26. April 2020
Serie "Den Glauben entdecken"

Gibt es Gott? Kann man ihn beweisen? Warum antwortet er nicht? Oder tut er es manchmal doch?

Ist Gott da? Und was wäre wenn nicht? Helmut Frank über Gottesbeweise, Stoßgebete und seine persönlichen Momente der Gottesnähe.
Gardasee Wasser Steg Berge Italien

Es war ein Campingurlaub am östlichen Ufer des Gardasees, als mir meine Tochter sagte, dass sie sich erst einmal nicht konfirmieren lassen will. Der Konfirmandenunterricht hatte eigentlich ganz gut begonnen – mit einer Konfi-Freizeit in einem evangelischen Gästehaus in den Bergen. Das Gemeinschaftserlebnis empfand sie als "unheimlich toll", vor allem weil zwei von den ansonsten härteren Jungs in einer stillen Andacht in der Kapelle weinten. Gut waren die Gespräche über Gott und Jesus, ob es Gott gibt, warum er in Jesus Christus auf die Welt kam, wozu der Glaube hilft.

Doch auf dem langen Badesteg offenbarte mir nun meine Tochter, dass sie sich eher als Buddhistin sieht. Sie ernährte sich schon einige Zeit vegetarisch und praktizierte Yoga. Im Gespräch kam heraus, dass sie den Buddhismus für den besseren Ansatz hielt, um achtsam zu leben und in der Welt Frieden zu schaffen. Ich brachte Jesus ins Spiel, der genau dies lebte und tat, aber noch einiges darüber hinaus. Meine Tochter stimmte mir zu, kam aber am Ende zu der Aussage:

Jesus ja, aber Gott – gibt es den überhaupt? Warum ist er nicht da? Warum antwortet er nicht auf Gebete?

Ich erzählte ihr eine Geschichte, die sich zehn Jahre zuvor zugetragen hatte, als sie noch ein Kind war.

Es war im Sommerurlaub 2007, im toskanischen Archipel bei Punta Ala. Lange, naturbelassene Sandstrände, Pinienwälder, bei klarem Wetter kann man die Insel Elba sehen.

Es war etwas windiger als sonst, die Brandung stärker, das Meer aufgewühlt. Man sollte die Brille beim Schwimmen nicht aufbehalten. Das wusste ich erst, als eine große Welle von rechts kam. Die Brille war weg. Was einem in diesem Moment alles durch den Kopf geht: ohne Brille kein Autofahren, ohne Auto kein Nachhausekommen.

Gibt es in Italien überhaupt Brillengeschäfte? Italiener tragen keine Brillen, ich kannte keinen Italiener mit Brille: Adriano Celentano, Berlusconi, Luca Toni – ein Volk ohne Brillen. Im Urlaub dürfen bestimmte Dinge nicht passieren. Das Auto sollte nicht kaputtgehen, der Geldbeutel mit den Plastik-Karten sollte nicht abhandenkommen – und die Brille sollte nicht verloren gehen.

Wo das passierte, war das Meer nur etwa einen Meter tief. Was macht man in so einem Moment?

Ich griff mit den Händen ins Wasser und tastete den Meeresboden ab. Nichts. Im näheren Umkreis war die Brille nicht zu sehen, es war eigentlich im Wasser überhaupt nichts zu sehen.

Eine Taucherbrille musste her. Mit einem Blick ans Ufer versuchte ich mir den Ort des Unglücks gut einzuprägen, um die Stelle später wiederfinden zu können. Von den Strandnachbarn besorgte ich mir eine Taucherbrille, zusammen mit meiner Familie beteiligte sich eine Gruppe von sechs Beachvolleyball-Spielern an der Suche.

Doch wo war das gleich noch mal? 50 oder 100 Meter weg vom Strand? Vielleicht doch etwas weiter südlich? Mit der Taucherbrille war auch nichts zu sehen. Der starke Wind und die Wellen hatten den feinen, schlammigen Sand ins Wasser vermischt, eine braune Brühe mit 0,0 Millimetern Sicht.

Nach einer Viertelstunde schickte ich die Volleyball-Spieler zurück auf ihr Feld. "Das hat keinen Sinn, danke." Doch ich selbst hatte in meiner Verzweiflung die Sache damit noch nicht aufgegeben. Ich setzte mich an den Strand und kam von dem Gedanken nicht los, dass die Brille ja irgendwo da draußen auf dem Meeresboden liegt. Könnte man am nächsten Tag suchen, wenn sich das Meer beruhigt hätte? Wahrscheinlich wäre dann das gute Stück im Sand versunken. Es muss jetzt passieren.

"Gott, bitte hilf mir jetzt!" Ein Stoßgebet. "Gott, das ist deine Chance, dich zu zeigen… Wenn es dich gibt, dann kannst du jetzt eingreifen… Natürlich soll es nicht umsonst sein. Wenn du jetzt eingreifst, dann will ich dich bekennen, bezeugen..."

Es war fast schon ein Gelübde. Ich wollte vernünftig bleiben: "Ich will dich nicht bedrängen, Gott, natürlich gibt es dich, völlig unabhängig, ob du jetzt eingreifst oder nicht. Gott, du bist größer als diese Brille, als meine vermasselte Lage."

Mit dem Blick auf das unruhige Meer wurde mir klar, wie klein die Chance ist, dass die Brille noch einmal aus dem Wasser auftaucht. Aber sie ist doch da draußen, nicht weit. "Gott, wenn das gut ausginge, es wäre ein Gottesbeweis, ein Erweis deiner Existenz!"

Mir kamen die klassischen Gottesbeweise der Theologie und der Philosophie in den Sinn.

Anselm von Canterbury (1033-1109) mit seinem ontologischen Gottesbeweis, wonach Gott existiert, weil über ihn hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Oder Thomas von Aquin (1225-1274), der den kosmologischen Gottesbeweis führte: Alles, was in Bewegung ist, wird von einem anderen bewegt; deshalb muss es einen ersten Beweger geben, der von keinem bewegt wird. Das Bewegende ist Gott.

Oder Immanuel Kant (1724-1804), der den moralischen Gottesbeweis postulierte: Wenn es keinen Gott gäbe, gäbe es für uns Menschen letztlich keinen zwingenden Grund, uns sittlich und moralisch zu verhalten.

Die klassischen Gottesbeweise sind allesamt Denkmodelle mit eklatanten Schwächen. Sie sind keine Beweise. Sie zeigen eher, dass Gott sich auf intellektuelle Weise gerade nicht beweisen lässt.

Gott ist weder die oberste Vernunft noch der erste Beweger eines vom Menschen überrissenen Systems. Gott ist ein Gott der Begegnung, der Erfahrung. Aber wo bitte zeigt er sich? Zeigt er sich in der Not? Wo ist er jetzt? "Gott, zeig dich jetzt, es ist deine Chance ..."

Eine Weile noch blieb ich am Strand sitzen und starrte aufs offene Meer hinaus, hörte dem Wind und den Wellen zu. Durch das verzweifelte Verhandeln mit Gott fühlte ich mich ihm nah, und es stellte sich ein beglückend-fatalistisches Gefühl der Geborgenheit ein. "Du wirst es schon richten, mit oder ohne Brille."

Noch einmal wollte ich hinausgehen aufs Meer. Ich versuchte mich zu erinnern, wo mir die Brille vom Gesicht gerissen wurde. Ich beobachtete die Richtung der Meeresströmung und schätzte ihre Stärke ein. Ich überschlug die Zeit, die seither vergangen war. Alle Wind- und Meeres-Daten zusammen ergaben den Bereich, in dem die Brille jetzt liegen musste. Ich watete gute hundert Schritte durch die Wellen zu der gedachten Stelle.

Ich griff ins hüfthohe trübe Wasser – bis zum Boden. Ich hatte die Brille in der Hand.

Ich konnte die Geschichte gut erzählen, weil ich sie einmal als "toskanischen Gottesbeweis" in einem Magazin zum Thema "Glück" veröffentlicht hatte. Meine Tochter hörte sehr aufmerksam zu, sie konnte sich noch an die Suchaktion im Meer erinnern. Es entspann sich eines der schönen Glaubensgespräche.

Sie hatte noch Nachfragen: warum Gott sich nicht in anderen, weit schwierigeren Situationen zeigt, ob man überhaupt mit Gott handeln darf, ob er sich wirklich nötigen lässt. Die Antwort: Ja, Gott lässt sich nötigen, aber für einen Lottogewinn sollte man besser nicht versuchen, ihn in die Pflicht zu nehmen.

Doch dann geschah etwas Unglaubliches.

Wir beschlossen, noch in der Abendsonne eine Runde im See zu schwimmen. Der schöne Ausklang eines erfüllten Tages. Ob sich meine Tochter konfirmieren lassen wollte oder nicht, war in dem Augenblick nicht mehr wichtig. Ich hatte für mich entschieden, mehr über meine Erfahrungen mit Gott und Jesus zu erzählen. Schweigend schwammen wir nebeneinanderher und ließen das Gesagte auf uns wirken.

Als wir aus dem Wasser stiegen, ein Schrei: "Oh nein, die Perle ist weg!" Den Perlenring hatte sie von ihrer Großmutter bekommen, ein Erbstück, das sie immer an sie erinnerte. Ich spürte, wie meine Brillengeschichte wertlos wurde, wie sie im Wortsinn im Meer versank. Wir suchten eine Weile im Wasser, am Ufer und an der Stelle, wo wir vom Steg aus reingesprungen waren. Meine Tochter weinte.

Die Perle war weg – und damit auch der Glaube an den Gott, der eingreift, die Hoffnung, dass er da ist, wenn man ihn braucht.

Es war aussichtslos. Eine Perle ist eben doch sehr viel kleiner als eine Brille. "Wahrscheinlich hat sie ein Fisch verschluckt, das wäre am besten", sagte meine Tochter, als sie sich die Tränen abwischte.

Wir beschlossen, noch einmal auf den Steg zu gehen, um von der Perle Abschied zu nehmen. Traurig liefen wir über die Holzplanken bis nach vorne. Da lag die Perle, genau zu ihren Füßen.

 

Wo hat sich Gott bisher in Ihrem Leben gezeigt?

Wie bewerten Sie die klassischen Gottesbeweise von Anselm von Canterbury, Thomas von Aquin und Immanuel Kant? Haben Sie einen persönlichen Gottesbeweis?

Schreiben Sie es uns in die Kommentare unter diesem Artikel!

Kommentare

Von Mutzenbauer Elisabeth am Sonntag, April 26, 2020 - 10:09

Daß wir Geistbegabt sind und ein Gewissen haben kann zu einer allgemeinen Ethik führen:So ist Kant am ehesten einsichtig auch für Zweifler

Von Rene Goeckel am Montag, April 27, 2020 - 11:41

Sie glauben tatsächlich, dass der Schöpfer eines Universums Ihnen behilflich war, Ihre Brille zu finden? Ist das nicht arg vermessen?

Von Jutta am Montag, April 27, 2020 - 21:29

In reply to by Rene Goeckel (nicht überprüft)

Ich finde das nicht vermessen. Wir sind Gottes Kinder. Und genauso wie ein Vater seinem Kind helfen würde etwas verlorenes zu finden (z.b.eine Perle) hilft Gott uns. Schließlich war die Brille auch wichtig um heil wieder nach Hause zu kommen, und welcher Vater lässt zu, dass seinem Kind etwas passiert wenn er es verhindern kann?

Von Karl-Werner am Montag, April 27, 2020 - 17:45

Es ist schon ein paar Jahre her, da verlor ich meinen Schlüsselbund. Er beinhaltete die Schlüssel für die Kirche, für den Notenschrank der Orgel, für den Spieltisch der Orgel, für das Gemeindehaus und für die Toilette neben der Kirche.
Es war aber auch ein Schlüssel für das Pfarrhaus, mit Büro und Zugang zur Wohnung des Pfarrers mit dabei.
Stundenlanges Suchen, zu Hause, im Auto auf dem Weg zur Kirche, selbst in der Kirche war vergeblich.
Am Abend "beichtete" ich diesen Verlust meinen Pfarrer.. Er sagte, dass so etwas immer mal passieren kann.
Mir war nicht wohl, und ich hatte Angst, denn mit dem Schlüssel zum Pfarrhaus hat man ja auch Zugang zur Pfarrfamilie.
Ich betete zu Jesus Christus um Hilfe und seinen Beistand. Ich wüste aber nicht wie ER mir helfen sollte und kann.
Gegen ca. 20.30 Uhr gingen wir zu Bett. Ich deckte mein Bett auf, schlug die Bettdecke zurück, nahm meinen Schlafanzug, - und da lag der Schlüsselbund unter meinem Schlafanzug.
In der Wohnung waren nur meine liebe Frau, unser Hund und ich. Keiner von uns hatte den Schlüsselbund berührt, geschweige denn ins Bett unter meinen Schlafanzug gelegt.
Zu unserer Wohnung hat niemand, außer uns Zugang. Der Bote Gottes wusste ja, dass ich mich mal schlafen lege und dabei den Schlüsselbund sehe.
Da konnte ich nur Jesus von ganzem Herzen danken für diese Hilfe.
Diesen Fund meldete ich sofort meinen Pfarrer und erzählte ihm von der wunderbaren Rettung und danke meinen Herrn und Heiland dafür.

Von Rene Goeckel am Montag, April 27, 2020 - 19:38

Herr Frank, meine Frage war nicht rhetorisch gemeint. Möchten Sie bitte darauf antworten? Als Chefredakteur dürfte Ihnen das doch nicht schwer fallen. Das gäbe doch einen interessanten Artikel ab. Nun denn, froh an's Werk.

Von Ursula Werner am Samstag, Mai 2, 2020 - 16:54

Lieber Herr Frank, ich glaub, sie hat sich konfirmieren lassen! Ich sitze hier, nach dem Lesen der Geschichte, bzw. den Erfahrungen mit den verlorenen Gegenständen, Gott, den Fundstücken - und mir laufen die Tränen übers Gesicht. Wenn sie wüsste, wie tief mich das berührt!
Ich hab ein Fundstück am Bach, an dem wir wohnen, an dem Tag, als ich mich entschied, wieder in die Kirche einzutreten, ist noch gar nicht so sehr lange her. Es hatte einen kleinen Edelstein angeschwemmt ... Es war für mich ein unendlich wichtiges Zeichen, in meinem Ringen damals, ob ich wieder eintreten soll oder nicht. Vielleicht können gerade Sie das verstehen! Danke für Ihre Geschichte!

Von Karin am Freitag, Juni 5, 2020 - 16:42

Ich habe vor vielen Jahren,meine Kinder waren noch klein es regnete leicht,an Gott gedacht.Habe gesagt,Gott ,wenn es Dich gibt ,lasse es einmal ganz doll regnen.Genau in dem Moment ,prasste es aus Kübeln.Ganz kurz.Dann ging der Regen wieder in einen leichten Niederrschlag über.Dass war für mich der Beweis,,daß Gott exestiert.

Ich bin 25 Atheist/Agnostiker und habe den Artikel aus langweile an meinem Arbeitsplatz überflogen... jetzt muss ich kommentieren...
Mir ist EXAKT das gleiche passiert als ich mit circa 12 Jahren an der Bushaltestelle saß.
Ich hatte über Religion und dergleichen nachgedacht und dann (im Erzgebirge wartet man schon mal 1 bis 2 Stunden auf den Bus) leise vor mich hingemurmelt:"Gott, wenn es dich gibt zeig mir doch einfach ein Mal, dass du da bist."
Sekundenschnell beginnt es einen warmen unbedrohlichen Schauer zu regnen was unglaublich war, weil die Wolken im fast blauen Himmel nicht nach Regen aussahen.
Die Geschichte erzähle ich immer in Verbindung mit meiner agnostischen Haltung sie ist und bleibt mein Grund kein purer Atheist zu sein und war ein einschneidendes Erlebnis in meinem Leben.
Der Logiker ruft "Zufall"
Der Romantiker "Ein Zeichen"
Der Nihilist "Belanglos"
Aber es war traumhaft.

Von Juliane am Dienstag, Juli 7, 2020 - 04:05

Was für tolle Geschichten die mir immer beweisen Gott ist da..Auch ich habe eine wunderschöne Geschichte erlebt und ich wurde Christ obwohl ich nie christlich erzogen wurde.
Gott ist da...Wie wunderbar.

Von Reinhard am Montag, August 3, 2020 - 08:34

Ich habe mich von der Kirche abgewandt,sie erscheint mir zu Unglaubwürdigt,aber die Nähe zu Gott finde ich in der Natur,da kann ich ungestört mit ihm Reden.

Von Kugel Amelie am Donnerstag, November 19, 2020 - 09:32

Man soll nicht glauben das es ihn gibt man soll glauben das er immer da war und man sollte ihn lieben und vertrauen! Nicht nur sagen das es ihn gibt!

Von Jen am Samstag, Januar 2, 2021 - 04:14

Für mich sind das Zufälle, Glück. Es gibt bis heute keine Beweise das es einen Gott gibt. Und wenn ja, warum gibt es dann mehrere auf der Welt? Warum wird der Tochter nicht erlaubt an Buddhismus zu glauben und sie von Glücksgeschichten umgewandt an etwas anderes zu glauben?

Von Gast am Donnerstag, Januar 28, 2021 - 14:12

Diese Geschichte wurde mir von meiner Oma erzählt:

Meine Familie kommt aus Kasachstan und da hatte es viel geschneit, die Türen waren oft zu geschneit, so daß man immer eine Schneeschippe im Haus haben musste. Eines Tages viel der Bruder meiner Oma in ein Metertiefes Schneeloch. Er sollte schnell erfrieren, dass wusste meine Oma und ihre Schwester und sie liefen sofort zu meinem Uropa. Sie hatten den Jungen noch rausbekommen, es war ein Wunder, er ist nicht erfroren und atmete. Als er zu sich kam war er sauer, er schrie ,,Warum habt ihr mich rausgeht? Es war so schön da! Es war warm und Hell ! Ich war bei Gott!"

Mein Uropa war Priester und meine Oma half ihrem Vater oft, doch seit dem Wunder ihres Bruders glaubte sie mehr dennje an Gott und so las sie mir als ich noch jünger war immer die Bibel vor.

Ich weiß nicht ob diese Geschichte sich genau so vorgetragen hat, aber ich vertraue meiner Oma

Liebe Grüße: Brian (13)

Von SusanneE am Montag, Februar 22, 2021 - 18:56

JA, auch ich habe Gott erfahren.
Ich habe vor 25 Jahren mein Theologiestudium auf Lehramt begonnen und musste dafür zwei alte Sprachen, Altgriechisch und Hebräisch lernen. Das fiel mir sehr schwer, jedoch investierte ich jede freie Minute in das Sprachenstudium. Ich begann zunächst mit Hebräisch und lernte Tag und Nacht, besuchte den Intensivkurs und am Wochenende einen zusätzlichen Klausurenkurs, doch nichts half. Meine Noten in Hebräisch waren schlecht, so sehr ich mich auch anstrengte. Endlich kam am Ende des 2. Semsters die Erweiterungsprüfung, die aus zwei Teilen bestand, einer mündlichen und einer schriftlichen Prüfung.
Ich lernte extrem für dies Prüfung, jedoch versagte ich auch dort. Ich schrieb eine 5-.
Jetzt konnte ich mein Hebraicum nur noch schaffen, wenn ich eine 2 in der mündlichen Prüfung machen würde.
Am Abend vor dem zu Bett gehen betete ich zu Gott. "Herr bitte hilf mir, schenkt mir gute Gedanken, einen klaren Kopf und leg mir die richtigen Worte in den Mund."
Ich öffnete noch ein letztes Mal vorm Einschlafen meine Biblica Hebraica, übersetzte für mich einen kleinen Abschnitt, schrieb mir mit Bleistift die Übersetzung über die Worte und schlief vor Erschöpfung ein.
Am nächste Tag war meine mündliche Prüfung, leider erst spät abends und ich war extrem nervös.
Als ich in den Vorbereitungsraum kam gab man mir meinen Übersetzungstext und ich fing an zu zittern, es waren genau die Sätze, die ich in der Nacht zuvor für mich übersetzt hatte.
Ich war kurz wie gelähmt, fing dann aber an zu arbeiten und machte eine gute 2.
Ich bekam mein Hebraicum und konnte weiter studieren und bin Jetzt immer noch Lehrerin für ev. Theologie.
ALLES ZUFALL? Nein, für mich nicht.

Von Ein Mensch von vielen am Donnerstag, März 18, 2021 - 15:54

Der Glaube an Gott war und ist schon immer allein dazu da gewesen, das die Menschen nicht verrückt werden, als Schutz, um ihr dasein in diesem unvorstellbar riesen Universum, den zig Trillarden Planeten, begründen zu können. Damit sie sich bei ihrer Sinnlosigkeit nich sofort vernichten, das nennt man Selbsterhaltungstrieb! Man betet doch gegen eine Wand, ins nichts betet man. Warum kommt sich dieser Mini-Mensch nur soo besonders vor, das da noch was übersinnliches sein müsste, das man eine Seele hätte, das es im Jenseits weiterginge, da besteht absolut keine Notwendigkeit dafür! Das man zuerst auf diese Welt kommen muss, damit man erst "getestet" wird. Was für einen Grund, einen Nutzen sollte es für einen Gott geben, das wir überhaupt existieren! Dann müssten ja auch alle zig Millarden Ameisen, zig Milliarden Käfer, Vögel und alle anderen lebendigen Organismen eine Seele haben, aber nein, nur der Mensch hat natürlich sowas, und kommt in den Himmel, weil er ja sowas tolles ist, weil er denken kann, weil er sprechen kann, weil er sich so etwas fragen kann, weil er ein "Ich-Bewusstsein" hat. Das Universum wäre auch dann da und die Erde würde sich auch dann drehen, wenn wir nicht da wären, das ist fakt. Es ist doch die Angst und Verzweiflung, das nach dem Tod nichts mehr kommt, das man unter der Erde nur noch als Knochen besteht oder verbrannt und zu Asche wird um dann als Dünger für die Erde, als Kreislauf für die Natur zu dienen. Glaube und Hoffnung auf ein danach ist nur in den Köpfen, damit man nicht gänzlich alleine dasteht und sich fragt, wozu man überhaupt da ist, als Schutz. Wir Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, sind einzig dafür da, um Gene weiterzugeben, damit die Spezies nicht ausstirbt. Liebe, Zuneigung, Zusammengehörigkeit, Essen, trinken, Moral und alles andere sind Instinkte, sie dienen um zu überleben, allein um den Erhalt zu sichern. Brille gefunden, Perle gefunden? Erzählt das mal denen, die jeden Tag ihr Kind, ihre Mutter, ihr Leben verlieren! Bei denen gibt es keine Super-Zeichen! Die noch so beten können und plötzlich verschwinden. Aber das was ein MENSCH vor 2000!!! Jahren erlebt und gesagt hat, daran "glaubt" man natürlich noch im 21. Jahrhundert... An Metaphern, die von Leuten geschrieben wurden, die sich damals all das Ganze nicht erklären konnten. Was macht man eigentlich dann im versprochenen Jenseits, unendlich lang stricken und singen, mit gaaanz viel Liebe!? Wenn es doch so toll "da drüben" ist, wozu sind wir dann überhaupt hier!? Ach ja, klar, freier Wille und testen.... Wir haben nur dieses eine Leben, ohne gefragt worden zu sein, mit Leid und Verlusten, da ist es dann natürlich nicht leicht, sein Schicksal zu akzeptieren. Zu akzeptieren, das sein eigenes Leben und der anderer, egal was man macht, einzig allein für den Erhalt, als Vorbereitung für die nexte Generation des Menschen und der Natur dient! Jeder kann glauben was er will, aber heutzutage, bei dem ganzen Schrott auf der Welt, noch an einen Supadupaman, der uns im Himmel freundlich mit Vanilleeis begrüßt oder einem"Spaghetti-Satan-Monster", der uns die ganze Zeit die Kerze auspustet, zu glauben, bleibt mir und wird mir unverständlich bleiben. Ach ja, und danke noch an "Adam und Eva", das wir ihren Müll immernoch ausbaden dürfen!

Von Michael am Dienstag, April 6, 2021 - 17:52

Ich bin streng katholisch erzogen worden und ein regelmäßger Kichgänger gewesen. Durch Corona und die Weigerung der Priester Gottesdienste anzubieten, bin ich ins Grübeln gekommen. (Wieso hilft Gott plötzlich nicht mehr, so dass man sich anstecken kann).
Ich sehe das ähnlich wie der Kommentar von "Ein Mensch von vielen".
Wie kann ein liebender Gott eine Pandemie, wie Corona, zulassen? Bei Kriegen heißt es sofort, der freie Wille der bösen Menschen ist der Grund. Aber bei Corona sehe ich da keinen Zusammenhang mehr. Es wird immer so gedreht, wie man es gerade braucht.

Gott ist die Hoffnung und die Liebe. Das muss aber kein überirdisches Wesen sein. Wenn ich Hoffnung brauche und mir der Glaube hilft - schön. Wenn ich Yoga mache und es mir hilft - auch gut. Der christliche Glaube an sich ist mit seinen etischen Werten schon ok. Es sieht so aus, als hätte man Gott darüber gelegt um eine Respekt-"Person" zu haben, damit der Glaube anerkannt und befolgt wird.
Ein Staat hat auch Gesetze, damit das Zusammenleben funktioniert. Die Polizei/Richter sorgen dafür, dass die Gesetze eingehalten werden. Wie genial ist es doch, wenn man alle Menschen dazu bringt an einen Gott zu glauben, so dass sich alle an die Gesetze halten? Keine Polizei/Richter mehr nötig, Keine Angst, keine Gewalt, das Paradies auf Erden.

Klar ist das Universum genial und komplex und unvorstellbar, dass es zufällig entstanden sein soll. Wer sich aber etwas mit Urknalltheorien beschäftigt, sieht, dass man nur unendlich viel Zeit/Versuche benötigt um diesen einmaligen Urknall hinzubekommen. Und Unendlich viel Zeit ist nunmal gegeben, da weder Materie noch Energie verschwinden.
Ein Affe schafft es auch die Bibel fehlerfrei auf einer Schreibmaschine zu schreiben, wenn er beliebig viele Versuche bekommt.
Auf der einen Seite heißt es, Gott beschützt dich, aber wehe du probierst es aus! Das darfst du nicht, denn dann würdest du widerlegen, dass er dir hilft. Klar kann beten helfen, sich zu konzentrieren und dadurch kann man Dinge besser oder hat weniger Angst vor einer Prüfung, aber das ist Psychologie und kein Gott, der dem einen mal hilft, dem anderen aber nicht.
Von daher ist Jesus ein guter Philosoph und Etiker, aber Gottes Sohn?
Der selbst gesagt hat. "Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Da hatte er wahrsheinlich auch die Erleuchtung, dass alles ohne Gott mehr Sinn macht als ohne.

Von Franz Birnbach am Freitag, April 9, 2021 - 01:34

Als mein Vater an Krebs erkrankte und ich zu Gott betete jeden Tag und er nach einem Jahr qualvoll starb verlor ich den Glauben an Gott. Viele Jahre später betete ich wieder zu Gott, wenn es dich wirklich gibt dann beweise es mir und mache mich schwer Krank und danach wieder Gesund. Es dauerte nicht lange und ich bekam Lyphdrüsenkrebs und musste 16 Chemotherapien machen und Radioterapia. Es war 1997 und ich habe es nur ganz ganz wenigen Menschen erzählt.

Von Anonymous am Dienstag, April 20, 2021 - 19:34

Ich wuchs als Christ auf, da alle aus meiner Familie stark gläubig waren, doch in dem Moment, in dem ich das hier schreibe, bin ich es schon lange nicht mehr. Sie haben den Nagel sehr gut auf den Kopf getroffen, denn genau der Fakt, dass Gott sich nicht bei jedem schlimmen Ereignis beweisen lässt, lässt es mit Zufall gleichsetzen. Aufgrund dessen, bin ich der Meinung, dass solche Geschichten keine Beweise sind.
LG

Von Thommy Waldmann am Sonntag, Mai 16, 2021 - 21:11

Ich bin gerade in der Phase in der ich an Gott zweifle, da ich meinen Vater durch Krebs verloren habe. Wollen Sie nun ernsthaft eine Geschichte über eine Wiedergefundene Brille als Gottesbeweis anführen??? Das ist ja Hohn für alle Gläubigen Menschen, die trotz Glaube und Gebet einen lieben Menschen verloren haben. Gott hilft Ihnen bei einer mit Verlaub, absolut sinnlosen Sache, aber lässt andere Menschen qualvoll an Krebs sterben?Ich denke Sie sollten Ihren Gottesbeweis dringend überdenken, denn wenn es so ist das Gott lieber Brillen suchen hilft als Schwerkranken Menschen wäre das doch eine höchst zweifelhafte Sache!

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