im Gespräch, gemeinsam eine dauerhafte Stelle in der Bildungsabteilung der Gedenkstätte zu etablieren, sagte Kirchensprecher Johannes Minkus. Die spätestens in diesem Herbst zu besetzende Pädagogenstelle würde zu großen Teilen kirchlich finanziert und solle schwerpunktmäßig mit kirchlichen Zielgruppen arbeiten. Eine entsprechende Vereinbarung dazu sei in Vorbereitung.

Damit würde die evangelische Gedenkstättenarbeit künftig auf einer ganzen statt einer halben Stelle geleistet sowie eine enge Kooperation mit der Gedenkstätte erreicht, erläuterte der Kirchensprecher. Bis Ende 2019 war der Gemeindepfarrer von Flossenbürg mit einer halben Stelle dafür zuständig. Eine auf drei Jahre befristete Projektstelle für die Gedenkstätten- und Versöhnungsarbeit lief in diesem Jahr aus.

Warum die Erinnerungsarbeit in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg besonders wichtig ist

Der Regensburger Regionalbischof Klaus Stiegler nannte die Erinnerungsarbeit an der Flossenbürger KZ-Gedenkstätte einen "wertvollen und notwendigen Beitrag für die Friedensarbeit und Völkerverständigung". Die Beteiligung an der pädagogischen Stelle sei wichtig, "um die für unsere Kirche und Gesellschaft so bedeutende Erinnerungsarbeit zeitgemäß und zukunftsorientiert mit internationalen Austauschprogrammen, Tagungen, Kongressen und Ausstellungen weiterzuentwickeln".

Auch der Weidener Dekan Thomas Guba begrüßte das kirchliche Engagement für die staatliche Stelle. "Ich glaube, dass es sehr gut ist, wenn wir uns als Kirche in dieses pädagogische Team einbringen - nicht gegen die Gedenkstätte, sondern mit ihr", sagte Guba. Alle Beteiligten seien mit der Lösung "sehr zufrieden". Ein fertiges Konzept liege zwar noch nicht vor, eine Aufwertung des "Gedenkortes Bonhoeffer" wäre aber wünschenswert: "Daran haben wir als Kirche ein großes Interesse." Bisher erinnere lediglich eine Gedenktafel an die Hinrichtungsstätte des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers.

Wie die Erinnerungsarbeit in Flossenbürg ausgebaut werden könnte

Die Stelle werde bundesweit ausgeschrieben, kündigte Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit an. Eine Personalkommission sei für die Auswahl zuständig, an der auch die Kirche beteiligt sei. Auch bei den inhaltlichen Vorstellungen herrsche "sehr, sehr großer Konsens", wie Vorgespräche ergeben hätten.

Inhaltliche Ziele könnten laut Skriebeleit sein: die Intensivierung der Arbeit mit Konfirmandengruppen, die Aktivierung von Bonhoefferschulen aus dem ganzen Bundesgebiet, Ausstellungen zur Rezeptionsgeschichte Bonhoeffers, niederschwellige internationale Begegnungen, die mehrmals im Jahr stattfinden und nicht nur zum Befreiungstag des Konzentrationslagers im April. "Die Stelle bietet viel Potenzial", sagte Skriebeleit. "Als evangelisch Sozialisierter betone ich: Flossenbürg ist einer der wesentlichen evangelischen Erinnerungsorte in Deutschland."

Zustimmung dafür erhielt er auch von seinem Chef, dem Stiftungsdirektor für bayerische Gedenkstätten, Karl Freller: "Der Dienst der Kirche an diesen Gedenkstätten ist mir sehr wichtig." Angesichts des Massenmords vor rund 80 Jahren stellten sich Gedenkstättenbesucher Fragen, "auf die ein Staat letztlich keine Antwort geben kann, Fragen nach Schuld und Sühne, und warum Gott das zulässt." Die Kapelle am Gedenkstättengelände werde nicht nur von kirchlichen Gruppen oft genutzt.

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