Auszeichnungen
Seit 1998 wird der Göttinger Friedenspreis verliehen. Dieses Jahr erhalten ihn drei Preisträger*innen, die sich für Geflüchtete einsetzen. Eine von ihnen wurde deshalb sogar von der Staatsanwaltschaft angeklagt.
Menschen auf der Flucht in einem kleinen Boot auf dem Meer
Menschen auf der Flucht in einem kleinen Boot auf dem Meer.

Der Göttinger Friedenspreis 2021 würdigt den Einsatz für Geflüchtete. Die Auszeichnung erhalten an diesem Samstag (11. September) die oberfränkische Äbtissin M. Mechthild Thürmer, die Bewegung Seebrücke mit ihrer Kampagne "Sichere Häfen" und der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies zu gleichen Teilen. Der Preis wird bereits zum 23. Mal von der Stiftung Dr. Roland Röhl vergeben und ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert.

Das Preisgeld geht zu gleichen Teilen an Mechthild Thürmer und die Bewegung Seebrücke, da Thomas Spies als Amtsträger kein Preisgeld entgegennehmen darf. Die Laudatio bei der Preisverleihung im Deutschen Theater in Göttingen hält der frühere Bundesinnenminister Gerhard Baum (FDP).

Preisträger*innen engagieren sich für sichere Fluchtwege

Die Preisträger*innen engagierten sich für sichere Fluchtwege und die Aufnahme von Menschen, die aus lebensbedrohlichen Gewaltsituationen nach Europa flüchteten, hieß es. Die Benediktinerin Mechthild Thürmer gewährt Flüchtlingen in ihrem Kloster Maria Frieden im oberfränkischen Kirschletten häufig Kirchenasyl. Von der Staatsanwaltschaft wurde sie deshalb wegen des "Verdachts zur Beihilfe von unerlaubtem Aufenthalt" in mehreren Fällen angeklagt.

Für die Initiative Seebrücke bekommt stellvertretend die Göttinger Ortsgruppe den Friedenspreis. Sie hatte sich mit Erfolg dafür eingesetzt, dass sich die Stadt Göttingen zum "Sicheren Hafen" für Flüchtlinge erklärte. Spies engagiert sich als Marburger Oberbürgermeister aktiv im Bündnis der "Städte Sichere Häfen".

Stifter des Preises war Wissenschaftsjournalist

Stifter des Göttinger Friedenspreises ist der 1997 verstorbene Göttinger Wissenschaftsjournalist Dr. Roland Röhl. Er hatte sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung beschäftigt und in seinem Testament verfügt, dass sein Nachlass zur Bildung eines Stiftungsvermögens verwendet wird. Stadt und Universität Göttingen sind Mitglied im Kuratorium der Stiftung. Die Entscheidung über die Preisträger*innen fällt eine unabhängige dreiköpfige Jury.

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