Am 8. März ist in Bayern Kommunalwahl. Wir sprechen mit Kommunalpolitiker:innen aus Bayern, die mindestens eine Sache gemeinsam haben: Sie fühlen sich dem christlichen Glauben verbunden.
Heute lest ihr das Gespräch mit Christiane Berneth, SPD-Stadträtin in Marktbreit und Brigitte Lemsch, Stadtrats-Kandidatin in Marktbreit, ebenfalls für die SPD.
"Ein kirchliches Engagement hilft, soziale Verantwortung zu vermitteln"
Sie engagieren sich nicht nur in der Kirche, sondern auch im Stadtrat. Warum ist das für Sie wichtig?
Christiane Berneth: Es ist hilfreich, die Kirche auch auf kommunaler Ebene vertreten zu können. Bei der Sanierung unserer Kirche war es nützlich, im Stadtrat nachfragen zu können, wie bestimmte finanzielle Entscheidungen getroffen werden. Die Stadt hat uns sehr unterstützt, und das zeigt, wie wertvoll Vernetzung ist.
Brigitte Lemsch: Ein kirchliches Engagement hilft außerdem, soziale Verantwortung zu vermitteln – Nächstenliebe, Fürsorge für Schwächere und die Verbindung kirchlicher Werte mit kommunaler Arbeit.
Hat Ihr Glaube Ihre Entscheidungen in der Politik beeinflusst?
Christiane Berneth: Absolut. Glaube ist für mich eine verinnerlichte Haltung, die Entscheidungen prägt – im Beruf, im Stadtrat, im Leben. Er gibt mir Orientierung, Geradlinigkeit und die Fähigkeit, eine konsistente Haltung einzunehmen.
Brigitte Lemsch: Das bedeutet aber auch Flexibilität: Man muss zuhören, Kompromisse finden und Entscheidungen mittragen, auch wenn sie nicht dem eigenen ursprünglichen Plan entsprechen.
"Wer kritisiert, sollte sich auch einbringen"
Was raten Sie Menschen, die überlegen, sich sowohl in der Kirche als auch in der Kommunalpolitik zu engagieren?
Christiane Berneth: Ich würde sagen: Wer kritisiert, sollte sich auch einbringen. Lob oder Kritik haben nur Gewicht, wenn man aktiv mitarbeitet. Sich zu engagieren bedeutet, Entscheidungen zu verstehen, mitzutragen und Verantwortung zu übernehmen. Je mehr Menschen sich einbringen, desto breiter ist die Basis für Entscheidungen – das gilt für Kirche, Beruf und Politik gleichermaßen.
Immer wieder gibt es Berichte über Bedrohungen von Kommunalpolitiker*innen. Wie erleben Sie das und welche Unterstützung wünschen Sie sich von der Kirche?
Christiane Berneth: Bedrohungen oder Angriffe sind leider Realität. Bei uns wurde zum Beispiel unser Haus beschädigt, das kostet Kraft. Ich versuche, solche Dinge nicht zu sehr an mich heranzulassen. Das gilt auch für die Kritik an der Kirchensanierung. Wichtig ist, sich im Team auszutauschen und Entscheidungen transparent zu kommunizieren. So können sowohl Einzelne als auch die Öffentlichkeit die Hintergründe nachvollziehen. Der Rückhalt im Gremium ist entscheidend – sei es im Kirchenvorstand oder im Stadtrat.
Brigitte Lemsch: Insgesamt geht es darum, Geduld zu haben, die Perspektiven anderer zu berücksichtigen und langfristig zu denken. Entscheidungen, die wir heute treffen, sollen auch künftigen Generationen zugutekommen. Das ist in Kirche und Stadtrat ähnlich: Man muss Kompromisse finden, diese vertreten und transparent machen. Das demokratische Prinzip zu leben, ist genauso Teil meines Glaubens wie meines politischen Engagements.