2.11.2019
Videoprojekt

Künstlerin Manuela Hartel interviewt Gemeindemitglieder an drei mittelfränkischen Orten über ihren Glauben

Was hat das kleine mittelfränkische Eschenau mit München und Augsburg gemeinsam: Im Rahmen eines kirchlichen Kunstprojekts hat hier eine Künstlerin in und mit der Gemeinde gearbeitet.
Künstlerin Manuela Hartel interviewt für ein Filmprojekt Gemeindemitglieder über ihren Glauben

Was die Münchener Videokünstlerin Manuela Hartel 28 Interviewpartner rund um ihren Glauben gefragt hat, lässt sich zusammenfassen auf ein "Worum geht's?". Diese Frage und dieser Projekttitel schweben über den Videoportraits, die sie als "Artist in Residence" angefertigt und in den kommenden zwei Wochen in den evangelischen Kirchen St. Bartholomäus in Eschenau, St. Anna in Forth und der Friedenskirche in Eckenhaid im Landkreis Erlangen-Höchstadt zeigt. Ein künstlerisches Ausloten intimer Ansichten - intensiv für Künstlerin, Pfarrer und Teilnehmer. Die rund zehnminütigen Geschichten werden vom 3. bis 17. November in den Kirchen zu sehen sein.

Im Zuge des von der Landeskirche und der Erzdiözese München und Freising angestoßenen Projekts waren in zwei evangelischen und einer katholischen Gemeinde in Bayern im September und Oktober Künstler zu Gast, die während ihrer "Residenz" mit den Menschen vor Ort arbeiteten. Neben der Barfüßerkirche in Augsburg und der Münchener Pfarrei St. Ursula und St. Sylvester kamen auch die im Verhältnis kleinen drei Kirchengemeinden und Pfarreien Eschenau, Eckenhaid und Forth im Dekanat Erlangen mit ihren gesamt rund 7.000 Mitgliedern bei der Bewerbung zum Zug. 

Manuela Hartel hat sich dem Leben der Menschen vor Ort genähert, genau hingeschaut und hingehört, was sie in Glaubensdingen bewegt.

Eine erste Auswahl an Befragten nominierten jeweils weitere Personen, die sie für die Portrait-Reihe kontaktierten. "Wir wollten vermeiden, dass an dem Projekt nur dieselben Personen teilnehmen, die ohnehin in der Kirche aktiv sind, sondern den Blick auch auf Kirchenferne leiten", meint Pfarrer Martin Irmer. 

Bei der renommierten Medienkünstlerin Manuela Hartel, die bereits auf der Biennale in Venedig, in Athen und zuletzt im September im Libanon präsent war, haben die Gespräche ihre Spuren hinterlassen. "Manche Menschen waren unglaublich offen bei den Interviews. Man redet einfach selten über Glaubensfragen", sagt Hartel.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Gespräch mit einem aus Äthiopien geflüchteten Christen, der von seiner Kirche und seinem Glaubensleben dort erzählt hat. Sie durfte ihn nicht selbst filmen, nur die Stimme und die Gesprächssituation aufnehmen. Herausgekommen ist trotzdem eines der eindrucksvollsten Porträts, weil der junge Mann von seinem Kampf berichtete, seinen Glauben ausleben zu dürfen.

"Man hat als Künstler auch die Verantwortung, die Offenheit der Interviewpartner nicht auszunutzen", erklärt Manuela Hartel. Die Ergebnisse würden auf jeden Fall Inspirationen für den eigenen Glauben bieten. Und die Gemeinde näher zusammen bringen.

"Es war eine sehr intensive Erfahrung, mit einem wildfremden Menschen über seinen Glauben zu sprechen, sich dabei filmen zu lassen und zu wissen, dass das Ergebnis fremde wie bekannte Leute sehen werden", bekundet Stefan Vogel, Metallgestalter aus Eckental. Zwar spreche er auch im Bekanntenkreis offen über seine Erfahrungen, wenn es um Gott und Kirche geht, doch selten gehe es dabei so ans Eingemachte wie bei seinem rund einstündigen Video-Interview, aus dem Manuela Hartel die Essenz herausgeholt hat. Auf alle Fälle habe er sich nach der Nabelschau ein bisschen besser gefühlt. Jetzt sei er gespannt auf die Reaktionen.

Kunstprojekt: Artists in Residence

Das Zusammenspiel von Gegenwartskunst und Kirche haben drei bayerische Kirchengemeinden im Rahmen des Projekts "Zwischenspiel - Artists in Residence" erprobt. In zwei evangelischen und einer katholischen Gemeinde nahmen für jeweils zwei Monate zwei Künstlerinnen und ein Künstler Quartier. Während ihres Aufenthaltes sind Arbeiten aus Interaktionen mit den Gemeinden entstanden, teilte das Büro der Nürnberger Regionalbischöfe mit.

Nach Abschluss der Arbeitsphase der Künstlerinnen und Künstler soll eine Publikation erscheinen, die bei einer Abschlussveranstaltung am Samstag 1. Februar 2020, präsentiert wird.

Öffnungszeiten der 3 Ausstellungsorte: Sonntag 3. bis Sonntag 17. November 2019, jeweils 17 bis 20 Uhr, Eschenau, St. Bartholomäus, Forth, St. Anna, Eckenhaid, Friedenskirche.

Der Reformationsgottesdienst für alle 5 Gemeinden ist am Sonntag, den 3. November um 10 Uhr in der Evangelischen Kirche St. Andreas in Kalchreuth.

Weitere Abschlussveranstaltungen: Augsburg: Donnerstag 7. November, 17:45 Uhr in der Barfüßerkirche, Milerer Lech 1, 86510 Augsburg

München: Freitag 15.11.2019, 19:30 Uhr Performative Lesung in der Kirche St. Ursula.

www.zwischenspiel-eckental.de
www.kirchengemeinde-eschenau.de

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