Kennt Ihr das? Ihr sitzt in Café oder mit Bekannten zusammen, und dann erklärt jemand, er werde nicht wählen, das bringe doch eh nichts. 

Studien zufolge sinkt die Bereitschaft, wählen zu gehen - insbesondere bei jüngeren Menschen, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung evaluiert hat. Bei der Bundestagswahl 2025 lag die Wahlbeteiligung junger Menschen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren weit unter dem Durchschnitt. Vier Hürden erschweren für diese Menschen den Gang zur Wahlurne: Zunächst dürfen viele junge Menschen gar nicht wählen. Doch die anderen Hürden gelten für viele Menschen: Damit wir wählen gehen, müssen wir die Wahlen verstehen. Wir müssen motiviert werden und das Gefühl bekommen, dass unsere Entscheidung auch einen Unterschied macht. 

In früheren Beiträgen haben wir erklärt, wie die Kommunalwahl überhaupt funktioniert. Für den Fall, dass Ihr in eine ähnliche Gesprächssituation kommt zum Thema Nichtwählen, haben wir hier ein paar Argumente gesammelt:

1. Nichtwählen verändert das Ergebnis - aber nicht so, wie gewünscht

Es ist ein Missverständnis, zu glauben, dass die eigene Stimme nicht zählt. Wer nicht wählt, beeinflusst das Ergebnis nämlich indirekt, indem er es anderen überlässt, die Meinung zu bilden. Politische Entscheidungen werden trotz allem getroffen. 

Nichtwählen ist keine neutrale Haltung, sondern es stärkt diejenigen, deren unterstützende Gruppe besonders verlässlich an die Urne geht. Die eigene Enthaltung wirkt also eher wie ein Verstärker für andere. 

2. Wählen ist ein Recht und ein Privileg

Weltweit kämpfen Menschen dafür, frei zu leben und ohne Risiko wählen zu gehen. Unser Wahlrecht ist keine Selbstverständlichkeit, sondern hart erkämpft. Ein Teil meiner Vorfahren war im NS-Widerstand und gehörte zum Kreisauer Kreis, der eine Ordnung für die Zeit nach dem Krieg entwickelte.

Ihre Ziele waren vor allem Freiheit und die Wiederherstellung eines Rechtsstaates. Abgesehen davon zeigen wir, indem wir wählen, auch, dass wir Verantwortung übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten wollen.

3. Wahlbeteiligung sorgt für Legitimität

Wenn die Zahl der Wählenden hoch ist, dann deutet das darauf hin, was die Menschen wollen, sprich, es sorgt auch für Legitimität. Natürlich gefallen uns manche Entscheidungen nicht. Aber die Wahlen zeigen doch einen großen gemeinsamen Nenner.

Wenn hingegen nur ein kleiner Teil der Gesellschaft politisch aktiv ist, dann wird das gesamte System anfälliger für populistische Meinungen. 

4. Demokratie funktioniert nur, wenn wir alle mitmachen

Unsere Demokratie lebt davon, dass wir uns engagieren. Mit einer Wahl entscheiden wir über Personen, die wiederum über Strukturen, Ressourcen, Gesetze beraten und diese mit beeinflussen. Jede Stimme ist ein Baustein im gesamten System. 

Wenn wir nicht wählen gehen, schrumpft unser Diskussionsspektrum. Mit unserer Wahl können wir verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen unsere Stimme und unsere Unterstützung signalisieren. 

Gründe wählen zu gehen

Hier noch ein paar Lesetipps zum Thema Wählen gehen: