Die neue Jahreslosung hat bei mir jedes Jahr zum Jahresbeginn einen festen Platz im Religionsunterricht und in meinen Themenplanungen. Vor Kurzem habe ich dazu auf meinem Instagram-Kanal frau_religionslehrerin eine kleine Umfrage gestartet. Meine Community – überwiegend Religionslehrkräfte – habe ich gefragt: Behandelst du die Jahreslosung im Religionsunterricht?
52 Prozent meiner Follower*innen antworteten mit "Ja". Eine Zahl, die meiner Meinung nach noch wachsen darf. Denn die Jahreslosung ist weit mehr als ein netter biblischer Kalenderspruch. Sie bietet die große Chance, die Bibel und die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen miteinander in Beziehung zu setzen. Die ausgewählten Verse machen biblische Texte greifbar und nahbar. Schüler*innen können durch die Jahreslosung die Erfahrung machen, dass ein Bibelwort begleiten, stärken und Orientierung geben kann – und dass seine Botschaft auch heute noch relevant für das eigene Leben ist.
So auch die Jahreslosung 2026: "Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,5)
Gerade für den Religionsunterricht eröffnet dieser Vers vielfältige didaktische und inhaltliche Möglichkeiten. Das Buch der Offenbarung, das letzte Buch der Bibel, ist ein Hoffnungsbuch. Es ist in einer Zeit von Bedrohung, Verfolgung und Angst entstanden. Die Jahreslosung beschreibt nicht den Untergang der Welt, sondern eine Vision des Neuanfangs. Gott selbst verspricht: "Ich mache alles neu."
Himmel und Erde werden neu
Nicht ein bisschen besser, nicht nur teilweise – sondern grundlegend neu. Gottes "Neu-Machen" meint eine Verwandlung zum Guten: Himmel und Erde werden neu geschaffen, Tränen, Leid und Tod überwunden. Diese Zukunftsvision schenkt Hoffnung – gerade mitten im Negativen und Unsicheren.
Der Gedanke des Neuanfangs bietet viele Anknüpfungspunkte zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen: Neues wagen, Fehler machen und neu beginnen, sich verändern dürfen und die Hoffnung nicht aufgeben, wenn etwas nicht gelingt. Besonders die Schulzeit ist geprägt von Veränderungen – Schulwechsel, neue Herausforderungen und soziale Kontakte. Die Jahreslosung lädt dazu ein, mit Kindern und Jugendlichen darüber ins Gespräch zu kommen, dass Veränderung nicht immer leicht ist, aber möglich. Und dass Gott uns auf diesen Wegen begleitet.
Im Folgenden stelle ich vier Ideen vor, wie die Jahreslosung 2026 im Religionsunterricht thematisiert und didaktisch umgesetzt werden kann.
Vier Ideen:
1. Bilderbuch: "Ebse probiert was Neues"
Im Bilderbuch "Ebse probiert was Neues" (Neukirchener Verlag) verlässt das Erdmännchen Ebse durch die Begegnung mit der lebensfrohen Krake Kira seine gewohnten Wege, probiert etwas Unbekanntes aus und sammelt neue Erfahrungen. Das Buch bietet einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema Veränderung und Neuanfang.
2. Bilderbuch: "Magnus geht die Sonne suchen"
In dem Buch "Magnus geht die Sonne suchen" (Kondoo-Verlag) begibt sich das Murmeltier Magnus auf die Suche nach Licht und Wärme. Dabei erlebt er, dass Hoffnung größer sein kann als Angst – selbst in dunklen Zeiten. Eine schöne Parallele zur Hoffnungsperspektive der Jahreslosung.
3. Verknüpfung mit der biblischen Geschichte von Zachäus
Die Geschichte von Zachäus (Lukasevangelium 19) ist ein klassisches biblisches Beispiel für Veränderung und Neuanfang. Durch die Begegnung mit Jesus verändert sich Zachäus’ Leben grundlegend. Gott macht für Zachäus durch die Beziehung zu Jesus einen neuen Anfang möglich – eine starke Verbindung zur Zusage der Jahreslosung.
4. Neues braucht Zeit – "Neues muss wachsen"
In meinem Poster bzw. Arbeitsblatt zur Jahreslosung 2026, das hier kostenlos zum Download bereitsteht, wird der Bibelvers mit dem Symbol einer wachsenden Pflanze verknüpft. Veränderung geschieht oft nicht sofort. Neues braucht Zeit, Geduld und Raum zum Wachsen.
Mehr Einblicke in meine Arbeit und Tipps und Ideen für den Religionsunterricht gibt es auf meinem Instagramkanal: frau_religionslehrerin