19.11.2020
NS-Zeit

Nürnberger Prozesse: Gedenken mit dem Bundespräsidenten

Mit einem Festakt wird am Freitag in Nürnberg der Beginn der Hauptkriegsverbrecher-Prozesse vor 75 Jahren gewürdigt. Die Verfahren seien ein Signal gewesen, "dass Recht und Gesetz nach Deutschland zurückgekehrt waren", erklärte das Auschwitz Komitee.
Benjamin Ferencz bei den Nürnberger Prozessen
Benjamin Ferencz, Chefankläger der Nürnberger Prozesse.

Mit einem Festakt wird in Nürnberg an diesem Freitag (20. November) an den Beginn der Hauptkriegsverbrecher-Prozesse vor 75 Jahren erinnert.

Die Feier, zu der wegen der Pandemie keine Gäste zugelassen sind, findet im historischen Saal 600 statt. Die Veranstaltung werde ab 19 Uhr im Livestream auf www.memorium-nuernberg.de und www.phoenix.de übertragen, teilte die Stadt mit.

Bei dem Gedenken wird auch das zehnjährige Bestehen des Memorium Nürnberger Prozesse gefeiert. Das Museum informiert am historischen Ort über das Gerichtsverfahren, "Nürnberger Nachfolgeprozesse" (1946 bis 1949) und deren Auswirkungen auf das Völkerstrafrecht.

Das Programm des Festaktes

Die Festrede hält Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht ein Grußwort.

Videobotschaften senden Benjamin Ferencz, der 100-jährige ehemaliger Chefankläger im sogenannten Einsatzgruppenprozess, und Fatou Bensouda, Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Angefragt sind außerdem Grußbotschaften der Außenminister der ehemaligen vier alliierten Nationen USA, Großbritannien, Frankreich und Russland.

Holocaust-Überlebende erinnern an Beginn der Prozesse

Am 19. November erinnerten Holocaust-Überlebende an den Beginn der Nürnberger Prozesse vor 75 Jahren.

„Heute wissen wir, dass die Nürnberger Prozesse ein entscheidendes Signal dafür bleiben, dass die Täter von Völkermord überall auf der Welt zur Verantwortung gezogen werden müssen. Sie waren aber auch ein Signal dafür, dass Recht und Gesetz nach Deutschland zurückgekehrt waren“, sagte der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, am Donnerstag in Berlin. 

Der Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees und Auschwitz-Überlebende, Roman Kent, sagte: „Wir hatten wirklich gehofft, dass nach den Nürnberger Prozessen die Welt nicht aufgeben würde, diejenigen zu orten und vor Gericht zu stellen, an deren Händen das Blut unschuldiger Menschen klebte. Aber das ist in viel zu wenigen Fällen und viel zu spät geschehen.“ 

Heubner sagte, viele Menschen in Deutschland hätten damals die Nürnberger Prozesse als „Siegerjustiz“ denunziert und damit die Realität der eigenen Mitverantwortung für die Verbrechen des Dritten Reiches von sich weggeschoben. 

Die Nürnberger Prozesse: Anklage vor internationalem Gericht

Bei den Nürnberger Prozessen (1945-1949) standen erstmals in der Weltgeschichte führende Repräsentanten eines Staats für ihre Verbrechen vor einem internationalen Gericht.

Verschwörung gegen den Weltfrieden, Führung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden ihnen vorgeworfen.

Die alliierten Richter sprachen nach knapp einem Jahr 1946, zwölf Todesurteile, sieben Haftstrafen - davon mehrere lebenslange - und erließen drei Freisprüche. 

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