In der aktuellen Debatte um die Zukunft der bayerischen Kirchen hat sich der emeritierte Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, optimistisch gezeigt. Er sei überzeugt, dass die beiden großen Kirchen mehr Gotteshäuser bewahren könnten, als viele derzeit meinten, sagte der Theologe bei einer Podiumsdiskussion in München am Donnerstagabend in der Katholischen Akademie Bayern. Dafür müsse man in Gemeinden und Gesellschaft aber "erst über den Wert von Kirchen sprechen, bevor man über ihre Verwertung spricht", sagte Schick.
Auch der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp gab sich gelassen: "Wir befinden uns in einem Wandel, aber das ist nicht der erste in der Geschichte der Kirche." Er setze auf die Energie der Menschen vor Ort: "Die müssen wir aktivieren, und damit sind wir erst ganz am Anfang", betonte Kopp. Kirchen seien "Lieblingsorte" auch für Menschen, die nicht Mitglied seien. Bei der Nutzung von Gotteshäusern wiederum sei er offen: "In Kirchen ist schon immer alles Mögliche passiert."
Kirchengebäude in Bayern
Rund 10.594 Kirchen gibt es derzeit in Bayern. Die evangelische Landeskirche zählte zum Februar 2026 exakt 1.784 Gotteshäuser. Die sieben katholischen Bistümer kommen zusammen auf 8.810 Sakralgebäude. Dabei sind in den meisten Bistümern kleinere Kapellen noch gar nicht eingerechnet – allein im Erzbistum München und Freising sind das 1.365. Von den evangelischen Kirchen stehen 1.317 unter Denkmalschutz, das entspricht etwa 74 Prozent. Bei den katholischen Geschwistern liegt die Zahl der denkmalgeschützten Kirchen bei über 6.500, also ebenfalls mindestens 74 Prozent. Eine genaue Zahl lässt sich aufgrund der unterschiedlich präzisen Angaben aus den Bistümern nicht ermitteln.
Die evangelische Landeskirche listet außerdem 1.444 Gemeindezentren und -häuser auf, dazu 1.110 Pfarrhäuser. Zusammen mit den Sakralgebäuden ergibt sich so die Gesamtzahl von 4.328 kirchlichen Immobilien. Die bayerischen Bistümer besitzen zusammen inklusive ihrer Gotteshäuser über 21.037 Immobilien. Die Kosten für den Erhalt dieser Gebäude sind hoch und belasten die kirchlichen Haushalte zunehmend.
Prognosen zufolge wird es deshalb in 30 Jahren aufgrund von Mitgliederrückgang und sinkenden Einnahmen deutlich weniger sakral genutzte Kirchen in Bayern geben. Schon in den vergangenen Jahren wurden Gotteshäuser aufgegeben oder umgenutzt: Die evangelische Landeskirche beziffert die Zahl auf 30 Kirchen seit 2015. In sechs katholischen Bistümern waren es den Angaben zufolge in den letzten Jahren insgesamt 34 Kirchen. Das Bistum Augsburg nennt eine Zahl von 184 Gebäuden, die an Kommunen oder Privatpersonen abgegeben wurden. Darin sind aber auch andere kirchliche Immobilien enthalten.
"Einseitig auf Liturgie getrimmt"
Diese Ansicht teilte der frühere Bamberger Erzbischof: "Kirchen hatten immer verschiedene Funktionen: Verkündigung, Heilung, Caritas. Wir haben sie zuletzt ein bisschen einseitig auf Liturgie getrimmt – das war nicht die beste Idee", sagte Schick. Bei der Nutzungsfrage von Sakralgebäuden müsse deshalb auch die katholische Kirche ihren Horizont weiten.
Das Gebiet der Evangelisch-Lutherischen Kirchen von Bayern ist deckungsgleich mit dem des Freistaats Bayern. Die katholische Kirche organisiert sich im Freistaat in sieben Bistümern: Augsburg, Eichstätt, Passau, Regensburg, Würzburg sowie die Erzbistümer Bamberg und München-Freising.
Unterstützung dafür kam von wissenschaftlicher Seite: Gerade für Nicht-Mitglieder hätten Gotteshäuser oft einen hohen immateriellen Wert, betonte Albert Gerhards, Gründer der Forschungsgruppe Transara für Sakralraum-Transformation an der Uni Bonn. Darin liege ein großes Potenzial für die Gemeinden, "wenn sie ihre Räume öffnen, Gastfreundschaft zeigen und bereit sind, zu teilen".
Zu große Einheiten gefährden Ehrenamt
In diesem Zusammenhang warnte der katholische Theologe vor zu großen Regionalgemeinden: "Da verliert man die Ehrenamtlichen vor Ort." Die Kunst bei den anstehenden Strukturreformen sei es, "große Einheiten zu schaffen und zugleich die Ortsstrukturen zu stärken", erklärte Gerhards.
Das Podiumsgespräch war Teil der Fachtagung "Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor – Wer und was bestimmt wirklich über die Zukunft der Kirchen?", die noch bis Samstag dauert. Sie wird gemeinsam von der Katholischen Akademie Bayern, der Evangelischen Akademie Tutzing, dem Katholischen Büro Bayern, dem Evangelischen Landeskirchenamt und den Erzbistümern Bamberg sowie München und Freising organisiert.